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Eine musikalische Brückenziehung nach Sardinien

Sarden
Bild (von links) Regisseur Nicola Bremer, Dramaturgin Franziska Bolli, Dramaturgin Elisa Elwert (oben), Rudolf Hartmann (unten), Intendant Christoph Nix, Bühnenbildner Andreas Mayer. swb-Bild: Ruth Braun

Theater Konstanz plant Freilichttheater für die Sommerferien

Konstanz. In Form einer Oper, welche die Ideen des sardischen Aktivisten und Vordenkers Antonio Gramsci aufgreift, soll diesen Sommer zwischen Italien und Konstanz eine Verbindung zum Ausdruck gebracht werden - in der Hoffnung, dass dann die aktuelle Krise bewältig wäre. Intendant Christoph Nix, Regisseur Nicola Bremer und ein bunt gemischtes Team, bestehend aus sardischen Sängern, einem Orchester und nicht zuletzt dem Ensemble des Konstanzer Stadttheaters stecken bereits mit vollem Tatendrang in den Vorbereitungen der Oper, die anlässlich der Münsterplatzfestspiele uraufgeführt werden soll.

Vergangenen Mittwoch lud das Konstanzer Stadttheater zur Pressemitteilung an ungewöhnlichem Ort ein: dem Münsterplatz. Hier soll am 29. Juli die Uraufführung der Oper Antonio Gramsci stattfinden, deren Namensträger als Mitbegründer der Kommunistischen Partei 1921 in Italien, aber auch als Kunst- und Kulturliebhaber in einer Zeit, in der Schrecken und Terror unter der Diktatur Mussolinis herrschte, bekannt ist. Wie Regisseur Bremer, der selbst in Italien aufgewachsen ist, betonte, zieht das Werk über Gramsci Parallelen zur heutigen Zeit, in der Rechtsradikalismus weiter zunimmt, und ist so von bedeutender Relevanz. 

Die Oper konzentriert sich auf eine Zeit, die Gramsci als Häftling in einer Zelle verbringt und seine wohl bekanntesten Arbeiten, die sogenannten Gefängnishefte, entwickelte. Der Zuschauer bekommt durch diese Szenen einen Einblick in Gramscis persönliches Umfeld, und darüber hinaus werden seine intellektuellen Gedanken in ästhetischer Form offengelegt. 

Durch den Anklang eines Ausschnitts des Vorspiels aus der Oper und einem sardischen Volkslied auf dem Akkordeon versetzte Rudolf Hartmann seine Zuhörer auf dem windigen Münsterplatz bei der Pressemitteilung in einen gespannten Bann. Doch auch der Regisseur Bremer wirkte verzaubert: „Dies klang wie eine Hymne der Nation“. Mit diesem musikalischen Einstieg wurde schnell klar in welche Richtung sich die Oper bewegen soll, welche von dem Dirigenten der sardischen Philharmonie Maestro Antonio Puglia unterstützt wird. Fünfzig Musiker, darunter sieben Solisten und ein Chor sardischer Obersänger wollen die von Cord Meijering komponierte Musik künstlerisch verarbeiten und das Libretto, welches von Musikkritiker Hans-Klaus Jungheinrich geschrieben worden ist, auf den Gassen Konstanz an das Publikum bringen, was auf dem großen Platz eine Fülle von bis zu 1200 Menschen erreichen kann. Nur zwei Mal wird die Oper jeweils über eine Stunde und zwanzig Minuten auf italienisch aufgeführt. Der Entwurf des Bühnenbildes durch Andreas Mayer lies allerdings bereits im Voraus Vermutungen über eine spannende Inszenierung entstehen, sodass sich das Theaterspektakel unter freiem Himmel aus zu zahlen scheint. Schlechtem Wetter sieht Nix positiv gestimmt entgegen, der bereits Pläne für Abdeckungen und Sicherstellungen erstellt. Aufhalten lässt sich das Team, welches in seinen Vorbereitungen durch den Verein Theaterfreunde Konstanz e.V. mit 8000 Euro finanziell unterstützt worden ist, allerdings nicht nur nicht durch schlechte Wettervorhersagen.

Die andauernde Verbreitung des Corona-Virus, und vor allem die Ernennung ganz Italiens zu einem Risikogebiet aufgrund des ansteckenden Virus, wird definitiv von Intendant und Regisseur ernst genommen und ein Punkt gesetzt, ab welchem die Veranstaltung nicht zu Stande kommen kann. Zu diesem Zeitpunkt spricht sich die gesamte Gruppe aber klar für die Aufführung der Oper aus und blickt mit Freude und Bewunderung Antonio Gramscis Person auf die Münsterplatzfestspiele.

 

 

Wochenblatt @: Oliver Fiedler


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