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Doch eine Naturhauptstadt

Naturerlebnistage
Beim Rundgang von Thekla Walker über das Areal der Naturerlebnistage, im Bild: Stadtwerke-Chef Andreas Reinhardt, die Landtagsabgeordnete Nese Erikli und OB Martin Staab bei der Diskussion um die Milan-Frage, die immer mehr Windkraft-Projekte lahmlegt. swb-Bild: of

Naturerlebnistage zeigen die Vielfalt des Engagements für die Umwelt auf

Radolfzell. Dass Radolfzell die Stadt am Bodensee ist, die über die längste Uferlinie verfügt, wissen sicher viele. Was die Stadt alles an Umwelt- und Naturaktiviäten zu bieten hat, konnten die Besucher der Naturerlebnistage am Samstag und Sonntag rund um das Konzertsegel mit allen Sinnen erleben. Sogar die neue Umweltministerin Thekla Walker war zur Eröffnung gekommen.
Die Frage, ob Radolfzell nun eine »Umwelthauptstadt« sei, wie es in den 1990er Jahren gerne proklamiert wurde, war auch eine im Wahlkampf. Für OB Martin Staab hieß die Antwort am Samstag ja, denn es sei eben nicht nur das längste Bodenseeufer, sondern auch der Umstand, dass rund 85 Prozent der Gemarkungsfläche unter Schutz stehen, vom Natur- über Biotop- oder Landschaftsschutz.

Und nicht umsonst hätten hier am See, wo sich unter anderem einige Vogelfluglinien kreuzen, sechs Umweltorganisationen ihren Sitz gewählt. Abgesehen von den Plänen, bis 2035 klimaneutral zu werden, hatte man an diesen beiden Tagen das Thema »Umwelt« sehr positiv in viele Umwelterlebnisse verpackt und einen Erlebnismarkt aufgeboten, der die Vielfalt an Aktionen und Institutionen von den Stadtwerken bis zum Streuobst aufzeigte. Und der per »Vitual Reality« sogar den Besuch im Vogelreich ermöglichte. Per Fernglas und von der Solarfähre aus konnte man die aktuell präsenten Populationen auf dem Wasser beobachten. Davor hatte sich die Ölwehr aus Radolfzell aufgebaut, um eindrucksvoll zu demonstrieren, wie man nach Unfällen auf dem See das Wasser wieder möglichst sauber bekommt. Erstaunlich hoch war die Mikroskopdichte auf dem Gelände, denn Natur ist manchmal ziemlich klein und der Blick öffnete doch manch neue Perspektive für die Besucher.

Die neue Umweltministerin des Landes, Thekla Walker, zeigte sich in ihrem Grußwort vor dem Eintrag ins Goldene Buch der Stadt positiv beeindruckt, denn als Umweltpädagogin ist sie in diesem Genre durchaus zuhause. Global aber stellte sich angesichts des immer gravierender spürbaren Klimawandels schon immer drängender die Frage, wie man mit dem Wasser umgehe. Oder wie man einen Anteil von elektrischer Mobilität erhöhen könne, um CO2 einzusparen. »Gesunde Ökosysteme sind auch Voraussetzung für unsere Gesundheit«, unterstrich sie und lobte Radolfzell als Ort mit besonderer Lebensqualität.

Sie wollte angesichts der hier dargestellten Vielfalt aber auch einen besonderen Dank an die vielen ehrenamtlichen Helfer aussprechen, die durch ihren Einsatz einen beachtlichen Teil dazu beitragen, dass Natur erhalten bleibe oder sich wieder erhole. »Natur und Klimaschutz brauchen sich gegenseitig«, sagte Walker weiter.

Beim Rundgang durch das Marktgelände nutzte Stadtwerke-Chef Andreas Reinhardt gleich die Anwesenheit der Ministerin, um auf die Probleme hinzuweisen, vor denen ein Ausbau der Windkraftnutzung hier stehe. Konkret geht es es ihm da um den geplanten Windpark »Brand« bei Tengen-Watterdingen, der aktuell wegen eines Milanhorstes zuviel auf Eis gelegt werden musste. Die Stadtwerke Radolfzell als Teilhaber des Konsortiums «Hegauwind«, dessen Geschäftsführer Reinhardt auch ist, sind immerhin schon der größte Kunde des anderen Tengener Windparks Verenafohren in Wiechs mit rund 15 Prozent vom dortigen Windstrom. Thekla Walker sagte, dass sie in dieser Frage offen sei, zumal der Windpark »Brand« beileibe nicht der einzige sei, der durch die Milandichte derzeit im »off« stehe. Da müsse eine neue Regelung getroffen werden, sonst komme man mit dem Anteil erneuerbarer Energien überhaupt nicht voran. Ihr Fingerzeig ging da auch in Richtung der angelaufenen Koalitionsverhandlungen in Berlin, wo das auch Thema sein sollte. Mehr Bilder von der Eröffnung der Naturerlebnistage
in Radolfzell gibt es unter wochenblatt.link/naturtag

Wochenblatt @: Oliver Fiedler


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