- Anzeige -

Drei Stufen bis zum regionalen Lock Down

Grenze
Vor einer Woche wurde die Grenze zur Schweiz ein Stück weit geöffnet, im Bild der Konstanzer OB Uli Burchardt und MdB Andreas Jung beim Abbau des Grenzzauns. Bisher gab es dazu keine negativen Nachwirkungen. swb-Bild: of

Landrat und Krisenstab entwickeln Plan für mögliche Rückschläge in der Corona-Krise

Kreis Konstanz. „Wir sind auf einem schnellen Weg nach unten“ konnte Landrat Zeno Danner nach der letzten Sitzung des Krisenstabs per Videokonferenz aus dem Landratsamt vermelden. „Unten“ meint, dass die Zahl der Neuinfektionen sich in den letzten Wochen immer weiter reduziert hat. Gerade mal zwei neue positiv getestete Personen gab es in den letzten sieben Tagen noch, deren Zahl in der Summe  bei 471 angekommen ist. Dem stehen inzwischen 457 genesene Patienten und 14 Verstorbene gegenüber, so dass es am Mittwoch gerade noch 26 an Covid 19 erkrankte Patienten im Landkreis gibt. Das bedeutet, dass derzeit auf rund 10.800 Landkreis-Einwohner eine erkrankte Person kommt, der häusliche Quarantäne verordnet ist.

Die aktuelle Zahl an Neuinfektionen sei dabei keineswegs darauf zurück zu führen, dass in Zeiten der „Entspannung“ weniger getestet würde. Die drei Labors, die hier die Proben aus dem Landkreis verarbeiten, würden nach wie vor rund  1.200 Labortests  durchführen, wie die Rückfrage ergeben hatte. Zudem steht in diesen Wochen die Durchtestung der Pflegeheime und ihrer Mitarbeiter an, die lange angekündigt war, und inzwischen in ersten Einrichtungen im Gange sei, so der Landrat gegenüber den Medienvertretern auf dem Bildschirm.  Allerdings wird die angekündigte Zahl von 6.000 Tests, die das Land bezahlen soll, wohl nie erreicht. Bei Personen, die keine Symptome zeigten und auch keine Kontakte nach aussen hätten durch die aktuellen Einschränkungen, mache ein Test der Vollständigkeit halber inzwischen wenig Sinn. Das Thema war zur Phase hoher Zahlen an Neuinfektionen aufgekommen, bis zum Start verging nun jedoch sehr viel Zeit.

Die „Entspannung“ hat auch eine Kehrseite: „Die Polizei meldet zurück, dass es immer schwerer wird, Abstandskontrollen durchzuführen, und auch die Einsicht dafür schwinden. Wir können uns weitere Lockerungen aber nur dann erlauben, wenn es die epidemiologische Lage zulässt“, so Danner.

Plan für mögliche Rückschläge gefasst

„Wie sind beim Rückblich auf die letzten sieben Tage bei zwei Neuinfektionen  pro 100.000 Einwohner. Die von der Bundesregierung gesetzte Marke liegt auf die Einwohnerzahl umgerechnet bei  143 Infektionen im Kreis Konstanz innert einer Woche. Trotzdem werde man die weitere Entwicklung genau beobachten um im Falle eines Rückschlags oder der medial derzeit intensiv angekündigten möglichen „Zweiten Welle“ schon frühzeitig zu reagieren.

Eine erste Zwischenstufe würde er schon bei 30 bis 50 Neuinfektionen ansetzen, bei der genau geschaut werden soll, ob diese einer Raumschaft oder gar eine Einrichtung zuzuordnen seien. Die aktuellen Häufungen von Infektionen in Schlachtöfen oder auch der Fall der Kliniken Schmieder im April wären Beispiele für sehr regional eingrenzbare „Hot Spots“, bei denen man auch sehr regional agieren könne. Falls die Zahl der Neuinfektionen einen Grad von 70 bis 100 Fällen erreichten, würde er  Abstandregeln wieder verschärfen, erst als letztes wolle er zu wirtschaftlichen Maßnahmen greifen, sagte Danner mit Blick auf die ohnehin durch den ersten Lock Down massiv geschädigte regionale Wirtschaft.

Genesen bedeutet noch lange nicht „gesund“

Die Lage in den Kliniken hat sich in den letzten zwei Wochen auch spürbar entspannt, die Habacht-Stellung muss freilich trotzdem aufrecht erhalten bleiben, obwohl es nach Aussage der beiden leitenden Ärzte, Prof. Dr Frank Hinder und Dr. Marcus Schuchmann derzeit keinen Patienten mit Covid 19 in den Kliniken des Landkreises gibt.  „ Nach einigen kühlen Tagen zu den Eisheiligen habe man täglich zwischen  acht bis 12 Verdachtsfälle in Isolation gelegt, von denen sich aber keiner bestätig hatte, weil es sich um normale Erkältungen handelte.  „Deshalb haben wir noch lange keinen kein Normalzustand erreicht und es ist noch immer viel Arbeit für unsere Mitarbeiter“, so prof. Hinder.  Zeichen setzte indes die gelockerte Besucherregelung. Alleine in Singen seien schon am ersten Tag am Montag  120 Besucher  ins Krankenhaus gekommen. „Wir appellieren an die Menschen, dass höchstens eine Person ins Krankenhaus kommt.  Und noch immer kommen viel weniger „normale“ Patienten in die Klinik, obwohl die Zahl von Erkrankungen sicher nicht so plötzlich in diesem Maß abgenommen haben kann. Man liege jetzt bei  70 bis 80 Prozent der Patienten zu üblichen Jahren in der Notaufnahme, so Dr. Marcus Schuchmann.

Dass „Genesen“ lange noch nicht „gesund“ bedeuten müsst, wurde durch die beiden Ärzte wie Dr. Winterer vom Gesundheitsamt des Landkreises verdeutlicht.  Gerade wenn die erste Phase der Erkrankung mit einer Lungenentzündung verbunden sei, komme es  häufig zu Gerinnseln, und schweren Gewebsbeschädigungen. Die Lunge brauche zudem sehr sehr lange, bis sie sich erhole, was unter Umständen eine längere Rehabilitation nötig mache. Das sei ein Krankheitsbild, das man vor 30 Jahren nicht kannte. Es gebe schwere Entzündung im ganzen Körper. Die Patienten seien war erholt nach zwei Wochen, könnten dann nichts mehr bewegen, weil Nerven vorrübergehend Schaden genommen haben, zum Teil stellten sich auch Atemprobleme erst einige Zeit später ein. Intensivpolyneuropathie ist der inzwischen durch die Mediziner dafür geprägte Fachbegriff.

Wochenblatt @: Oliver Fiedler