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Kein »weiter so« im Tierheim

Tierheim
Im Anschluss an die Gesprächsrunde führte Berthold Keller (li.) die Besucher in Kleingruppen durch das Tierheim und machte die prekäre Situation dabei nochmals besonders deutlich. swb-Bild: dh

Das Radolfzeller Tierheim platzt aus allen Nähten/ CDU-Fraktion will Verlegung an neuen Standort beantragen

Radolfzell. Vieles ist im Argen beim Radolfzeller Tierheim auf der Mettnau. Die Einrichtung platz personell und platzmäßig aus allen Nähten, erklärte Berthold Keller, der erste Vorsitzende des Radolfzeller Tierschutzvereins am Samstag im Rahmen der »Gehör(t)«-Reihe der Radolfzeller CDU. Schon vor Jahren habe die Stadt eine Vergrößerung des Tierheims in Richtung Technische Betriebe in Aussicht gestellt. Passiert sei allerdings nie etwas, so Keller enttäuscht. Zuletzt sollte im Rahmen der Überlegungen zum Sportpark Mettnau eine Lösung für das Tierheim gefunden werden. Entsprechend groß war die Enttäuschung bei den Tierschützern, als im Sommer deutlich wurde, dass das Tierheim aus diesen Planungen herausgefallen ist.

Tierschutzbund attestiert gute Arbeit

Wie dramatisch die Situation ist, macht Keller an einem Beispiel deutlich. »Wir haben nur 220 Quadratmeter Freifläche für den Hundeauslauf. Das ist laut Tierschutzgesetz verboten«. Eigentlich fordere der Gesetzgeber eine Fläche die mehr als zehn Mal so groß ist. Doch nicht nur die Situation für die Tiere ist prekär, auch die Infrastruktur für die Mitarbeiter entspricht bei Weitem nicht den gesetzlichen Vorschriften. Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen attestierte der Tierschutzbund dem Team um Berthold Keller gute Arbeit. Das geht allerdings an die Grenzen der Belastbarkeit, betont Keller: »So können wollen und werden wir nicht weiter machen«.

Die Frage nach dem Standort

Insgesamt 65 Teilnehmer waren bei dem Bürgergespräch anwesend, darunter auch Anwohner aus dem Bereich Allensbacher/ Reichenauer Straße. Sie machten ein weiteres Problem deutlich: Die Lärmbelästigung. Man habe großes Verständnis für die Situation im Tierheim. Viele Anwohner seien selbst Hundebesitzer. Doch das ständige Hundegebell werde oft zu einer wahren Geduldsprobe. Gerade im Sommer und nachts, wenn man gerne die Fenster geöffnet haben wolle, schilderte etwa eine Anwohnerin. Berthold Keller hat seinerseits für die Situation der Anwohner großes Verständnis.

Stresssituation

Ändern lässt sich daran allerdings nichts, denn der Aufenthalt im Tierheim ist für die Hunde, die oftmals sowieso schon traumatisiert sind, natürlich eine Stresssituation. Deshalb ist für Keller ein Umzug der Einrichtung an einen neuen Standort eigentlich unumgänglich. »Wenn erst die Wohnbebauung im Gleisdreieck kommt, dann können wir direkt eine Beschwerdehotline einrichten«, so Keller, der nicht nur freundliche und verständnisvolle Kritik von Anwohnern bekommt, sondern auch handfeste Drohungen, wie er betont.
Investitionsstau

Auch bei den Gebäuden, die sich im Eigentum des Vereins befinden gibt es einen großen Sanierungsbedarf. Ein weiterer Grund, wieso aus Sicht der Tierschützer ein Neubau an einem anderen Standort am sinnvollsten wäre.
Der Investitionsbedarf dafür liegt nach Schätzung des Vereins bei etwa einer Million Euro, mit vielen Eigenleistungen. Die Grundstücksfläche sollte vier Hektar betragen und in einem Randgebiet liegen, wo sich niemand gestört fühlen kann. Bernhard Diehl, Fraktionssprecher der CDU im Gemeinderat kündigte an, dass die Fraktion hinter einer Verlegung des Tierheims an einen neuen Standort steht. Einen entsprechenden Antrag hat die Fraktion für die Gemeinderatssitzung am 24. März gestellt.

Wochenblatt @: Dominique Hahn