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"Eine Gemeinde ist nie fertig"

Jüppner Ehrenbürger
Mit der Ehrenbürgerwürde wurde Altbürgermeister Manfred Jüppner zu seinem nachgeholten Abschied ausgezeichnet. Mit im Bild Bürgermeisterstellvertreter Peter Kible. swb-Bild: of

Altbürgermeister Manfred Jüppner zum nachgeholten Abschied zum Ehrenbürger ernannt

Mühlingen. Fast ein Jahr lang ist Manfred Jüppner schon „Privatier“ oder Altbürgermeister, doch erst jetzt konnte er verabschiedet werden, die Corona-Verordnung ließ einen Festakt in dieser Form in der Schloßbühlhalle einfach nicht zu, wenn auch die Gäste während des Festakts ihre Masken auflassen mussten. Die eigentliche Verabschiedung im letzten November konnte nur im kleinsten Rahmen stattfinden. Nun wurde er zum Abschluss der Feier zum Ehrenbürger ernannt.

Wenn jemand so lange Bürgermeister war, kann man das fast schon als historisch bezeichnen“, meinte der Stellvertretende Bürgermeister Peter Kible, er sei auch einer der ganzen wenigen, die es geschafft haben, für 50 Jahre im öffentlichen Dienst ausgezeichnet wurden.

13636 Tage im Amt war Jüppner gewesen und das waren auf fast 500 Gemeinderatsitzungen.  Als Bürgermeister hat man es wahrlich nicht leicht. Klare Standpunkte habe er gehabt, aber auch die Gabe zuhören zu können. Das habe ihn ausgezeichnet. Ideengeber sei er gewesen, er habe die Gemeinde mit Weitsicht und Verstand entwickelt. Sein Sinn für das Machbare habe es ermöglicht, die Ziele zu erreichen. „Selbst ein Schwabe habe von seinem fast geizigen Umgang mit den Haushaltsmitteln lernen können meinte Kible. So habe er es aber geschafft, trotz so vieler Investitionen eine schuldenfreie Gemeinde zu hinterlassen bei inzwischen gerade mal 2.600 Einwohnern.

Die Liste ist lang: 1997 kam die neue Schlossbühlhalle, 2001 der Kindergarten Zoznegg, 2007 ein neues Rathaus mit Feuerwehrdepot, 2010 die Hackschnitzel Heizzentrale, 2011 die Weiherbachhalle, 2012 der Kindergarten Mühlingen. Viele Gebäude seien renoviert worden, der Ausbau des Breitbandnetzes sei wie das Gasnetz fast vollständig umgesetzt. Er sei auch einer der maßgeblichen Initiatoren der heutigen Weiherbach.- Gemeinschaftsschule gewesen, die von einem Verein getragen werde. Die Beteiligung und Einbindung der Bürger sei ihm dabei immer sehr wichtig gewesen.

„Wir waren nicht immer seiner Meinung, aber wir schätzten seine Fachkompentenz“. Jüppner habe es nach einem „tiefen Schnaufen“ akzeptieren können wenn anders entschieden wurde als er wollte, meinte Peter Kible in seiner Begrüßungsansprache. Ins „Schwarze Ruhestandsloch“ sei er nicht gefallen, denn er engagiere sich weiterhin für viele Vereine, und auch fürs Stockacher Krankenhaus. „Wenns ihnen doch langweilig werden sollte, helfen wir ihnen gerne weiter“, so Kible zum Abschluss seiner Rede.

Nachfolger Thorsten Scigliano hob den „historischen Augenblick“ hervor. 291 Tage habe er sich verschoben, aber das sei gegen 37 Jahre Amtszeit gar nichts. „Sie haben die Kommunalpolitik geprägt, vieles währe ohne sie nicht gelaufen“, lobte er. Anreger, Motor sei er gewesen und habe dabei die kommunalpolitische Auseinandersetzung nie gemieden. Er sei nie müde geworden für die Ziele der Gemeinde zu werben und sich einzusetzen. Er habe auch die Größe gehabt, den Zug zu stoppen und die Richtung zu Ändern, wenn Widerstand zu spürbar geworden sei. Wenn man die Gemeinde ver

Die wirtschafltichen Rahmenbedingungen für die ländlich geprägte Gemeinde seien nie einfach gewesen, doch jetzt sei man vorne mit dabei.“Sämtliche Förderungstöpfe wurden entdeckt und auch genutzt. Egal wo ich hinschaue, überall haben Sie Spuren hinterlassen. An dem Pensium dass die mir vererbt haben, konnte ich nicht glauben, dass sie aufhören wollen“, sagte Scigliano.  Der Übergang sei auch so gelungen, dass kein Loch entstanden war. „Der Mühlinger ist arm, und weil er das weiß, hat er auch immer was beiseite gelegt“, brachte es sein Nachfolger auf den Punkt. Und er sei ein Sparfuchs gewesen und habe selbst aus einem Pfennig einen Kilometer Kupferleitung drehen können.-Das Lebenswerk werde bestehen bleiben.

Es ist ein Riesenhaufen, den sie für Mühlingen erreicht haben, und das haben sie auch für die Kreis erreicht“, lobte Zeno Danner. Jüppner sei ja vor seiner Amtszeit in den Landratsämtern Stockach wie Konstanz tätig gewesen, was wohl die Grundlage für seine späteren Erfolge . Im Kreistag bekomme man seinen Arbeitseifer noch mit, von seinen Eigenschaften könne man dort noch profitieren. Herr Jüppner war einer der ersten nicht Kupferdraht gelegt habe sondern Glasfaser gelegt habe,

Rotes Herz, grüner Brauch und schwarzer Kopf

Andreas Jung verzichtete als Wahlkämpfer auf eine eigene Rede, für ihn mit sprach die Landtagsabgeordnete Dorothea Wehinger. Jüppner habe sich bewusst mit 30 Jahren für den ländlichen Raum entschieden und wollte eine fortschrittliche Gemeine gestalten. „Sie haben in dieser Zeit Mühlingen zu einer blühenden Gemeinde gemacht“, 34 Prozent der Bevölkerung des Landes lebten im Ländlichen Raum. Er habe die Gemeine voranbringen wollen, und da gehe es auch darum, dass junge Menschen hier heimisch bleiben könnten. Die Weiherbachschule in Zozznegg sei eine große Bereicherung für die Gemeinde. Die Schwackenreuter Seen seien auch durch seine Initiative ein Juwel geworden, auch für die Zugvögel und er habe sich eingesetzt für die Reaktivierung der Ablachtalbahn.

Landtagsabgeordneter Hans Peter Storz verglich die lange Amtszeit mit einer Ehe. „Wenn so lang gehebt hat, ist gut gewesen“. Die Liebe zu den Menschen gehöre eben dazu. Als er 2011 in den Landtag gekommen sei, wäre die Situation noch viel schwärzer geprägt gewesen, doch er habe nicht auf die Farben sondern auf eine gute Zusammenarbeit gesetzt habe. Praktiker sei er gewesen, und er habe gewusst, dass die einzige Möglichkeit den Schulstandort in Zozznegg zu erhalten eben die Weiherbach-Gemeinschaftsschule gewesen sei, obwohl die gar nicht dem Konzept der CDU entsprochen habe.

Manfred Jüppner kommentierte den Lob in seiner Abschlussrede mit einem interessanten Bild von sich: Das Herz sei Rot, der Bau sei Grün, doch der Verstand Schwarz, sagte er.

Würdigung der kommunalen Eigenverwaltung

Der Stockacher Bürgermeister Rainer Stolz zeigte sich erfreut, dass mit dieser Feier auch das Amt des Bürgermeisters insgesamt würdigt werde. Aus der Sicht des Landkreises die sie Raumschaft Stockach gerne Abseits, und dafür habe er seine Stimme auch immer wieder erhoben. Im Verwaltungsraum Stockach rede man viel über die Zukunft, und er habe immer den Standpunkt vertreten, dass viele Ideen gut seien, aber eben auch bei der Bevölkerung ankommen müssten.

Johannes Moser aus Engen als Vertreter des Gemeindetags meinte, Jüppner habe den „Grand Slam“ mit vier Wiederwahlen erreicht. Der Bürgermeisterbaum, den die Vertreter des Gemeindetags ihren ehemaligen Kollegen aufstellen, müsse allerdings noch bis zum nächsten Jahr warten.

 

Eine große Hochachtung überbrachten auch Hauptamtsleiter Edwin Sinn für die Mitarbeiter der Gemeinde.  Er habe auch bei Differenzen vor den Mitarbeitern gestanden, lobte er. Für die Feuerwehren sprach Kommandant Markus Riffler, für die Zoznegger Vereine sprach Uwe Theis und für die Weiherbachschule Petra Kible. Den Seniorenrat  habe er mitbegründet auch dabei mitgewirkt. Auch eine Initiative von ihm war der Verein Hilfe von Haus zu Haus im Februar 2008 für Senioren und Familien in Not. Seit November 2012 war er dessen Vorsitzender. Aktives Mitglied war er im Kirchenchor, in Coronazeiten sogar als Kantorsänger in den Gottesdiensten. „Jüppi“ wurde der nicht nur dort genannt. Die Wandertafeln im Ort hat er mit aufgestellt. Die drei Narrenvereine in der Gemeinde immer im gleichen Maß besucht. Erinnert wurde auch an die 725 Jahr Feuer im Jahr 2000. Aber es klang natürlich auch etwas Kritik durch: Hallenmiete war für die Vereine fällig aus Gründen der Sparsamkeit für alle Veranstaltungen. So was gebe es in keiner Gemeinde der Umgebung.

"Ich hätte noch weiter gemacht"

 

Der erste Lockdown im letzten Frühjahr sei für ihn so etwas wie die Einstimmung auf den Ruhestand gewesen und angichts von Kontaktssperren gestand Manfred Jüppner in seinen Dankesworten. Da sei er manchmal ins Auto gestiegen um durch den Ort zu Fahren um aus dem einsamen Rathaus ohne Besucher zu entfliehen.

"Hätte es die Altfälle für die Bürgermeister nicht gegeben, die mit 68 aufhören mussten, hätte ich meinen Hut sogar nochmals in den Ring geworfen, denn ich war mit meinen Entwicklungsvorstellungen noch lange nicht am Ende" sagte er: "An Ideen für künftiges hätte nicht gefehlt. Eine Gemeinde wird nie fertig."

Zugleich kritisierte er viele verzichtbaren bürokratische Hürden. Die komme in immer neuen Kleidern und seit neuestem im Gewandt der Digitalisierung. Die Breitbanderschließung im Bündnis mit Eigeltingen sei sehr gutes interkommunales Projekt geworden, das nun in den letzten Verästelungen der Gemeinde angekommen ist. Ein "neues Highlight'" für ihn die privat geführte Gemeinschaftsschule. Es habe den Schulstandort in der Gemeinde erhalten können und sei ein gut genutztes Angebot, trotz Widerständen, bezahlt mit dem Blutzoll der Gemeinde. Der Konstrukt der Privatschule ist ein Segen, gibt er in seiner Rede nur auf die jüngsten Schritte ein, nachdem er zum Ehrenbüger gekürt wurde, die höchste Ehrung, die die Gemeinde vergeben kann. Ein Jahr politische Abstinenz habe er sich auferlegt, legte Jüpper noch nach. Ab Dezember werde er schon mal wieder in dem Gemeinderatsitzungen aufkreuzen.

 

 

 

Wochenblatt @: Oliver Fiedler


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