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Drei Tage Kunst-Klinik im "Vincentius"

Visite Vincentius
Eine von vielen Beispielen wie Kunst das Thema Krankenhaus zu interpretieren versucht. swb-Bild: of
Kunst Vincentius
Visite Vincentius

Großartiger Start für Kunstaktion vor dem Abriss

Konstanz (of). Einen großartigen Start nahm am Freitagnachmittag das Aktionsprojekt "Visite", welches das zum Abriss bereit stehende Vincentius-Krankenhaus zum Happening-Ort für rund 100 Künstler, von Pofis bis zu Kindergartenkindern, von Aktions- und Performace-Artisten bis zu Literaten, von Action-Painting bis zur klassischen Landschaft macht.

Rund 1.800 Besucher konnten die beiden Organisatoren Friedrich Haupt und Bert Binnig, die von zahlreichen Helfern - und auch der Stadt Konstanz wie dem neuen Besitzer der Liegenschaft, der LBBW, unterstützt werden, bereits am ersten Tag nach eigenen Angaben zählen. Und zur Eröffnung war sogar der OB Uli Burchardt persönlich gekommen, um vor dem, was hier innert rund zwei Wochen Vorlaufzeit entstanden war, seinen Hut zu ziehen. Denn gerade das machte das Kulturpotenzial der Stadt deutlich. Rainer Ott, Geschäftsführer des Gesundheitsverbund im Landkreis, der das Vincentius zugunsten eines im Frühjahr eingeweihten Neubaus aufgegeben hatte, blickte in seiner von exzellenten Hornbläsern begleiteten Rede tief in die Geschichte des von kirchlichen Trägern begründeten Krankenhauses zurück, in dem in lang vergangenen Zeiten auch Kinder geboren wurden. Der Standort sei eigentlich Ideal gewesen für die Patienten in der zuletzt auf orthopädische Eingriffe spezialisierten Klinik, denn die Nähe zu City und der Wunsch nach einem Ausgang hätte doch wundersame Kräfte frei gemacht um dem Krankenhaus zu entkommen. Das sei am neuen Standort nun anders, zumal man auf den Bereich Reha auch verzichtet habe.

Die Kunstaktion, die man noch bis am Sonntag um 18 besichtigen kann, hat freilich nun eine Mobilität in die andere Richtung ausgelöst. Die Untere Laube ist zum großen Fahrradparkplatz geworden, das macht der Radlerstadt alle Ehre. Vor den Eingangstüren bilden sich zuweilen Schlangen, so viele Menschen wollen sehen, was die rund 100 Beteiligten KünstlerInnen hier exklusiv für diese drei Tage geschaffen haben. Viele der KünsterInnen nehmen direkt oder indirekt das Thema Krankenhaus auf, schließlich bespielen sie hier ehemalige Krankenzimmer oder gar OP-Säle. Doch auch sehr politische motiverte Aktionen sind dabei. Eine Kunstgruppe der UNI Konstanz lädt gar zum virtuellen Ausflug nach Tschernobyl ein, mit dem das Leben nach der Reaktorkatastrophe nachempfunden werden kann. Ein Mädchen aus Hegne hat im ersten Stock ihre Niere gemalt, denn es ist die von einem Spender. Und wenn die nicht mehr funktioniert, muss sie ganze zehn Jahre als Dialyse-Patientin auf eine neue warten - keine rosige Perspektive für das Mädchen, dass per Kunst ein neues Organspende-Gesetz fordert. Vicoria Graf aus Böhringen hat einen Raum voller Steine geschaffen, und jeder steht für eine Vorschrift, ein Gesetz - die Träume und Kreativät sind durch die Steine darüber in Käfigen gefangen. Jede Menge weitere Kunstbegegnungen bietet die "Visite"- sogar der "Local-Hero" Markus Brenner spielt mit einer Installation mit.

Security sorgt dafür, dass das Gedränge im eingangsbereich schnell aufgelöst wird. Wie aufwändig die Organisation dieses Happenings gewesen sein muss, machen "Mobile Brandmeldeanlagen" in den gängen deutlich, die für diese drei Tag installiert wurden!

Das Vincentius-Krankenhaus hat am Samstag, 7. Juli, von 10:00-22:00 Uhr,Sonntag, 8. Juli, 10:00-18:00 Uhr geöffnet. Aktuelle Eindrücke liefert:  www.facebook.com/unterelaube2/ 

Bilder von der Eröffnung am Freitag mit einem kleinen Rundgang gibt es in unserer Galerie.

Wochenblatt Redakteur @: Oliver Fiedler