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Kampf geht weiter gegen unverständliche Schließung

Karstadt Demo
Viele Mitarbeiter hatten sich mit Schildern zur Kundgebung ausgestattet. swb-Bild: of
Karstadt SPD
Schon vor der Kundgebung traf sich die SPD-Fraktion des Gemeinderats mit Staatssekretärin Rita Schwarzelühr Sutter für ein Gespräch mit Geschäftsleitung und Betriebsrat. swb-Bild: Alexander Wunderle/Büro Schwarzelühr-Sutter

Singen. Über 200 Menschen kamen am Freitagmittag um "5 vor 12" unter gewitterschwangeren Wolken in der Baustelle vor dem Singener Warenhaus Karstadt zusammen, um damit ein Zeichen gegen die vom Insolvenzverwalter vor einer Woche angekündigte Schließung - zusammen mit 61 weiteren Häusern im Bundesgebiet - ein Zeichen zu setzen. Die Mitarbeiter der Singener Filiale konnten mit Unterstützung der Gewerkschaft Ver.di in wenigen Tagen schon rund 2.000 Unterschriften sammeln, die sich für den Erhalt von Galeria Karstadt in Singen ausprechen, das ist ein Teil der Hoffnung.

Allen Rednern gemeinsam war das Unverständnis für die Entscheidung über ein Haus, das die letzten Jahre schwarze Zahlen geschrieben habe und nur aktuell durch die Baustellen für das Shoppingcenter CANO, den Umbau von August-Ruf-Straße wie Bahnhofsplatz behindert ist, was den Zugang doch deutlich erschwert.

Betriebsratsvorsitzende Karin Greuther gestand, dass ihre Wut immer größer werde. Die ganze Woche war sie unterwegs, unter anderem auch beim Gesamtbetriebsrat, aber eine Rückmeldung auf ihre Initiativen gab es bislang nicht. OB Bernd Häusler unterstrich, dass Karstadt in 46 Jahren die Einkaufsstadt Singen stark gemacht habe. Singen investiere rund um das Haus 13 Millionen Euro am Bahnhofplatz, in der August-Ruf-Straße und in der Hegaustraße um das Umfeld aufzuwerten. Auf der anderen Seite investiere ECE in das CANO gerade rund 160 Millionen Euro, weil Singen ein attraktiver Standort sei, der sich auch weiter entwickle. Häusler vermutet indes, dass man diese Filiale einfach kostengünstig im Rahmen der aktuellen Insolvenz abwiickeln wolle. Wenn man jetzt weitermache und sich die Frage in einigen Jahren wieder stellen würde, käme ein Schließung teurer. Häuser sagte, dass auch der Besitzer des Gebäudes schon mit einem Abschlag dem Konzern entgegen gekommen sei, er wolle nochmals ein neues Angebot geben.

Markus Klemt der für den Fachbereich Handel von Ver.di als Moderator auftrat, prangerte an, das die Karstadt Mitarbeiter schon bilsang auf Gehälter in einer Größenordnung von 100 Millionen Euro verzichtet hätten, um den Konzern in den Krisen der letzten Jahre zu unterstützen. Er befürchtet, dass schon bald Kündigungsschreiben aus der Zentrale an die betroffenen 124 Mitarbeiter abgeschickt würden um die Katastrophe zu vollziehen. Aber: »Wir sind gekommen um zu bleiben«, zeigte er sich kämferisch. Reiner Greis, Geschäftsführer des benachbarten Ver.di-Bezirks Südbaden aus Freiburg kritisierte scharf: »Diese Schließung ist eine Unverschämtheit und hat nichts mit Wertschätzung zu tun. Seit 20 Jahren suche man einen Weg in die Zukunft für Karstadt.

Der Singener Gemeinderat Hans-Peter Storz, verlas ein Grußwort von Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter, die am Morgen bereits mit der SPD-Fraktion einen Besuch abstattete: „Jahrelanges Missmanagement und fehlende Zukunftskonzepte auf höchster Ebene tragen einen entscheidenden Teil zu dieser Misere bei. Für mich ist klar: Filialschließung sind kein Zukunftskonzept!  Wir brauchen jetzt schnell ein tragfähiges Konzept für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Dafür werde ich mich als Sozialdemokratin und Gewerkschaftsmitglied mit Nachdruck einsetzen«, so Schwarlzelühr-Sutter.

Heike Gotzmann vom Arbeitnehmerpastoral des katholischen Dekanats lobte das Herzblut, mit dem die Mitarbeiter hier dabei sind. Sie übegab einen Schirm symbolisch, denn die Kirche wolle die Mitarbeitenden nicht im Regen stehen lassen.

Vor der Kundgebung äußerte sich noch Dr. Gerd Springe, Präsident des Standortmarketing »Singen aktiv«.Auch er sieht Singen als prosperienden Standort, der auf eine treue Kundschaft aus der Schweiz setzen könne. Ralf Dähling als ehemalige Betriebsratsvorsitzender - er hatte die für die Kundgebung eine Reise abgebrochen - zeigte sich schockiert, denn der Standort sei die ganzen letzten Jahre profitabel gewesen. Auch wenn er selbst vor einigen Jahren zu den Skeptikern gehört habe, sehe der darin inzwischen eine Chance für eine dynamische Entwicklung hier.

 Alle waren sich einig nicht kampflos die Ankündigung der Schließung hinzunehmen, weil so viele Argumente dagegen sprächen. Das Zeitfenster ist indes sehr knapp. Als Stich

Wochenblatt @: Oliver Fiedler