- Anzeige -

Eine vielfältige Schule mit viel Herzblut in der Leitung

Hebelschule
Die Diskrepanz zwischen Hauptschule und Realität ließ sich MdL Dorothea Wehinger (Grüne) vom JPHS-Leiter Marc Laporte-Hoffman und Lehrerin Michaela Benz-Riede erklären. swb-Bild: ly

Marc Laporte-Hoffman als neuer Leiter der Hebeschule hat viele Forderungen an die Landesregierung

Singen. Marc Laporte-Hoffman ist seit dem 1. August der neue Schulleiter der Johann-Peter-Hebel-Schule (JPHS) im Singener Süden und somit »Herr« über rund 420 SchülerInnen und 40 Lehrkräfte. Die JPHS ist Grund- und Hauptschule sowie Werkrealschule. Ganz neu ist für ihn die Schulsituation nicht, denn zuvor war er seit 2017 Konrektor dieser »Stadtteilschule«. Zudem leitet er die Außenklasse der »Time out School« (ToS) Singen, die bei Schulverweigerung ein Lernort als Chance für Schulschwänzer gilt.

Unterstützt wird er, sozusagen als Doppelspitze, von Michaela Benz-Riede vom Schulleitungsteam. Zu einem informellen Austausch zur Situation der Hauptschulen im Allgemeinen und speziell der JPHS trafen sich nun aktuell Landtagsabgeordnete Dorothea Wehinger (B'90/Die Grünen) mit Marc Laporte-Hoffmann und Michaela Benz-Riede.

»Es ist in unserem Interesse von der Basis zu berichten, damit die Problematik Hauptschule in den Fokus der Landespolitik gerückt wird. Früher gab es eine gute schulische Durchmischung, jetzt ist es so, dass sich hier die Leistungsschwächeren bündeln«, beklagte der Schulleiter der JPHS, in dessen Schule rund 85 Prozent der SchülerInnen einen Migrationshintergrund haben.

Und Michaela Benz-Riede ergänzte, dass die JPHS eine besondere Stellung im westlichen Hegau habe durch den Werkrealschulzug und somit auch ein größeres Einzugsgebiet, von Volkertshausen bis Büsingen etwa.

Wehinger ist gekommen um hinzuhören, zu spüren wo der Schuh drückt und wo sie Hilfestellung und Unterstützung geben kann. Sie ist in ihrer Fraktion Sprecherin für frühkindliche Bildung, Kinder und Familien. Aus ihrer eigenen früheren beruflichen Situation ist ihr doch manche Problematik durchaus bekannt. Die Lernenden kommen häufig aus bildungsfernen und/oder prekären Familiensituationen und dies sind leider keine »Einzelfälle« in den Klassen, sondern diese Schüler stellen eine große Mehrheit dar, beschreibt Benz-Riede und hinterfragt die Hauptschule im gesellschaftlichen Kontext – ein bildungspolitischer Kollateralschaden?

Kritik an der Bildungspolitik des Landes richtet sich daher unter anderem an folgende Punkte: Das Kultusministerium entscheidet, ohne die Schulen zu befragen und die Bedarfe und Probleme zu erfragen. Vorgaben und Programme orientieren sich meist an dem »Durchschnittsschüler«. Maßnahmen und Zuwendungen werden im »Gießkannenprinzip« verteilt, ohne auf örtliche Begebenheiten zu achten.

»Die Hauptschule hat keine Lobby«, stellte der neue Schulleiter etwas frustriert fest und überrreichte der MdL einen Forderungskatalog, basierend auf seinen Erfahrungen und denen seiner Kolleginnen. Dabei sind unter anderem tiefgründige Erhebungen von Problemlagen und die daraus resultierenden Bedarfe. Dass die Problematik nicht an den Lehrenden vorbeizieht, darin sind sich Laporte-Hoffman und Benz-Riede völlig einig. Sie bemängeln die extrem hohen Belastungen und fehlende Zeit für Elternarbeit, die in keinster Weise durch das Land berücksichtigt werden. Zudem gab es Kritik an fehlenden Deputaten und unzureichender Schulsozialarbeit.

»Pflichtunterricht hat Vorrang, andererseits ist Zeit für soziales Lernen ebenso wichtig«, stellte Laporte-Hoffmann fest. Zuletzt forderten der Schulleiter und Benz-Riede eindringlich nochmals ein verpflichtendes letztes Kindergartenjahr ein: »Kinder sollen im Kiga sprachlich gut vorbereitet sein, bevor es mit der Schule losgeht, andernfalls droht dort ein weiteres Defizit.«

Dorothea Wehinger beeindruckte das enorme Engagement der beiden Lehrenden: »Ich merke, Sie sind mit viel Herzblut dabei und sehe die große Problematik.« Sie versprach, im Austausch zu bleiben und die Thematik mitzunehmen.

Wochenblatt @: Oliver Fiedler


- Anzeigen -