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Eine Bombe für die Gesellschaft

Töchter des Todes
Autorin Ulrike Blatter (rechts) mit Verlegerin Ursula Schulz-Parthu vom Leinpfad Verlag in der Tiefgarage der Singener Stadthalle, die man beim Lesen des Buchs als einen der Tatorte wieder erkennen kann. swb-Bild: of

Ulrike Blatter geht mit „Töchter des Todes“ auf die Buchmesse

Gottmadingen/ Singen. Die in Gottmadingen lebende Autorin und Ärztin Ulrike Blatter konnte kürzlich ihre neues Buch „Töchter des Todes“ vorstellen, das im Ingelheimer Leinpfad Verlag erschienen ist, der sich auf das Genre Krimi wie weibliche Autoren spezialisiert sieht.

So richtig Furore wird das Buch aber erst auf der Frankfurter Buchmesse im Herbst machen, sind sich die Autorin wie ihre Verlegerin Ursula Schulz-Parthu sicher, die kürzlich persönlich zur regionalen Präsentation nach Singen gekommen war, sicher. Denn der Krimi „Töchter des Todes“ greift mit einer Geschichte aus der Sympathisantenszene der „IS-Kämpfer“ ein sehr heikles Thema auf, das ja gerade über dem Umgang mit den Kindern dieser Desperados aus den Lagern in Syrien die Bundespolitik intensiv beschäftigt.

Ulrike Blatter lässt ihre Geschichte von zwei Schwestern in der fiktiven Stadt „Taufingen“ spielen, doch die Leser aus der Region dürften schnell merken, dass hier die Hegau-Metropole gemeint ist, was auch an Aktionen wie „Taufingen ist Bunt“, an der Cano-Baustelle und vielen anderen Verbindungen schnell augenfällig wird. Und sie lehnt sich indirekt an die Geschichte eines Singeners an, der vermutlich als „IS“-Mitglied in Syrien umgekommen ist. Freilich hat sie ihre Geschichte ins weibliche transportiert. Aylin Hodzyc, eine junge Frau mit bosnischen Wurzeln (dort hat Ulrike Blatter ja einige Hilfsprojekte initiiert) hat gerade Abitur gemacht, will Journalistin werden und ist frisch verliebt. Doch ihre Schwester Semina verschwindet plötzlich und bald wird immer klarer, dass sie sich dem „Islamischen Staat“ verschrieben haben muss. Als in „Taufingen“ plötzlich eine Bombe exlodiert, die auch Menschenleben fordert, wird das Semina zugeschrieben und die ganze Familie steht plötzlich im Fokus, obwohl diese eigentlich fern aller religiösen Radikalisierung steht. Aus ganz vielen Perspektiven beginnt Ulrike Blatter in dem Roman die Wege aufzuarbeiten, die hier zusammen- aber auch auseinanderführten. Und da kommen ganz viele persönliche Erfahrungen der Autorin mit vor, die sich ja der Aufarbeitung des schrecklichen Bürger- und Religionskriegs auf dem Balkan verschrieben hat. Sogar die Hassmails, die sie als Vordenkerin einer „bunten“ Gesellschaft über die sozialen Netzwerke immer wieder erhielt.

Die erste Fassung von „Töchter des Todes“ hatte sie übrigens schon 2016 geschrieben, damals wurde der Stoff von den Verlagen als „zu brisant“ angesehen – das war im übertragenen Sinn eine „Bombe für die Gesellschaft“. Im Rahmen eines Arbeitsstipendiums hatte die diesen Roman nun nochmals überarbeitet, wie sie im Mediengespräch zur Buchvorstellung sagte. „Brisant“ ist er dennoch, denn fiktiv ist diese Geschichte nur im Vordergrund. Deshalb sind die Ulrike Blatter wie Verlegerin Ursula Schulz-Parthu schon gespannt, welche Wellen das Buch dann zur Buchmesse schlagen könnte. Im lokalen Buchhandel gibt es „Töchter des Todes“ bereits – eine Sommerlektüre mit Abgründen.

Wochenblatt Redakteur @: Oliver Fiedler