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Eine treibende Kraft in der Region

Firma Baumann mit neuer Portalfräsmaschine
Inhaber Christoph Baumann bedient eine seiner Maschinen. swb-Bild: ver

Prototypenbau »Made in Stockach«

Stockach. Es ist ganz schön viel los, wenn man die Räume der Firma »Erich Baumann Stockacher Modell- und Werkzeugbau« betritt. Kein Wunder, sind hier neun Portalfräsmaschinen sowie 18 Mitarbeiter am Werk. Dabei sind Großportalfräsmaschinen eine Spezialität des Hauses. »Das ist in der Region ein Alleinstellungsmerkmal«, weiß Inhaber Christoph Baumann.

Das Unternehmen ist nämlich Fräsdienstleister für Automotive, Luft- und Raumfahrt, Rennsport sowie Kunstobjekte. In den Bereichen Prototypen, Formen- und Werkzeugbau sowie im Prüfcubing ist die Firma ein zuverlässiger Partner in der Region. Nicht zuletzt dank der Anschaffung zweier Gantrymaschinen, von denen eine seit Juni 2018 in Stockach im Einsatz ist. Der rund 78 Tonnen schwere Prototyp ist mit Lineartechnik ausgestattet und wurde mit Hilfe eines Schwerlastkrans über das Hallendach transportiert. Dank einer speziellen Hebetechnik der Spezialtransportfirma Biedenbach konnte die Maschine dann in den dafür vorgesehenen Bereich über 30 Meter weiter in die Halle transportiert werden.

Dadurch entsteht die Kompetenz, auch sehr große Bauteile in kurzer Zeit herzustellen und auf einer Maschine an mehreren Bauteilen parallel zu arbeiten. Dabei muss jeder Schritt einzeln programmiert werden. Je nach Modell laufen 300 bis 500 Programme hintereinander, was eine Bearbeitungsdauer von ein paar Stunden bis mehrere Tage zur Folge hat. Im Vorfeld wird administriert, welche Werkzeuge gebraucht werden. Diese werden dann vollautomatisch von der Spindel im zugehörigen Werkzeugwechsler geholt. Die Spindel, die in fünf Achsen fräst und sich dabei dynamisch durch den Maschinenraum bewegt, fräst am Bauteil im Durchschnitt mit 24.000 Umdrehungen in der Minute.

Die Maschine fräst auf 0,02 Millimeter genau und Bauteile bis zu drei auf fünf Meter. Während der Arbeiten kann es heiß zugehen, daher wird während der Fertigung kontinuierlich Kühlflüssigkeit gesprüht, um die Temperatur konstant zu halten und einen Brand zu vermeiden. An der Seite der Maschine werden die Späne abtransportiert. Am fertigen Modell wird anschließend manuell nachgearbeitet, weil die Teile hundertprozentig passen müssen. »Der Auftrag des Kunden kommt rein, wir programmieren, fertigen an und liefern«, fasst es Christoph Baumann beim Rundgang zusammen. Die neue Maschine ist zwar ein Alleinstellungsmerkmal, doch die Instandhaltung und die Wartungskosten sind enorm. »Das Schiff am Laufen zu halten ist nicht einfach. Ohne ein gutes Team und hohe Mitarbeiterloyalität würde es nicht gehen.« Viele der 18 Mitarbeiter arbeiten bereits seit Jahrzehnten im Betrieb und haben sich in der Region niedergelassen.

Die Anschaffung der neuen Maschinen beinhaltet ein Risiko, so Baumann weiter, der das Unternehmen in zweiter Generation führt. »Die wirtschaftliche Entwicklung in den Zielmärkten ist aktuell ziemlich verhalten, was mit der politischen und wirtschaftlichen Gesamtsituation in Europa zusammenhängt.« Dennoch wollte man diesen Schritt wagen, auch weil die Maschinen einen hohen Qualitätsstandard aufweisen. Die zweite Maschine befindet sich aktuell noch im Werk, soll aber bald neben dem Zwilling aufgebaut werden.

Wochenblatt @: Graziella Verchio