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Die Mauer des Schweigens durchbrechen

Suizid
Das Thema Suizid und Freitog wird auch heute in unserer Gesellschaft tabuisiert. swb-Bild: Symbolbid Friedhof

Veranstaltungsreihe »Suizid-(K)ein Tabu« ab 15. Januar im Landratsamt und bei der Vhs

Kreis Konstanz. Die Veranstaltungsreihe »Suizid-(K)ein Tabu« nimmt sich zum Ziel über Selbsttötung aufzuklären und dem bestehenden Schweigen über das Thema durch einen enttabuisierenden Ansatz ein Ende zu bereiten. Vor allem aber sollen Umgangsformen und Hilfestellungen für Angehörige aufgezeigt werden, so die Initiatoren im Rahmen einer Medienkonferenz im Landratsamt.
Dort gibt es aktuell ab Mittwoch die Ausstellung »Suizid-Keine Trauer wie jede andere. Gegen die Mauer des Schweigens«.
Neben Landrat Danner gingen Petra Hinderer vom Hospiz Konstanz e.V., Annegret Liebers (Mitglied der Selbsthilfeorganisation Agus), für die VHS Dorothee Jacobs-Krahnen und als betroffener Angehöriger Hans Pannwitz auf die geplanten Veranstaltungen ein.
Hanns Pannwitz, Vater vierer Kinder verlor vor viereinhalb Jahren seine Frau durch Selbsttötung. Hilfe und Unterstützung nach dem einschneidenden Ereignis suchte er bei der Selbsthilfeorganisation Agus. Mit rund 10.000 Selbsttötungsfällen pro Jahr in Deutschland, -ungefähr doppelt so viele wie Verkehrsunfallopfer- bildet der Suizid seiner Frau leider keine Ausnahme.
Hanns Pannwitz spricht sich klar für das offene Gespräch und die Enttabuisierung von Suizid aus, wodurch er auch die Idee der Veranstaltungsreihe, welche ab dem 15. Januar bis zum 4. Februar Vorträge, Filmvorstellungen und eine Ausstellung über den Umgang mit Suizid aufgreift, entwickelte. Auf Unterstützung und Zuspruch traf er schnell bei der Volkshochschule, dem Hospiz und Agus, vor allem aber vom Landratsamt Konstanz.
Zeno Danner: »Wir geben einer Thematik wie dieser als Landratsamt gerne ein Zuhause.« Im Fokus stehe nicht nur das Heranbringen der Thematik an die Menschen, sondern auch ein Zusammenbringen Hilfesuchender - in Selbsthilfegruppen zum Beispiel.
Auch Geschäftsführerin des Konstanzer Hospizvereins sieht großes Potenzial in den Veranstaltungen. Angehörige sollen einen Raum finden, wo das ständige Schweigen über Suizid gebrochen werden kann. „Die Mauer des Schweigens kann zu einer großen Vereinsamung der Hinterlassenen führen.“ so Annegret Liebers. Die Thematisierung in der Öffentlichkeit könne Verzweiflungsakte verringern. »Der Fall eines Suizids im Umkreis kann Jeden treffen, ganz egal, welche Sozialisation er durchlaufen hat«, meint Pannwitz. Dorothee Jacobs-Krahnen beschreibt die Unsicherheiten, mit welchen sich Personen im Umgang mit Angehörigen konfrontiert fühlen. „Suizid-(K)ein Tabu“ soll helfen, einen sichereren Umgang zu erlernen.
Die offene Kommunikation innerhalb des nahen Umkreises bildet den Grundbaustein in der Prävention Selbsttötung zu umgehen. Trotz individuellem Verlangen der Betroffenen mit dem Ereignis umzugehen, sei offenes Fragen nach Suizidgedanken, meist sehr wichtig. Die nun startende Reihe wird erst als Anfang gesehen, das Thema Schritt für Schritt zu enttabuisieren.
Das Programm zur Veranstaltungsreihe ist online unter www.agus-selbsthilfe.de  wie auch bei der VHS unter www.vhs-landkreis-konstanz.de  (Voträge, Leben und Tod) zu finden.
Auftakt ist die Vernissage zur Ausstellung »Suizid-(K)ein Tabu« im Landratsamt am Mittwoch, 15. Januar, 18 Uhr. Der erste Vortrag findet mit »Das Leben nehmen -Suizid in der Moderne« mit Thomas Macho (Wien) am Donnerstag, 16. Januar, ab 19.30 im Konstanzer Kulturzentrum am Münster statt. (Judith Braun)

Wochenblatt @: Oliver Fiedler