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Die Familie rückt in den Fokus

Wasserspielplatz
Zeitweise waren während der Pandemie sogar die Spielplätze gesperrt. Welche Auswirkungen die Erfahrungen der letzten Monate auf Kinder und Jugendliche hatten, wollte der Präventionsrat wissen. swb-Bild: Archiv/ dh

Umfrage des Präventionsrats zum Wohlergehen der Radolfzeller Kinder in der Pandemie

Radolfzell. Die Corona-Krise und der monatelange Lockdown haben bei vielen Menschen Spuren hinterlassen. Besonders herausfordernd ist diese Situation für Kinder und Jugendliche, die soziale Kontakte nicht zuletzt auch für ihre persönliche Entwicklung dringend benötigen. Von Mitte Februar bis Anfang März hat der Präventionsrat deshalb eine Befragung von Kindern im Alter von 8 bis 14 Jahren durchgeführt um herauszufinden, welche Auswirkungen die Pandemie auf sie hat und was die Stadt gegebenenfalls tun kann, um die Probleme abzufedern. »Initialzündung war für uns die Frage danach, wie hoch die Dunkelziffer an Kindern ist, die unter der aktuellen Situation leiden«, erklärte die Vorsitzende des Präventionsrats, Susann Göhler-Krekosch in einem digitalen Pressegespräch, in dessen Rahmen die Ergebnisse der Umfrage vorgestellt wurden.

Über 400 Antworten eingegangen

An der Umfrage beteiligten sich insgesamt 436 Kinder und Jugendliche. Laut Angaben der Stadtverwaltung handelt es sich dabei um etwa ein Drittel aller Kinder und Jugendlichen im entsprechenden Alter. Es waren 15 Fragen zu beantworten. Insgesamt zeigte sich, dass die Familie für viele Kinder und Jugendliche deutlich an Stellenwert gewonnen hat. Aus vielen Antworten ging hervor, dass die Kinder es zu schätzen wissen, dass mehr Zeit für die Familie da ist und Mama und Papa öfter zuhause sind. Auf der anderen Seite zeigte sich aber auch die angespannte Situation in den eigenen vier Wänden, denn es gab auch durchaus Rückmeldungen, die der Situation nichts Positives abgewinnen können, weil die Kinder spüren, dass die Eltern selbst unter der Krise leiden. Es zeigte sich, dass häufig persönlicher Rückzugsraum fehlt, beispielsweise um konzentriert für die Schule arbeiten zu können. Tatsächlich vermisst der überwiegende Teil der Kinder die Schule und viele haben Probleme mit dem Lernen im Homescooling. Immerhin verfügt der größte Teil zumindest über eine digitale Grundausstattung. Nur 15 Kinder gaben an, kein digitales Endgerät zu haben. Die Integrierung digitaler Möglichkeiten in den Unterricht wurde dann auch explizit als positive Veränderung genannt. Zudem tut manch einen der »Abstand zu Leuten, die man nicht mag« gut. Als Wünsche an die Schulen wurden beispielsweise besseres Internet sowie Schulung der Lehrerinnen und Lehrer im Umgang mit digitalen Medien genannt. Es kamen auch viele konstruktive Vorschläge, wie Unterricht ins Freie oder die Turnhalle verlegen.

Trotz allem: vielfältige Freizeitbeschäftigung

Auch bei den Fragen zur Freizeitgestaltung fällt auf, dass die Familie einen großen Raum in Anspruch nimmt. 73 Prozent der Befragten trafen sich im Rahmen der Möglichkeiten auch weiter mit Freunden. Über die Hälfte gab zudem an Sport zu treiben oder sich mit einem Hobby zu beschäftigen. 62 Prozent machten ihr Kreuzchen hingegen bei »Fernsehen, Computer, Handy«.

»Besonders interessant warm, dass kein Kind angegeben hat, Langeweile zu haben«, betont Psychologin Antje Wappler, die von Seiten des Diakonischen Werks zum Präventionsrat gehört. Trotzdem wurde deutlich, dass die Kinder unter der Situation leiden. So fehlen die Freunde den allermeisten (78 Prozent), was bei vielen (42 Prozent) zu einem Gefühl der Einsamkeit führt. Ein Viertel aller Befragten geben an, dass es in der Familie häufiger Streit gibt und fast die Hälfte macht sich mehr Sorgen.

Insgesamt 262 Kinder machen sich Gedanken darüber, welche positiven Aspekte sie der Situation abgewinnen können. So freuen sich viele darüber, im Homescooling mehr Aufmerksamkeit von den Eltern zu bekommen, morgens weniger unter Zeitdruck zu stehen und gemeinsam Mittagessen zu können. Musik und Kreativität haben einen hohen Stellenwert bei den Antworten, auch wenn Axel Tabertshofer, der Vorsitzende der IG Sport, bei der Vorstellung der Ergebnisse einwendet: »Es kann natürlich sein, dass wir bei der Umfrage vor allem Rückmeldung von Kindern und Jugendlichen bekommen haben, die ohnehin aktiver sind.«
Die Erkenntnisse aus der Befragung sollen nun in die weitere Arbeit des Präventionsrats einfließen und dazu beitragen, dass Angebote geschaffen werden, um diese Auswirkungen der Krise abzufedern.

Wochenblatt @: Dominique Hahn