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Das Barfüsser-Kloster wird freigelegt

Stadthausgeviertel
Die Ausgrabungen am "Barfüsserkloster" im Schaffhauser Stadthausgeviertel haben begonnen. swb-Bild: sh.ch

Ausgrabungen im Stadthausgeviertel haben begonnen

Schaffhausen. Seit Anfang Oktober gräbt ein siebenköpfiges Team der Kantonsarchäologie Schaffhausen im Innenhof des Stadthausgevierts in der Altstadt Überreste des ehemaligen Barfüsserklosters aus. Anlass ist die geplante Zentralisierung der Stadtverwaltung, die einen Neubau im Bereich der einstigen Klosterkirche und des Kreuzganges vorsieht.

Um 1250 baute ein Zweig des Franziskanerordens in Schaffhausen ein Kloster. Nach dem Vorbild des heiligen Franziskus von Assisi trugen die Mönche keine Schuhe und wurden daher «Barfüsser» genannt. Die Klosterkirche war im Mittelalter der grösste Versammlungsraum für die Stadtbürger. Viele Schaffhauser Persönlichkeiten liessen sich auf dem zugehörigen Friedhof beerdigen. Im Zuge der Reformation wurde das Kloster 1529 geschlossen. Die Gebäude wurden verkauft, abgebrochen und umgenutzt. Auch die Barfüsserkirche verschwand aus dem Stadtbild. Im 20. Jahrhundert kaufte die Stadt die einzelnen Bauten des ehemaligen Klosters schrittweise zurück, mit dem Ziel, hier die Verwaltung unterzubringen.

Obwohl das Barfüsserkloster im Mittelalter eine wichtige Rolle spielte, ist erstaunlich wenig darüber bekannt. Zeitgenössische Schriftquellen sind rar, archäologische Untersuchungen im Areal fanden nur punktuell statt. Wozu die Gebäude nach der Auflösung des Klosters genutzt wurden, ist grösstenteils unerforscht. Die Rettungsgrabungen haben deshalb das Potenzial, eine Lücke in der Stadtgeschichte Schaffhausens zu schliessen. Die archäologischen Untersuchungen am Ort des neuen Verwaltungsneubaus sind von Anfang an in die Gesamtplanung eingeflossen. Sie führen daher zu keinen Verzögerungen bei der baulichen Umsetzung zur Entwicklung des Stadthausgevierts.

Bereits nach dem Abtrag des modernen Belags mit dem Bagger zeigten sich die Überreste der nördlichen Kirchenmauer und Reste einer Pflästerung. Ausserdem stiessen die Archäologen und Archäologinnen auf zwei neuzeitliche Kellerräume. Der Rest ist Handarbeit. Erwartet werden unter anderem Reste des Kreuzgangs, Gräber und viele Funde.

Die Ausgrabungen dauern voraussichtlich bis Juni 2021. Sobald das Team erste Ergebnisse vorzeigen kann, werden öffentliche Führungen angeboten. Die Baustellenwand dient derzeit als Anschlagsbrett, auf dem Passanten laufend über die Grabungen informieren werden.

Wochenblatt @: Oliver Fiedler


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