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Großes Finale für die Sommerinterviews

Uwe Eisch
Bürgermeister Uwe Eisch vor dem Gaienhofener Rathaus. swb-Bild: dh

Uwe Eisch im Gespräch mit dem WOCHENBLATT

Gaienhofen. Zum Abschluss der großen Sommerinterview-Reihe war das WOCHENBLATT zu Gast beim Gaienhofener Rathauschef Uwe Eisch.
WOCHENBLATT: Die Umgestaltung der Tourist-Information ist eines der größten Projekte in der Gemeinde. Was steht sonst noch an?
Eisch: Wir sind mitten in der Gas- und Glasfasererschließung. Da wird es noch mindestens zwei Jahre dauern, bis alle Ortsteile abgeschlossen sind. Dass das so lange dauert, liegt unter anderem an der enorm großen Anzahl an Antragstellern. Wir haben ursprünglich mit 300 gerechnet, jetzt sind es über 1.000. Wir kommen also fast bis in jedes Haus mit der Glasfasertechnik. Das bringt später im Betrieb große Vorteile, weil sich das Projekt so schneller amortisiert. Die Ortsteile Gaienhofen und Hemmenhofen sind im Moment vorrangig dran. Mit den Stadtwerken Konstanz bauen wir hier die Passiv-Infrastruktur extra so auf, dass auch ein Teilnetz in Betrieb gehen kann, bevor die Erschließung der ganzen Gemeinde abgeschlossen ist. Daneben machen wir uns auch schon Gedanken über die Erweiterung unserer Schulgebäude an der Hermann-Hesse- Schule, denn hier stoßen wir an Kapazitätsgrenzen. Im Bebauungsplan ist bereits eine Erweiterungsfläche vorgesehen. Das Raumprogramm haben wir aufgestellt, jetzt gilt es Zuschussanträge zu stellen. Außerdem stehen am Campingplatz und den Hafenanlagen Renovierungsarbeiten an. Im Bereich der Friedhöfe merken wir, dass die Nachfrage nach alternativen Bestattungsformen zunimmt, deshalb wollen wir in Hemmenhofen in Zukunft Baumbestattungen ermöglichen.

WOCHENBLATT: Bei einem Projekt wie der neuen Tourist-Info, die mit einer Million Euro zu Buche schlägt, gibt es meistens auch Kritiker, die die Frage nach der Notwendigkeit stellen. Was können Sie diesen entgegnen?
Eisch: Durch den Umzug des Rathauses haben wir einen Leerstand in einem kommunalen Gebäude, das zum Teil noch durch den Gemeindeverwaltungsverband genutzt wird. Wir hatten uns schon lange darüber Gedanken gemacht, wie wir unsere Tourist-Info zeitgemäßer gestalten und gleichzeitig für angemessene Arbeitsverhältnisse sorgen können. Im Sommer sind da 36 Grad drinnen. Das kann man eigentlich keinem Mitarbeiter zumuten. Auch was die sanitären Anlagen und die Energetik angeht, hätte man am alten Standort sehr viel Geld in die Hand nehmen müssen. Die Studie von Prof. Moser hat gezeigt, dass der Umzug ins alte Rathaus eine gute Lösung ist. Zusätzlich kam die Aussicht auf eine hohe Förderung des Landes, die es aufgrund genau dieses Konzepts gab. Wir haben jetzt 50 Prozent der Summe als Zuschuss vom Land bekommen, die anderen 50 Prozent wollen wir durch den Verkauf des jetzigen Tourist-Info-Gebäudes erzielen. Dann ist das für den Haushalt quasi fast neutral.

WOCHENBLATT: Das Thema Wohnraum ist in Gaienhofen ja ein bisschen heikel. Ist hier Entspannung in Sicht?
Eisch: Das Thema ist natürlich in der ganzen Raumschaft schwierig. Was bei uns in Gaienhofen verschärfend dazu kommt ist, dass 89 Prozent der Gemarkungsfläche unter Schutz steht. Deshalb haben wir schon vor drei Jahren eine Studie gemacht, die zeigen sollte, wieviel Potential im innerörtlichen Bereich noch für Bebauung zur Verfügung stehen würden. Hier sind aber natürlich immer auch Verhandlungen mit den jeweiligen Eigentümern erforderlich. Am Ortsrand von Gundholzen wollen wir zudem noch Flächen erschließen. Dort sind wir uns auch schon mit fast allen Grundstückseigentümern einig geworden. Einer möchte absolut nicht verkaufen, aber da wollen wir schauen, dass wir das auch ohne die entsprechende Fläche schaffen, damit wir zumindest eine gewisse Anzahl an Bauplätzen zur Verfügung stellen können. Ich gehe davon aus, dass im Laufe des nächsten Jahres der Bebauungsplan aufgestellt werden kann. Dann folgt erst mal die Erschließung, das heißt, es wird schon noch ein bisschen dauern, bis die Grundstücke baureif sind.

WOCHENBLATT: Wenn man über ein neues Baugebiet spricht, liegt immer auch die Frage nach der Kinderbetreuung nahe. Wie ist hier die Situation in der Gemeinde?
Eisch: Wir haben ja vor drei Jahren unseren neuen Kindergarten in Betrieb genommen und verfügen daher über ein sehr umfassendes Angebot an Kinderbetreuung. Seinerzeit wurde uns immer vorgehalten, der Kindergarten sei viel zu groß, alle redeten von Geburtenrückgang. Das hat sich aber genau ins Gegenteil verkehrt und wir stoßen jetzt schon fast wieder an die Kapazitätsgrenzen, so dass wir uns jetzt eigentlich schon über eine Erweiterung Gedanken machen müssen. Denkbar wäre zum Beispiel auch eine alternative Form mit einem Waldkindergarten oder ähnlichem.

WOCHENBLATT: Die Kommunalwahl hat gewisse Veränderungen im Gemeinderat mit sich gebracht. Haben Sie irgendwelche Wünsche an das neue Gremium?
Eisch: (lacht) Dass es so weiter geht wie mit dem alten Gemeinderat. Wir hatten in den vergangenen Jahren ein sehr gutes Arbeitsklima und konnten viel abarbeiten mit einer guten Diskussionskultur. Aber ich mache mir auch keine Sorgen, dass das anders werden könnte.

WOCHENBLATT: Sie stehen gerade an der Hälfte ihrer dritten Amtszeit. Ist das schon ein Punkt, an dem man sich Gedanken macht, wie es bei der nächsten Bürgermeisterwahl weitergehen soll?
Eisch: Nein, das ist noch weit weg. Wir haben noch so viele Punkte auf der Agenda, die abgearbeitet werden müssen, dass es einem da eigentlich nie langweilig wird. Also sich jetzt schon Gedanken über die nächste Bürgermeisterwahl zu machen wäre, absolut verfrüht.

Wochenblatt Redakteur @: Dominique Hahn