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Corona-Krise wurde für viele zur persönlichen Krise

Fachstelle Sucht
Heike Gmeinwieser und Lars Kiefer von der Fachstelle Sucht in Singen. swb-Bild: pr

Fachstelle Sucht bilanzierte zum Internationalen Tag gegen Drogenmissbrauch steigende Rückfallquoten

Singen. Anlässlich des Internationalen Tags gegen Drogenmissbrauch machte die Fachstelle Sucht Singen auf die existenziell wichtige Arbeit der Sucht- und Drogenhilfe im Landkreis Konstanz aufmerksam. Menschen mit einer Suchtproblematik, egal ob es sich um Alkohol, illegale Drogen, Medikamente oder Glücksspiel handelt, sind aus ihrer Erfahrung in Krisenzeiten besonders gefährdet.

Im Sprachgebrauch der Corona-Pandemie heißt das: Hochrisikogruppe aufgrund einer Vorerkrankung. Meike Gmeinwieser, Sozialpädagogin in der Fachstelle Sucht berichtet von schweren persönlichen Krisen bei Betroffenen. Sei es Homeoffice, Kurzarbeit oder gar der Verlust des Arbeitsplatzes, die Überforderung von Familien durch Homeschooling oder die weggefallenen Möglichkeiten zu sozialen Kontakte  - belastende Ursachen für krisenbedingte Rückfälle hätten deutlich zugenommen.

Sucht ist ein bio-psycho-soziales Krankheitsbild und greift deshalb in alle Lebensbereiche eines Menschen ein.  Der Jahresbericht der Fachstelle porträtiert in einem Interview die eine Frau, die 1,5 Jahre die ambulante Rehabilitation Sucht vor Ort in Anspruch genommen hat. Bewegend und berührend berichtet sie, wie sie in dieser Zeit durch die Unterstützung der Therapiegruppe und Einzelgespräche vor Ort zu neuen Kompetenzen gekommen ist. „Der Blick auf den sozialen Kontext wie Famlie, Arbeitsplatz oder auch die Hobbies fallen dabei mehr ins Gewicht als bei Kliniktherapien“ verdeutlicht Gmeinwieser.

 „Die Suchthilfe ist da für Viele ein Rettungsanker“, bekräftigt Lars Kiefer Leiter der Fachstelle Sucht des bwlv.  „Deshalb sind wir sehr froh, dass wir die Suchtberatungsstellen als Krisenanlaufstellen weitgehend aufrechterhalten konnten“, so Kiefer. Die steigenden Zahlen von Menschen, die sich zurzeit in Suchtberatungsstellen melden, bestätigt diese Annahme. Für die Suchthilfe bedeutet dies ein Kraftakt in jeder Hinsicht – personell, logistisch, finanziell und letztlich auch menschlich.

Nachdem die Beratungstätigkeit der Hauptamtlichen in der Fachstelle Sucht in Singen und Radolfzell unter den allgemeinen Hygieneauflagen seit einigen Wochen wieder erfolgreich starten haben nun auch nun die ehrenamtlichen MitarbeiterInnen den ang ersehnten Neustart der Selbsthilfegruppen vollziehen können.

Die Info- und Motivationsgruppe in Singen trifft sich seit Ende Juni wieder dienstags ab 19 Uhr in der Julius-Bührer Strasse 4 in den Räumen der Fachstelle Sucht im DAS 1. Seit 24.Juni wird in der Schützenstrasse 2 in Radolfzell die Info- und Motivationsgruppe ab 18 Uhr betroffene Menschen willkommen heißen. Dort trifft sich auch Montangs wieder die Selbsthilfegruppe für Glücksspielsüchte und die einen kritischen Umgang mit neuen Medien pflegen. In den ungeraden Wochen treffen sich seit  1.Juli wieder Angehörige von Menschen mit Suchtproblemen und bekommen ab 19.30 Uhr in Radolfzell Unterstützung. Dieses Angebot wurde im vergangenen Jahr neu ins Leben gerufen.

Große Sorgen machen sich die Fachkräfte auch um die Kinder, die in suchtbelasteten Familien leben. Die ohnehin belastete Lebenssituation der Kinder verschärfte sich durch die Isolation des Corona-Lock Down erheblich bis hin zu traumatischen Situationen. „Überall wo es möglich ist, versuchen wir den Kontakt zu halten. Das Kindeswohl liegt uns sehr am Herzen. Bei unserer Kindergruppe Aufwind konnten wir in der Krise Gassigehen in Wohnortnähe der Kinder mit dem Begleithund Nero und Gruppenchats für diese besonders vulnerable Gruppe anbieten.“, fasst Lars Kiefer die Lage zusammen. Dieser Mehraufwand war zeitlich zwar enorm, aber habe sich für die Kinder als wertvolle Stütze in einer unruhigen Zeit dargestellt.

Obwohl die Zahlen weiter rückläufig sind, wird der Tabakkonsum seit jeher als schädlichstes Suchtmittel noch vor dem Alkohol benannt. Der Schadstoffgehalt im Rauch ist bei Zigaretten wie bei Shishapfeifen sehr hoch und auch das Suchtpotenzial liegt bei beidem ganz oben. „Aus Präventionssicht sollte Drogenpolitik zur Gesundheitspolitik werden und die Aufklärung vor allem in Schulen ausgebaut und die Werbung für Suchtmittel aller Art stark eingedämmt werden.“ betont Kiefer wenn es um den Ausblick in die Zukunft geht.

Direkte Infos und Kontakt: https://www.bw-lv.de/beratungsstellen/fachstelle-sucht-singen/

Wochenblatt @: Oliver Fiedler