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Der Natur eine Stimme geben

Naturschutztage Enssle
Johannes Enssle, der Vorsitzende des NABU Baden-Württemberg begrüßte die aus ganz Baden-Württemberg angereisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer an den Naturschutztagen. swb-Bild: dh

Großes Interesse an Radolfzeller Naturschutztagen

Radolfzell. Es ist schon Tradition, dass sich die Naturfreunde aus ganz Baden-Württemberg zum Jahresbeginn in Radolfzell versammeln, um sich auf den neuesten Stand in Sachen Umweltschutz zu bringen. So wurden am Donnerstag im Milchwerk bereits die 43 Naturschutztage eröffnet.

Gegründet wurden sie 1976 als »Naturschutzkurs am Bodensee«, wie Johannes Enssle, der Vorsitzende des NABU Baden-Württemberg bei seiner Begrüßungsrede nicht ohne Schmunzeln berichtete. Aus dem kleinen Naturschutzkurs wurde im Laufe der Jahre die größte Veranstaltung ihrer Art im deutschsprachigen Raum. Doch auch der Naturschutz selbst hat in dieser Zeit einen Wandel durchlebt, betonte Enssle. Anfangs noch ein Randthema ist Umweltschutz heute in den Medien allgegenwärtig und auch die Politik kommt nicht mehr darum herum dazu Stellung zu beziehen, freut sich der NABU-Vorsitzende.

Welchen Leuchtturmcharakter die Veranstaltung in Radolfzell hat, zeigte sich bei der Frage wer das erste mal dabei ist. Ein Großteil der Hände im Saal ging nach oben. Für Enssle ein gutes Zeichen, denn »die Herausforderungen in Umwelt- und Naturschutz werden trotz der vielen Erfolge, die wir in den vergangenen 40 Jahren verbuchen konnten, nicht geringer, sondern größer«.

Eine enorme Gefahr sieht Enssle im aktuellen Hang zu Nationalismus und Kleinstaaterei, der sich vielerorts beobachten lässt. »Gerade die heutigen Herausforderungen erfordern eine Zusammenarbeit der Staaten«, betonte er. Besonders die Menschen in den Industriestaaten verbrauchten derzeit mehr Ressourcen, als ihnen eigentlich zustehen würden, so Enssle. Hier appellierte er an die Umweltschützer auch die Politiker noch mehr in die Pflicht zu nehmen. 2019 sei dabei ein entscheidendes Jahr mit zwei wichtigen Wahlen, der Kommunal- und Europawahl. »Geben Sie der Natur ihre Stimme. Nicht nur bei den Wahlen, sondern auch im alltäglichen leben«, appellierte er an die Zuhörer.

Oberbürgermeister Martin Staab zeigte sich stolz darauf, dass Radolfzell die Heimat des Aushängeschildes unter den Fortbildungsveranstaltungen für Umweltschützer ist. Er betonte zudem, dass die Stadt auch versucht jedes Jahr etwas für den Umweltschutz zu tun. So sei das Mobilitätskonzept, das bereits 2017 aufgestellt wurde noch immer ein großer Erfolg. Dieses beinhaltete die Senkung der Preise für Busfahrten auf einen Euro und gleichzeitig die Erhöhung der Parkgebühren von 40 Cent auf einen Euro pro Stunde. »Eigentlich hatten wir damit gerechnet, dass dadurch der Verkauf von Busfahrscheinen um 20 Prozent ansteigt. Tatsächlich ist der Verkauf aber um 140 Prozent gestiegen. Man kann also ein Umdenken bei den Menschen beobachten«, erklärte Staab, und erntete damit den Applaus der Naturschützer.

Für die Zukunft kündigte Staab an, die Idee eines Gewerbegebiets, dass zu einhundert Prozent mit regenerativen Energien, die im Gewerbegebiet selbst erzeugt werden, weiter zu verfolgen. »Wir wollen damit ein Leuchtturmprojekt schaffen, das unseres Wissens nach bundesweit einzigartig ist«, so Staab.
Über die phänomenalen Anmeldezahlen zu den diesjährigen Naturschutztagen freute sich Uwe Prietzel, der Geschäftsführer des NABU Baden-Württemberg. Rund 850 Online-Anmeldungen seien eingegangen. Prietzel stellte die Themenschwerpunkte der Veranstaltung vor. Rund 30 Seminare, Exkursionen und Workshops von NABU, BUND und externen Referenten bieten ein breites Angebot an Informationen rund um das Thema Umwelt und Naturschutz.

Am ersten Tag steht wirtschaftliches Handeln im Sinne des Naturschutzes im Zentrum der Veranstaltungen. An Tag zwei und drei gibt es Vorträge zur Förderung und Nutzen von Biodiversität und zur zukunftsfähigen Landwirtschaft. Am Abschlusstag steht dann die »Rückkehr des Wolfes nach Baden-Württemberg« im Fokus.

Wochenblatt Redakteur @: Dominique Hahn