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„Ein weiser Hofnarr im Gewand des Literaten“

Eine große Trauergemeinde nahm am Freitag Nachmittag persönlich Abschied von Walter fröhlich auf dem Singener Waldfriedhof. swb-Bild: of

Würdiger Abschied von Walter Fröhlich auf dem Singener Waldfriedhof

Singen (of). Rund 400 Menschen nahmen am Freitag Nachmittag persönlich Abschied von Walter Fröhlich, der am 7. November im Alter von 86 Jahren verstorben war. Es war einiges anders bei dieser Trauerfeier, denn Walter Fröhlich war auch ein etwas anderer Mensch gewesen. Pfarrer Konrad Diesch, der zum Freundeskreis des großen Mundartdichters gehörte, begnügte sich mit einer Begrüßung der Trauergemeinde, bevor das Haro Eden Trio die Lieder spielte, die man auch noch zusammen mit Walter Fröhlich gespielt hätte.

Dr. Franz Götz hielt den großen Rückblick. Über die gängigen Titel wie dem „alemannischen Urgestein“ skizzierte er die vielfältige Persönlichkeit des Dichters, der den Singener Narrenspiegel schon kurz nach seiner Übersiedlung aus Konstanz nach Singen erfunden hatte und selbst 25 Jahre in der Bütt stand und darüber hinaus für viele weitere Akteure als „Ghostwriter“ fungierte. Fröhlich sei ein Mensch gewesen, der die Höhen und Tiefen der menschlichen Existenz erlebt habe, und der sich über sein großes alemannisches Werk hinaus auch sozial für den Verein Sozialpsychiatrie engagierte; der sich als Autodidakt auch ein großes theologisches Wissen erarbeitete und der sicher daran glaubte, dass es nach dem Tod weiter geht im Himmel. „Er war ein weiser Hofnarr im Gewand des Literaten“, so Franz Götz. Und er sei auch der Prediger für Menschen gewesen, die nicht mehr in die Kirche gingen. Seine im WOCHENBLATT am 3. Januar 2007 veröffentlichte Kolumne über den Besuch zu Weihnachten am Grab seiner in jenem Jahr verstorbenen Frau Elisabeth habe mehr als 10 gute Predigten gewogen, meinte Franz Götz: „er lebt in unserer Erinnerung weiter.“

Thomas Fröhlich richtete seine Ansprache an den Vater, der als kritischer Geist doch immer offen gewesen war, und dessen Haus auch für so viele Gäste geöffnet war, die das Leben der Familie zu bereichern wussten. Trotz aller Würdigungen für sein Schaffen habe er sich nie über andere erhoben. „Dein Nachlass ist bei uns gut aufgehoben“, sagte Thomas Fröhlich.

Ein Freund aus der Kindheit in Konstanz blickte weit in die Jugend des Walter Fröhlich zurück, der ohne Vater auf der Suche nach Idolen war, wie seine Freunde ohne Vater auch. Er habe darunter gelitten, dass er nicht Oberministrant werden konnte, und dass ihn der verehrte Vikar damals nicht mit seiner Modelleisenbahn spielen ließ und die Türe vor ihm wieder verschloss. „Wir waren alle Straßenkinder damals.“

OB Bernd Häusler hob in seiner Ansprache den Narr Walter Fröhlich heraus, den seine vielen Beiträge und Lieder zur Singener Fastnacht in den Herzen der Menschen weiter leben ließen. „Er war ein echter Philosoph, keiner aus dem Elfenbeinturm. Er ging zu den Menschen und er schrieb so, dass es die Menschen auch verstanden haben.“ Walter Fröhlich habe bleibende Fußspuren hier in der Stadt hinterlassen.

Pfarrer Diesch zitierte vor dem Gang an das Grab aus dem Gebetsbüchlein der 2006 verstorbenen Elisabeth Fröhlich, neben der Walter Fröhlich nun bestattet ist, wie schon bei ihrer Beerdigung. Denn vor seinem Tod hatte er dort drei Seiten markiert. Nach Lukas 12 zeichnete er das Bild von Gott, der die Menschen im Himmel an seinen Tisch einlädt bevor die Trauergemeinde mit  dem Lied „Danke für diesen guten Morgen“ in die Hoffnung einstimmte, die auch Walter Fröhlichs Leben geprägt hatte.

Wochenblatt Redakteur @: Oliver Fiedler