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Fünf Fragen an Sibylle Röth (Die Linke)

Sibylle Röth
Sibylle Röth ist Kandidatin für "Die Linke" im Wahlkreis Konstanz bei der anstehenden Bundestagswahl. swb-Bild: Daniel Schröder

Die KandidatInnen zur Bundestagswahl aus dem Landkreis (Teil 6)

Kreis Konstanz. Das Wochenblatt stellt in den Wochen vor der Bundestagswahl die Kandidaten der Parteien aus dem Wahlkreis vor. Mit Fragen aus der Redaktion, die sie an alle gleich gestellt hat. Diese Woche ist Sibylle Röth (Die Linke) an der Reihe.

1. Frage: Warum sind sie in die Politik eingestiegen und gerade in ihre Partei?

Sibylle Röth: »Die Entscheidung für die Partei fand ich nicht sonderlich schwer – ob überhaupt eine Partei, schon. Denn eigentlich hatte ich ein solides Misstrauen gegenüber der etablierten Parteienpolitik. Auf die Idee, schon mit 16 oder 18 in die Jugendorganisation einer Partei einzutreten, wäre ich nie gekommen. Aber nach dem Studium hatte ich genug von kritischer Distanz und war zudem der Meinung, mir jetzt ja wohl ein einigermaßen kompetentes Urteil bilden zu können. Und die Welt wird ja schließlich auch nicht dadurch besser, dass man nichts macht.«

2. Frage: Was wollen sie zu Klimaschutz und sozialer Gerechtigkeit umsetzen – und wo sehen sie für sich persönlich Defizite bei sich?

Sibylle Röth: »Die Kombination dieser zwei Einzelfragen erscheint mir etwas eigenwillig, aber ich versuch’s mal: Natürlich bin ich weder Wirtschafts- noch Klimaexpertin. D.h. die technischen Detailkenntnisse, wie man entsprechende Ziele umsetzt, habe ich einfach nicht. Aber zunächst muss man ja wissen, was man überhaupt umsetzen will. Beim Klima scheint mir das relativ einfach: Wenn wir die Erderwärmung nicht aufhalten, zerstören wir unseren Planeten. Da muss man kein Fachmensch sein um zu merken, dass man das lassen sollte. Bei der sozialen Gerechtigkeit hingegen ist schon das Ziel umstritten: Ich würde ja sagen, dass gleiche Freiheit auch soziale Gleichheit erfordert – zumindest deutlich mehr als im Moment – während andere zwischen beiden einen Widerspruch sehen.«

3. Frage: Konkret: was sollte sich bis in zehn Jahren – auch für unsere Region – durch die Politik verändert haben?

Sibylle Röth: »Bis 2030 müssen die klimapolitischen Weichenstellungen vollzogen sein, sonst können wir das 1,5 Grad-Ziel schlicht nicht einhalten. Das heißt, die erneuerbaren Energien müssen deutlich ausgebaut sein, der ÖPNV muss so stark sein, dass Menschen auch im ländlichen Raum auf das eigene Auto verzichten können, der Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor muss eigentlich schon abgeschlossen sein. Die ökologische muss dabei von einer sozialen Wende begleitet werden, damit die Schere zwischen arm und reich nicht noch weiter aufgeht: Mehr Tarifbindung, eine Weiterbildungsgarantie und eine existenzsichernde sanktionsfreie Grundsicherung. Und nicht zuletzt müssen wir dafür sorgen, dass wohnen wieder bezahlbar wird.«

4. Frage: Was wäre ihr persönlicher Beitrag gegen die zunehmende Tendenz zur Spaltung unserer Gesellschaft?
Sibylle Röth: »Mir liegt sehr an einer demokratischen Diskussionskultur: Das bedeutet den Streit unterschiedlicher Meinungen und Lösungsansätze. Aber dieser Streit muss sich mit Argumenten vollziehen und um das bessere Konzept ringen. Stattdessen wird derzeit zu viel skandalisiert und moralisiert, statt langfristiger Planung wird Stückwerk vorgelegt. Viele steigen dann schlicht aus, weil sie von der Politik nichts mehr erwarten. Das heißt, wir müssen wieder klar machen, dass es Alternativen gibt und dass es sich lohnt, sich für etwas einzusetzen.«

5. Wer sollte sie besser nicht wählen?

Sibylle Röth: »Ein Single mit einem Jahresbrutto von über 100.000 Euro sollte es sich überlegen: wenn eine bessere öffentlich Daseinsfürsorge für alle es ihm wert ist, weniger in der privaten Portokasse zu haben, kann er mich natürlich gerne wählen. Menschen, die in Einwanderung und/ oder Gleichberechtigung den Untergang des Abendlands wittern, würde ich tatsächlich abraten.«

Die Lebensdaten von Sibylle Röth:
»Ich bin 1982 geboren und in einem idyllischen Dorf in Rheinland-Pfalz aufgewachsen. In den 2000ern habe ich Neuere Geschichte, Philosophie und Politikwissenschaft in Jena studiert. 2012 kam ich dann zur Promotion an den Bodensee und arbeite seitdem als wissenschaftliche Mitarbeiterin für Geschichte der Frühen Neuzeit an der Universität Konstanz.«

Wochenblatt @: Oliver Fiedler


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