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»Ich seh' dir lustig in die Augen, Kleines«

Peter Zahrt Künstler aus Orsingen-Nenzingen
Auch mit Stargeiger André Rieu hat Peter Zahrt aus Orsingen-Nenzingen kunstvoll abgerechnet.swb-Bilder: sw

2018 als »unzahrtes« Jahr: Künstler Peter Zahrt wird 75 Jahre alt

 

Orsingen-Nenzingen. Die Rolle des Hofnarrs mag er am liebsten. Doch ein Hofnarr ist für ihn nicht der bezahlt-gefällige Claqueur-Spaßmacher der Herrschenden. Nein, ein Hofnarr ist für ihn ein eigenständiger, kritischer Geist, der den Mächtigen humorvoll den Spiegel vorhält und mit der gekonnten Kunst der Ironie Missstände entlarvt. Peter Zahrt kann zartfühlend sein. Er muss es aber nicht. »Zahrtoons«, nennt der in Nenzingen lebende Künstler seine skurrilen, bitterbösen Darstellungen mit gewolltem Augenzwinkern auf sich selbst. Das Augenzwinkern wird er beibehalten, obwohl 2018 ein ganz besonderes Jahr für ihn wird. Er feiert seinen 75. Geburtstag und möchte ein Dreivierteljahrhundert Peter Zahrt nicht auf der bequemen Coach, sondern im unbequemen Kampfring der streitbaren Kunst begehen. Ausstellungsmöglichkeiten werden noch gesucht, erklärt Peter Zahrt, der in Zukunft vor allem eines anstrebt: »Leben!«.

 

Runde Geburtstage können leicht zu Erinnerungen in Reue, Rückblenden voller Melancholie, »Zukunftsmania« mit hektischer Betriebsamkeit führen. Bei Peter Zahrt lösten sie einen Schaffensrausch aus, der sich in über 40 Bildern während der letzten vier Monate entlud. Was schon lange als Gedankenprojekt in der Schublade lag, was ihn aktuell umtreibt, was ihn früher faszinierte oder bisher noch nicht fertig gebaute Luftschlösser ließ er in seinen Malpinsel einfließen. Dabei ist sein Beherrschen der handwerklichen Maltechniken Nebensache. Seine Werke leben durch die Idee, den Clou, den Gag, den Eyecatcher. Etwa Dinge, die nicht zum Rest des Bildes passen – das U-Boot im Alpsee oder den Mann im Rollstuhl auf einer zerklüfteten Berglandschaft. Und er setzt auf allgemein Bekanntes mit Wiedererkennungseffekt, das er durch feine Nuancen verfremdet – Bundeskanzlerin Angela Merkel ohne Raute, dafür mit Usain-Bolt-Siegerpose, oder Humphrey Bogart in »Casablanca« mit schraffiertem Clownsmund bei der erotisierenden Ingrid Bergmann. »So wäre die Liebesgeschichte gut ausgegangen«, ist sich Peter Zahrt sicher. Er spielt auch mit Klischees, macht Alltägliches durch Kunstgriffe unalltäglich, interpretiert Zeitgeschichte um. Vor riesigen Windrädern lässt er einen resignierten Don Quijote mit Sancho Pansa auf eine Bank sinken. Die Diskussionen um die Windkraftanlagen erinnern den Künstler an den sinnlosen Kampf der beiden Cervantes-Helden gegen Windmühlenflügel.

 

 

Die Milde eines gereiften Alters hat sich Peter Zahrt bewusst selbst verbeten. Schmusekurs und Weichspülerpinselführung möchte er selbst im 75. Lebensjahr nicht. Ebenso wenig Machismo. Darum lehnt in einem seiner Bild der sonst nur so vor Maskulinität strotzende Torero fast ängstlich am Zaun mit drei Kühen. Ganz ohne Stier. Die »AfD« mag Peter Zahrt auch nicht. Darum hat er jedem ihrer führenden Köpfe einen Hitler-Bart verpasst. Originell ist auch seine Trump-Sezierung. Der US-amerikanische Präsident wird in eine Persiflage auf den »Schrei« von Edvard Munch hineinchoreographiert – Donald Trump ist halt ein Schreihals. Als reinen Karikaturisten sieht sich Peter Zahrt dennoch nicht. Er möchte die Züge seiner Figuren nicht so fein und zart zeichnen wie diese Kollegen, er mag es rauer. Er ist der »malende Karikaturist«. Der Hofnarr, der die Menschen mitnimmt und abholt. Durch Kunst nahe am Menschen.

Wochenblatt Redakteur @: Simone Weiß