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Damit die Stadt lebendig bleibt

Marktplatz Radolfzell
Die Corona-Krise hat dem Handel in den Innenstädten der Region stark zugesetzt. Das Überleben der Geschäfte ist aber auch für das Leben der Städte enorm wichtig. swb-Bild: dh

Auch für die Innenstädte in der Region ist mit Corona eine neue Zeit angebrochen

Radolfzell. Wie wichtig belebte Innenstädte sind, hat sich schon während des Lockdowns gezeigt. In der Zwischenzeit ist das Leben zurückgekehrt, und das soll auch so bleiben, wünschen sich viele Radolfzeller.

Seit Geschäfte, Restaurants und Cafés wieder öffnen dürfen, gehören belebte Innenstädte wieder zum alltäglichen Bild. Trotz allem bleibt bei manch einem die Lust auf eine Shoppingtour in Anbetracht von Maskenpflicht und Hygienevorschriften noch gering. Das zeigen auch Statistiken laut denen der Online-Handel ein dickes Umsatzplus verzeichnen kann. Wie wichtig jedoch ein florierender Handel für die Innenstädte ist, haben die letzten Monate gezeigt. Auch historisch hatte der Handel einen großen Einfluss auf die Entwicklung der Städte. »Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts war die Altstadt von Radolfzell von Handwerkern und Landwirten geprägt. Der nicht alltägliche Bedarf wurde auf den vier Jahrmärkten oder in Konstanz gedeckt«, weiß der Radolfzeller Historiker Christof Stadler. »Mit der Industrialisierung und dem Anschluss ans Eisenbahnnetz änderte sich dies und Radolfzell spielte seinen Standortvorteil aus, erklärt er. Die Korn- und Viehmärkte brachten neben den Wochenmärkten Kunden und Leben in die Stadt. 1830 gründete Dominik Noppel sein Eisen- und Gemischtwarengeschäft in der Kaufhausstraße, welche alsbald zu einem »Einkaufszentrum« im Hegau avancierte.

Viele Traditionsgeschäfte

Entsprechend viele Traditionsgeschäfte existieren zum Teil bis heute, so etwa das Wohnstudio/Möbelhaus Mattes, das Schuhgeschäft Hafner oder das Spielwarengeschäft Swars-Uhl, nicht zu vergessen das hundertjährige Kaufhaus Kratt, berichtet Stadler. Seiner Meinung nach ist es wichtig, die Einkaufsmöglichkeiten vor Ort zu nutzen. »In Radolfzell einzukaufen heißt, die Kauf- und Wirtschaftskraft vor Ort zu unterstützen. Ein guter Service, kompetente Ansprechpartner und Arbeitsplätze zu erhalten sind nicht nur in Zeiten von Klimawandel überzeugende Gründe, global zu denken und lokal zu handeln«, so Stadler.
In der Tat wissen viele Menschen die Einkaufsmöglichkeiten der Innenstadt zu schätzen. eine von Ihnen ist Constanze Werdermann. »Ich bin stolz darauf, dass wir hier noch viele kleine Geschäfte und wenig Ketten haben. Zudem ist unsere Fußgängerzone auch noch radfahrer- und kinderfreundlich. Und mein Sohn ist stolz, dass er als heute zehn-Jähriger bereits seit einigen Jahren alleine einkaufen gehen kann in unserer doch sehr sicheren kleinen Stadt«, so Werdermann, die als Behindertenbeauftragte der Stadt auch einen genauen Blick auf die Altstadt hat. »Ich bin durch meine Tochter auf Rollstuhlbegehbarkeit angewiesen. Und einige Geschäfte und gastronomische Betriebe sind in Radolfzell nach wie vor nicht mit einem solchen, einem Rollator oder Kinderwagen zu betreten«, erklärt sie. Auch Werdermann sind die Bilder der ausgestorbenen Innenstadt während des Lockdowns in mulmiger Erinnerung geblieben. »Es wirkte so wie Endzeit. Unsere Läden machen unser hübsches Städtchen besonders«, betont sie.

Ein wichtiger Faktor für die Attraktivität des Wirtschaftsstandortes

Für Wirtschaftsförderer Frank Perchtold ist eine florierende Innenstadt nicht nur ein Qualitätsmerkmal des Wirtschaftsstandortes Radolfzell. »Ein gut funktionierender Einzelhandel ist nicht zuletzt ein gesellschaftlicher Kommunikationspunkt und wichtig für ein pulsierendes öffentliches Leben in der Stadt. Zusammengefasst sind die Handelsunternehmen Zugpferde für Innenstädte. Ohne sie gäbe es keine Shoppingtouristen, keine bunten Auslagen und wohl keine renovierten Altstädte«, ist Perchtold überzeugt. Die Wirtschaftsförderung der Stadt berät Einzelhändler bei ihren Ansiedlungsvorhaben und kümmert sich um das Leerstandsmanagement in der Innenstadt, weiß Perchtold. Tourismus- und Stadtmarketing GmbH sowie die Aktionsgemeinschaft Radolfzell arbeiten zudem ständig daran, die Standortattraktivität zu erhöhen, erklärt er.

Wochenblatt @: Dominique Hahn