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Kita-Platzvergabe soll gerechter und transparenter werden

Kita Berlinerstraße
Die Stadt Singen kann durch neue Einrichtungen wie hier an der Berlinerstraße inzwischen mehr Kita-Plätze anbieten. swb-Bild: of

Stadt Singen will Zentralisierung zum Jahreswechsel umsetzen

Singen. Die Wartelisten für Kita-Plätze und Kleinkindbetreuung in Singen werden kürzer durch die Inbetriebnahme neuer Einrichtungen wie die »Kita Berliner Straße« oder die Container am Paulus- Kindergarten im Singener Süden. Es gibt noch immer »Verteil-
probleme« für die freien Kindergartenplätze. Dem soll nun mit einer Modifizierung und Zentralisierung des bestehenden Programms »Little Bird« entgegengewirkt werden.
Nach den Berechnungen von Leonie Braun, die den Fachbereich Kindertagesbetreuung leitet, gab es zum 1. November im U3-Bereich 160 Kinder »ohne« Platz, aber im Gegenzug 132 nicht besetzte Kita-Plätze, im Ü3 Bereich seien es 220 Kinder ohne Platz, aber 160 freie Plätze. Unter dem Strich seien es 60 unversorgte Kinder für die es durch die zusätzlichen Gruppen im Singener Süden wie im Kinderheim Peter und Paul bald Entlastung geben kann. Die Statistik erfasst freilich offensichtlich nicht alle Kinder: bei den Einschulungen seien diesen Sommer 40 Kinder aufgetaucht, die gar nicht in der Kita gewesen seien, 17 davon auch von deutschen Eltern.
Weil es viel Belastung und viele Diskussionen, auch zum Thema Flexibilität, gibt, will die Stadt Singen nun ihr »Early-Bird-« Vormerk-System für Kitaplätze zentralisieren, kündigte Melanie Braun in der Sitzung des Ausschusses für Familien, Soziales und Ordnung an. Bisher gehen die Meldungen dezentral an die Einrichtungen, die sich die Eltern als Favoriten gewählt hatten. Wenn die aber voll waren, mussten andere Lösungen oder längere Wartezeiten diskutiert werden. Dieses bisherige System sei wenig transparent gewesen für die Eltern und auch die Stadtverwaltung hätte dadurch wenig Einfluss auf eine tatsächliche und zeitgerechte Vergabe der Plätze gehabt, was die oben aufgeführte »Dunkelziffer« zeigt. Auch sei mit dem aktuellen Verfahren der Aufwand für die Kita-Leitungen sehr hoch und gehe von der Betreuung und Leitungsarbeit ab.

Rückkehr zumPapier-Formular!

Jetzt habe man mit der Rücksprache des Gesamtelternbeirats, den Kita-Trägern in der Stadt und auch den Leitungen eine Zentralisierung des »Early Bird« erreicht, die für mehr Transparenz und auch mehr Gerechtigkeit sorgen solle, wie Leonie Braun meinte. Während nach dem bisherigen System zum Beispiel nur generell die Berufstätigkeit angegeben werde könnte, soll nach der neuen Lösung auch der Umfang der Berufstätigkeit bei der Vergabe nach einem Punktesystem mit einfließen können. Das fand in der Sitzung viel Lob aber auch Kritik. Gemeinderat Markus Weber (Neue Linie) monierte, dass man dafür trotz digitalem System ein Formular ausfüllen müsse, was in die aktuelle Zeit nicht passe, weshalb er diese Lösung auch ablehnen müsse. Verwiesen wurde darauf, dass man sich das Formular immerhin herunterladen könne, was Weber, der beruflich mit dem Programm auch vertraut ist, aber nicht überzeugte. Angelika Berner-Assfalg (CDU) sah immerhin den Fortschritt, dass man das Hick-Hack bei der Platzvergabe reduziere. Der Gesamtelternbeirat zeigte sich von der neuen Vorgehensweise nicht ganz überzeugt. Für sie bleibt ungeklärt, was mit den Eltern geschieht, die zwar keines der Kriterien erfüllen, aber trotzdem einen Platz brauchen, meinte die zur Zeit der Abfrage Noch-Vorsitzende des GEB KITA Annika Klotz. Bestes Beispiel wäre für sie die alleinerziehende Mutter auf Jobsuche, die dafür aber die Zusage für eine Kinderbetreuung bräuchte. Das beträfe viele Frauen zum Beispiel bei Saisonarbeitsplätzen, wo sehr kurzfristig Jobs vergeben würden. Der Elternbeirat bekomme oft die Rückmeldung, dass die Stadt hier auf wechselnde Lebenslagen nicht flexibel genug reagiere, so die Anmerkung des GEB KITA. Doch auch beim bisherigen System soll eine Vormerkung bereits bis zum Jahresbeginn erfolgen, sagte Leonie Braun auf Nachfrage aus dem Gremium.

Zusätzliche Stelle nötig

Die Zentralisierung bedeutet freilich auch Mehrarbeit im Rathaus selbst. Deshalb wollte man hier eine halbe Stelle einrichten, um die Vergabe in die Hände zu nehmen, sagte Leonie Braun. Man habe auch schon mit einer Rückkehrerin aus der Babypause eine Kandidatin zur Besetzung der Stelle, wurde in der Sitzung informiert. Die Stelle soll schon zum Jahreswechsel besetzt werden, das neue System dann ebenfalls an den Start gehen. Im Ausschuss wurde das mit einer Gegenstimme verabschiedet und am Dienstag durch den Gemeinderat beschlossen.

Wochenblatt @: Oliver Fiedler


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