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Freidenkerin und betörende Malerin

Wentzlaff
Einer der "Erdandbewohner"von Ursula Wentzlaff - zu sehen ab 19. Mai im Singener Kunstmuseum. swb-Bild: pr

Kunstmuseum Singen würdigt Ursula Wentzlaff zum 80. Geburtstag

Singen. 2017 wäre die Malerin und Graphikerin Ursula Wentzlaff (1937–2014), deren freies künstlerisches Werk erstmals umfassend 1994 in Singen, im Alten Umspannwerk, vorgestellt wurde, achtzig Jahre alt geworden. Bis zuletzt hat siein ihrem „Blechhaus“ in Kressbronn gearbeitet. Das Kunstmuseum Singen würdigt nun mit rund 80 ausgestellten Arbeiten das Werk eines frei denkenden Menschen und einer ungewöhnlichen Künstlerin vom Bodensee, „die trotzdemkeine Bodenseemalerin war“ – so der Schriftsteller Arnold Stadler, der UrsulaWentzlaff schätzte. Die Eröffnung der Ausstellung ist am Freitag, 19. Mai, 19.30 Uhr in den Räumen des Kunstmuseum. Nach der Begrüßung von OB Häusler wird Antje von Graevenitz in das Werk dieser außergewöhnlichen Künstlerin einführen. Die Ausstellung ist dann bis zum 2. Juli zu sehen.

Wentzlaffs Arbeiten, bevorzugt intime klein- und großformatige Aquarelle und „schräge“ Zeichnungen, ergänzt um einige Gemälde, sind – einerseits – Verdichtungen ihres lebenslangen Staunens über die Erscheinungsformen des Lichts, einer Landschaft und der Farben der Natur sowie – andererseits – wunderliche, dabei stets emphatische Träume, Gesichte, Grenzerfahrungen über die Natur des Menschen.

„Eigentlich“, so Ursula Wentzlaff, „besteht die ganze Welt aus Linien und Batzen. Von Anfang bis Ende. Und darüber hinaus. “Ursula Wentzlaff hat in den 1950er Jahren Fotografie und Fotografik in Köln, Malerei, Zeichnen und Design in Düsseldorf und Stuttgart studiert und arbeitete bis in die 1990er Jahre als Grafikdesignerin in München, Bochum und am Bodensee. Für große Konzerne wie kleine Unternehmen erarbeitete sie erfolgreich Werbekampagnen, bis sie sich zu Beginn der 1990er Jahren entschieden hatte und ausschließlich in der freien künstlerischen Arbeit tätig zu sein. Ihre bevorzugte Technik wurde das nicht nur kleinformatig gestaltete Aquarell. Sie eröffnete sich damit – scheinbar aus dem Nichts, in Wirklichkeit auf derGrundlage einer gereiften, ungewöhnlich eigenständigen Persönlichkeit – eine ganz neue, eigene Welt, in der sich treffende Alltagsbeobachtung mit gewitzt wuchernderPhantastik kreuzt.

„Ich habe in meinem Leben kaum eine solche Malerin wie die Wentzlaff getroffen, die, wenn ich genau hinschaue, überhaupt keiner Ergänzung bedarf. Sie ist als Künstlerin vollständig. Sie ist ganz da“,schrieb Arnold Stadler 2001.

Daneben zeigt das Kunstmuseum den zweiten Schwerpunkt dieses Werks: diefigürlich-gegenständlichen Menschenbilder der Ursula Wentzlaff, die körperlos vor hellen Papiergründen schwebenden Kopfzeichnungen (Bleistiftzeichnungen), die nur scheinbar lächerlich-konfusen „Erdrandbewohner“(Aquarelle in gedämpften Blau- und Grautönen) und all die weiteren unheimlichenGesichter, besser: Gesichte der Malerin, die allesamt einem Zwischenreich „am Rande der Erde“ entsprungen zu sein scheinen.

Einige großformatige Gemälde – sowohl monochrome oder lediglich zartstrukturierte Farbfelder als auch einige expressive Frühwerke – ergänzen dieAusstellung, um so die Bandbreite des künstlerischen Schaffens dieser Malerinzu eröffnen. „Malen heißt Weitermalen“ – so hat der Schriftsteller Arnold Stadler das Besessene, Wunderliche, Kindliche, Ungezwungene und Unerschöpflichedieser Malerin beschrieben.

Ausstellung entstand in Kooperation mit dem Museum & Galerie Lände, Kressbronn.

Mehr unter http://www.kunstmuseum-singen.de/ 

Wochenblatt Redakteur @: Oliver Fiedler