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Die andere Welle kommt erst noch

Häusliche Gewalt
Symbolbild

Radolfzeller Frauenhaus braucht dringend zusätzliche Räumlichkeiten ab Mai

Radolfzell/ Landkreis: Viele Frauenhäuser sind schon jetzt überfüllt. Da in der aktuellen Situation eine Zunahme bei der häuslichen Gewalt zu befürchten ist, rechnen die Verantwortlichen mit einem erhöhten Zustrom, sobald die Corona-Maßnahmen gelockert werden.

Für die allermeisten Menschen stellt die aktuelle Situation eine große Herausforderung dar. Soziale Kontakte sind stark eingeschränkt, man verbringt gezwungenermaßen mehr Zeit zuhause und hat vielleicht sogar noch Sorgen um seinen Arbeitsplatz. Dieser Cocktail kann zu einem gefährlichen Zündstoff für Konflikte innerhalb der eigenen Familie werden. Deshalb befürchten die Verantwortlichen der Frauenhäuser einen erhöhten Zulauf, sobald die Corona-Maßnahmen gelockert sind. »Momentan ist unser Haus in Radolfzell sowieso schon voll, deshalb werden die Frauen auf andere Einrichtungen verteilt und wir merken noch keinen Anstieg an Anfragen. Aber wir sind sicher, dass das noch kommen wird«, betont Ruth Kaufmann (Name von der Redaktion geändert), die als Fachberaterin für das Frauenhaus in Radolfzell zuständig ist, im Gespräch mit dem WOCHENBLATT.

Das Problem sei, dass momentan der »Gefährder« mit im Haus sei. Deshalb können die Frauen nicht ungehindert telefonieren, um sich Hilfe zu holen, erläutert Kaufmann. Sie rät in solchen Fällen dazu, unbemerkte Momente zu nutzen, beispielsweise beim Einkaufen. »Wenn eine Frau es schafft, sich bei uns zu melden, bieten wir nach wie vor Beratung an«. Neben der bundesweiten Hilfehotline, die rund um die Uhr besetzt ist und unter der Nummer 08000/ 116 016 Hilfe in 17 Sprachen anbietet, stehen auch die Beratungsstellen vor Ort weiterhin zur Verfügung.

Beratung angepasst

So hat das Diakonische Werk des Evangelischen Kirchenbezirks im Landkreis Konstanz schnell das gesamte Beratungsangebot angepasst und auf Telefon und andere Medien umgestellt. Nach Vereinbarung sind jedoch auch persönliche Termine in Notfallbüros möglich, erklären Geschäftsführer Christian Grams und Fachbereichsleiterin Bärbel Wagner.

Räume gesucht

Große Sorge macht Bärbel Wagner der Platzmangel. Das Radolfzeller Frauenhaus ist voll belegt. Im Mai wird die Einrichtung aber zusätzlich zum normalen Betrieb noch Notfallbereitschaft haben. »Die Frauen, die dann zu uns kommen, müssen aber zunächst in Quarantäne. Deshalb suchen wir ganz dringend mindestens für den Mai andere Häuser oder Wohnungen, die wir anmieten können, um Frauen für mindestens zwei Wochen unterzubringen«, so Wagner. Auch die Betreuungssituation ist im Moment problematisch, da die Verantwortlichen auf viele ehrenamtliche Helferinnen verzichten müssen, die wegen der Corona-Maßnahmen nicht eingesetzt werden dürfen. »Das Gute ist, dass wir im Radolfzeller Frauenhaus eine stabile Situation haben, und die Frauen sich gegenseitig unterstützen. Das kann aber keine Dauerlösung sein«, betont Ruth Kaufmann.

Frühzeitig melden

Generell gilt, dass sich Frauen, die von häuslicher Gewalt betroffen sind, so früh wie möglich an die Beratungsstellen wenden sollten. »Wichtig ist: Wir sind weiterhin für eine Beratung da und man kann auf jeden Fall telefonisch Kontakt zu uns aufnehmen, dann suchen wir gemeinsam nach Lösungen«, betont Bärbel Wagner.

Wichtige Hilfenummern:

Frauenhäuser:
Konstanz: 07531/15728

Singen: 07731/31244

Radolfzell: 07732/57506
   
Beratungsstelle Frauen helfen Frauen: 07531/67999
   
Das bundesweite Hilfetelefon »Gewalt gegen Frauen« (rund um die Uhr besetzt, in 17 Sprachen): 08000/116 016

Wochenblatt @: Dominique Hahn