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Das Amt und die Gemeinden näher zusammenrücken

Danner
Landrat Zeno Danner ist seit 100 Tagen im Amt. Das Bild zeigt bei seiner Antrittsrede. swb-Bild: of

Am 8. August sind es 100 Tage, die Zeno Danner im Amt als neuer Landrat ist.

Konstanz. Zum 1. Mai startete seine Amtszeit und seither hat er ein beeindruckend dicht gesetztes Programm bewältigt, auch wenn es ihm angesichts vieler zusätzlicher Termine vor der Sommerpause noch nicht ganz gelungen war, alle Bürgermeister in den Kreisgemeinden mit einem Antrittsbesuch zu beehren und sämtliche Standorte des Landratsamts, es sind mit den Flüchtlingsunterkünften über 26 zu besichtigen.
Doch die schon im Wahlkampf seit Anfang des Jahres gemachten Einblicke in die politische und verwaltungstechnische Landschaft des Landkreises erlauben eine erste Bilanz für Zeno Danner.
WOCHENBLATT: Herr Danner, zunächst eine Frage noch zur Wahl selbst: Die vorzeitige Landratswahl kam für fast alle überraschend. Hatten sie den Landkreis trotzdem im Visier gehabt für eine später geplante Kandidatur?
Zeno Danner: Das war nach den Stationen im Landratsamt Bodenseekreis und als erster Landesbeamter in Calw schon im Hinterkopf. Es war aber erst mal rein theoretisch. Wenn ich mir nicht Chancen ausgerechnet hätte, wäre ich auch nicht angetreten, auch wenn es dann überraschend kam. Der Landkreis Konstanz, aus dem ich stamme, ist natürlich das Beste. Über verwinkelte Kanäle waren dann auch schon vor der offiziellen Verkündung von Landrat Frank Hämmerle die Gerüchte zu mir gedrungen, dass der Zeitpunkt gekommen ist. Da ging es für mich auch darum, eben nicht in der zweiten Reihe bleiben zu wollen.
WOCHENBLATT: Jetzt sind sie ja souverän in der ersten Reihe gelandet. Wie fühlt man sich so in der neuen Rolle? Und: ist der Landrat nun Moderator, Politiker oder doch mehr Dienstleister?
Zeno Danner: Es wird eine Mischung sein müssen. Es wird sehr wichtig sein, zu moderieren weil ein Landkreis natürlich nicht der richtige Ort ist, um politische Grabenkämpfe zu führen, deshalb frage ich auch in den Diskussionen oft nach den Standpunkten. Das bekommen wir aber langfristig nur hin, wenn wir im Kreistag und der Kreispolitik ein Klima schaffen, bei dem zwar um Dinge gestritten werden kann, bei denen es aber immer wieder einen Weg gibt, auf dem man zusammenfinden kann. Auf der anderen Seite muss die Verwaltung sehr gut funktionieren, denn unsere Aufgabe ist es, mit einer effizient arbeitenden Behörde das Zusammenleben der Bürgerinnen und Bürger bestmöglich zu organisieren und ihnen ihre Freiheiten zu ermöglichen.
WOCHENBLATT: Der politische Landrat dürfte allerdings schon besonders gefragt sein, wenn ich nur an den Gesundheitsverbund denke, der in den nächsten Jahren vor besonderen Herausforderungen stehen dürfte.
Zeno Danner: Am Ende ist das immer eine Frage des Geldes und ob wir uns das leisten können oder wollen. Mein Standpunkt ist, dass es eine gute gesundheitliche Versorgung geben muss, dass die Kosten im Griff bleiben und wir nicht nachhaltig rote Zahlen schreiben.
Was gerne zu kurz kommt, ist die strukturpolitische Ebene. Jede Klinik strahlt in die Umgebung aus und zieht an. Das ist der Grund, weshalb ich nicht für eine große zentrale Einrichtung bin, weil mehrere Standorte ihren Sinn haben und weil sie ein besonderes Umfeld entwickelt haben. Das kommt bundespolitisch derzeit zu kurz. Wir müssen das natürlich als Verbund sehen, bei dem es nicht das ganze Angebot an einem Standort geben kann.
WOCHENBLATT: Eine sicher noch größere Herausforderung wird das Thema Digitalisierung sein. Mein Eindruck ist, dass es da noch an einem gemeinsamen Konzept für die Gemeinden fehlt. Müsste hier nicht der Landkreis als „Kopf“ dienen, der hier für einheitliche Standards sorgen kann?
Zeno Danner: Ich unterscheide da zwischen Breitbandanschlüssen und der Umsetzung von digitalen Konzepten. Beim Breitband ist der Zug bis zu einem gewissen Punkt abgefahren, aber die Gemeinden haben sich ja auch selbst auf den Weg gemacht. Hier will ich aber eine klare Bestandsaufnahme machen.
Die Mobilfunkabdeckung im Kreis finde ich ziemlich schlecht. Wenn ich von Konstanz nach Singen fahre, kann ich kein durchgehendes Gespräch führen. Das ist ein schlechter Standortfaktor. Bei der Digitalisierung von Prozessen zwischen Bürgerinnen und Bürgern und den Behörden ist es am schwierigsten, die IT-Fachleute dafür zu finden. Die gibt es auch in der freien Wirtschaft zu wenig, obwohl die da ja mehr verdienen. Eine Lösung wäre aber zum Beispiel. mit den Gemeinden für das Personal zusammenzuarbeiten, zum Beispiel mit Abordnungsmöglichkeiten oder einem Personalpool. Das könnte auch in anderen Positionen für kleinere Gemeinden hilfreich sein, wenn zum Beispiel Stellen für Mutterschutz besetzt werden sollten.
WOCHENBLATT: Die Wohnungsnot ist ein weiteres Thema. Angeregt wurde ja schon, ob nicht auch der Landkreis mit einer eigenen Gesellschaft Wohnungen bauen sollte.
Zeno Danner: Am höchsten ist der Druck in Konstanz, Singen und Radolfzell wie Allensbach. Naheliegend wäre, einen Wohnbaugipfel zu setzen. Die Frage, ob sich der Landkreis hier über eine eigene Wohnbaugesellschaft engagieren müsste, oder ob und wo wir hier Grundstücke zur Verfügung stellen, muss noch diskutiert werden.
WOCHENBLATT: Wenn sie durch die Behörden geschaut haben, wo liegt für Sie Verbesserungsbedarf?
Zeno Danner: Wir haben im Landratsamt kluge Köpfe, die sehr gute Arbeit machen. Allerdings gibt es für mich eine zu starke Trennung zwischen den kommunalen und den unteren Verwaltungsbehörden. Das möchte ich mehr durchmischen, weil wir ein Landratsamt sind und uns als Einheit verstehen sollten.
WOCHENBLATT: Wenn man Nachrichten von der Gäubahn bekommt, liegen Depressionen nahe, weil es nicht voran geht.
Zeno Danner: Ich habe schon früher im Verkehrsministerium gesagt, dass es wohl nicht sein kann, dass es keine einzige Direktverbindung zwischen Konstanz und der Landeshauptstadt gibt. Jetzt gibt es immerhin drei am Tag. Ich glaube, dass es nötig ist, hier immer wieder vorzugehen. Aber das nicht als Landkreis alleine, sondern immer wieder im Verbund mit allen, die hier eine Verbesserung wollen.
Eigentlich haben wir den richtigen Zugang zu den entscheidenden Stellen, was uns noch fehlt ist der nötige Nachdruck um auch zur Bahn durchzudringen. Da muss man nicht immer nur Stuttgart im Blick haben. Denkbar wäre für mich auch eine Regionalbuslinie von Tuttlingen an den See, um hier die Straßen zu entlasten, als Beispiel.

Wochenblatt Redakteur @: Oliver Fiedler