- Anzeige -

"Helden oder Sklaven"

Lenkpause
Viele Begegnungen bei der "Lenkpause" am Samstag auf der Rastätte Engen - mit den LWW-PilotInnen, die als "Helden" gefeiert werden, sich aber eher wie Sklaven fühlen. swb-Bild: Dekanat

Aktion "Lenkpause" blickte in den Alltag der LKW-Piloten zur Corona-Zeiten

Engen. Wer von uns kann sich vorstellen, sich tagelang nicht richtig waschen oder duschen zu können, keinen Zugang zu Toiletten zu haben?  Die LKW-FahrerInnen waren während des Corona-Lockdowns genau davon betroffen. Viele Firmen hatten ihre Sanitärräume geschlossen, auf Rastanlagen standen die FahrerInnen oft genug ebenfalls vor verschlossenen Türen, erfuhren nun die Helfer der ökumenischen Aktion "Lenkpause" bei ihrem Ortstermin am Samstag an der Raststätte in Engen.

Wer von uns kann sich vorstellen, seine Familie über Wochen oder gar Monate nicht zu sehen? - Auch dies ist der Alltag vieler LKW-FahrerInnen. Sie fahren die Waren kreuz und quer durch Europa, damit unsere Supermärkte voll sind und damit die Industrie produzieren kann.

Die Fragen gehen weiter: Wer von uns kann sich vorstellen, keine persönlichen sozialen Kontakte pflegen zu können, weil man nur sehr selten zu Hause ist? - In dieser Situation sind die FahrerInnen ständig.

Die Arbeitnehmerseelsorgerin Heike Gotzmann und Dekan Matthias Zimmermann haben am vergangenen Samstag zusammen mit dem Netzwerk Kirche und Arbeitswelt eine Lenkpause an den Autobahnraststätten Hegau West und Ost durchgeführt.  Viele Ehrenamtliche, Betriebs- und PersonalrätInnen organisieren und wirken bei den Lenkpausen mit.

Es war allen Beteiligten ein großes Anliegen auf den Rastplatz gehen zu können und nach dieser extrem schweren Zeit, diesen Menschen Danke sagen zu können. LKW-FahrerInnen sind Systemrelevant – so lautete es täglich in den Nachrichten. In den Arbeitsbedingungen und im Lohn schlägt sich dies aber nicht nieder. Diese Menschen haben kaum eine Lobby. Sie kommen überwiegend aus osteuropäischen Ländern und sind beim Sub-Sub-Unternehmen beschäftigt. Deshalb kam auch Unterstützung durch Fernfahrerseelsorger und durch Mitarbeiter von „Faire Mobilität“(Ein Projekt des Deutschen Gewerkschaftsbundes DGB), die die Fahrer auf ihre Rechte aufmerksam machten. Denn die Frage stellte sich für viele Mitmacher an diesem Samstag: "Sind es nun Helden oder Sklaven?"

Das Lenkpausenteam, bot Nahrung an für Geist und Seele: Dünnele mit alkoholfreien Getränken und ein offenes Ohr. Offen ist die die Aktion "Lenkpause" auch für neue Mitmachende: Wer zukünftig dabei sein möchte kann sich gerne bei Heike Gotzmann (Arbeitnehmerseelsorge des Dekanats) unter 07731 87550 und heike.gotzmann(at)arbeitnehmerseelsorge.de melden. Es werden auch Personen gesucht, die durch osteuropäischen Sprachen als Dolmetscher das Lenkpausenteam unterstützen können.

Wochenblatt @: Oliver Fiedler