- Anzeige -
- Bezahlter Inhalt -

Hegau-Bodensee-Klinikum Singen: Zentrum der höchsten Versorgungsstufe für Frühchen

Prof. Dr. med. Andreas Trotter. Bild: Hegau-Bodensee-Klinikum Singen

Das Perinatalzentrum Singen ist ein anerkanntes Zentrum der  höchsten Versorgungsstufe (Level I) für Frühchen. Im Interview erzählt Prof. Dr. med. Andreas Trotter, was das Perinatalzentrum Singen auszeichnet und wie Frühgeburten verhindert werden können.

WOCHENBLATT: Wie gut sind Frühgeborene im Landkreis Konstanz versorgt?
Prof. Dr. med. Andreas Trotter:
Das Singener Perinatalzentrum ist als höchste Versorgungsstufe (Level I) für Frühgeborene anerkannt. Kinder, die zu früh auf die Welt kommen, können ab der Grenze zur Lebensfähigkeit (ab 23. Schwangerschaftswoche) versorgt werden. Möglich ist das durch speziell qualifizierte Fachärzte, entsprechend ausgebildete Pflegekräfte und modernste medizinische Ausstattung.
WOCHENBLATT: Was versteht man unter einer Frühgeburt?
Prof. Dr. med. Andreas Trotter: Eine normale Schwangerschaft dauert 40 Wochen. Alle Kinder, die vor der 37 Schwangerschaftswochen auf die Welt kommen, gelten als Frühgeburt. Dies betrifft etwa 10 % der Geburten. WOCHENBLATT: Welches Ziel verfolgt das Perinatalzentrum Singen?
Prof. Dr. med. Andreas Trotter: Unser wichtigstes Ziel ist, die Frühgeburt solange wie möglich zu verhindern ohne jedoch Nachteile für Mutter und Kind in Kauf zu nehmen. Das Perinatalzentrum Singen kann sehr gute Ergebnisse im Verhindern von Frühgeburt vorweisen.
WOCHENBLATT: Wie beugen Sie Frühgeburten vor?
 Prof. Dr. med. Andreas Trotter: Individuelle Betreuung, Beratung und Behandlung bei jeder Schwangeren mit Frühgeburtsbestrebungen zusammen mit unseren spezialisierten Geburtshelfern, und dies immer wieder im Verlauf der Schwangerschaft, sind Basis für den Erfolg.    
WOCHENBLATT: Welche Voraussetzungen muss ein Perinatalzentrum der höchsten Versorgungsstufe erfüllen?
Prof. Dr. med. Andreas Trotter: Ein ganzer Katalog an Vorgaben muss erfüllt sein, um ein Perinatalzentrum der höchsten Versorgungsstufe (Level I) zu sein. Zunächst muss spezialisiertes Fachpersonal im Bereich Pflege und Ärzte/Innen (sowohl in der Frauenklinik als auch in der Kinderklinik) rund um die Uhr vorgehalten werden. Hinzu kommen etliche strukturelle Vorgaben wie zum Beispiel, dass der Kreissaal Tür an Tür mit der Früh- und Neugeborenen-Intensivstation liegt. Jederzeit muss ein Kinderchirurg/In verfügbar sein. Auch die technische Ausstattung ist genau vorgeschrieben, z.B. spezielle Beatmungsgeräte, auch in ausreichender Zahl. 

WOCHENBLATT: Welche Ursachen stecken hinter einer Frühgeburt?

Prof. Dr. med. Andreas Trotter: Die genauen Gründe, warum eine Schwangere plötzlich Frühgeburtsbestrebungen bekommt, sind meistens nicht bekannt. Auslösend können sein ein vorzeitiger Blasensprung, Infektionen oder andere  Schwangerschaftserkrankungen der werdenden Mutter. Auch Unterfunktionen der Plazenta (Mutterkuchen) können ein Grund für eine Frühgeburt sein. Wenn eine Frau keine Kindsbewegungen mehr spürt oder plötzlich ein neu aufgetretenes und anhaltendes Ziehen im Bauch hat, rate ich unverzüglich den Frauenarzt bzw. die Frauenärztin zu kontaktieren oder die Klinik aufzusuchen. In vielen Fällen gelingt es, die Schwangerschaft weiterzuführen.

WOCHENBLATT: Warum raten Sie zur Entbindung im Klinikum?
Prof. Dr. med. Andreas Trotter: Die allermeisten Geburten laufen problmeslos ab. Falls aber doch auch bei Geburten am Termin etwas mit Mutter oder Kind passiert, bietet das Klinikum Singen alle medizinischen Möglichkeiten für Beide. Je unreifer ein Kind auf die Welt kommt, desto höher ist das Risiko für Probleme, wobei man das im Einzelfall nicht vorhersagen kann. Auch ein sehr kleines oder sehr unreifes Kind hat heutzutage eine gute  Chance, später ein normales Leben zu führen..
WOCHENBLATT: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind nach einer Frühgeburt behindert wird?
Prof. Dr. med. Andreas Trotter: Das hängt primär entscheidend von der Schwangerschafstwoche ab, in der das Kind auf die Welt kommt. Ein Frühgeborenes mit 24 Schwangerschaftswochen zum Beispiel hat ein höheres Risiko für eine Behinderung als ein Frühgeborenes ab 32 Wochen, von denen sich fast alle normal entwickeln. Dann spielen viele weitere individuelle Faktoren eine Rolle. Letztlich ist es nicht adäquat pauschal zwischen behindert und nicht behindert zu unterscheiden. Es gibt eine riesige Spannweite von nur leichten über mittlere bis hin zu schwereren Einschränkungen. Wichtig bei Frühgeborenen und ihren Eltern ist, dass sie während des stationären Aufenthaltes und auch beim Übergang nach Hause professionell begleitet werden. Dies geschieht durch unsere Familientherapeutin und durch sogenannte Case-Manager vom Verein Bunter Kreis e.V.. Die notwendige Zusammenarbeit mit den  Kinderärzten/Innen funktioniert sehr gut. Alle sehr kleinen Frühgeborenen (bei Geburt unter 1500g) werden hinsichtlich ihrer neurologischen Entwicklung strukturiert nachuntersucht, um eventuell bestehenden Förderbedarf rechtzeitig zu erkennen. Hier sind wir dankbar für die gute Zusammenarbeit mit dem sozialpädiatrischen Zentrum in Konstanz.
WOCHENBLATT
: Im Mai 2019 wurde das 20-jährige Bestehen des Frühgeborenen-Elterntreffs gefeiert. Warum war das etwas Besonderes?
Prof. Dr. med. Andreas Trotter:
Der Frühgeborenen-Elterntreff kommt mehrmals im Jahr zusammen und ist eine sehr schöne Plattform, auf der sich Eltern mit ihren ehemals frühgeborenen Kindern treffen und austauschen. Die Treffen werden von unseren engagierten "Frühchenschwestern" – meist mit einem Fachvortrag – organisiert und betreut. Es ist schön bei diesen Treffen zu sehen, was aus den Kindern im Verlauf wird und wie sie sich entwickeln, obwohl sie zum Teil weniger als 500g am Anfang gewogen haben. Dass es dieses Treffen schon 20 Jahre gibt, spricht für sich selbst.

Wochenblatt Redakteur @: Diana Engelmann