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Kunst-Finale bei "Arte Romeias"

Bagger Ballett
Dieses Motiv des Künstlers Bert Binnig wurde am Samstag durch den Teilabriss freigelegt. Es ist nur wenige Tage in dieser Form zu sehen. swb-Bild: uj

Hegau Baugenossenschaft setzt besonderen Schlusspunkt mit "Baggerballett"

Singen (uj). Mit solch einem Besucheransturm hatten die Veranstalter am vergangenen Samstag wohl nicht gerechnet. Trotz der erlebten Erfahrung, dass im vergangenen Sommer während den Kunstaktionen der ARTE ROMEIAS enormer Besucherandrang herrschte, waren dennoch alle Beteiligten überrascht. Der Platz, von dem aus das spektakuläre Bagger-Ballett verfolgt werden konnte, war bis auf den letzten Quadratzentimeter mit neugierigen Menschen gefüllt.

Alle wollten sie den finalen Schlussakt der ARTE ROMEIAS sehen. Zwei Abrissbagger der 25-Tonnen-Klasse der Fa. Joos stand für dieses spektakuläre Schauspiel bereit, um durch den Abrissbeginn eines der beiden Gebäuden das letzte Kunstwerk der ARTE ROMEIAS freizulegen, ein Kunstwerk des Konstanzer Künstlers und Designers Bert Binning. Dieser hatte über mehrere Stockwerke ein Maggi-Lokalkolorit entworfen. Mit »zärtlicher Gewalt« sollten die Bagger brontosaurusgleich mit ihren Greifern auf den langen Hälsen das Kunstwerk freiknabbern und freischubsen.

In seinem Grußwort erinnerte sich Geschäftsführer Axel Nieburg der Baugenossenschaft Hegau: »Wenn ich die Häuser der Romeiasstraße sehe, sehe ich all die Menschen, die zahlreich zu unserem Festival strömten, junge Geflüchtete im regen Austausch mit anderen Besuchern, ältere Menschen, die sich durch die Treppenhäuser kämpften und keine Ausstellung verpassen wollten und alle waren sie total begeistert.« Nieburg erinnerte an die tolle Musik und Parties, Vorlesungen und Theateraufführungen. Jedoch, so Nieburg, wussten alle, dass die ARTE ROMEIAS ein Spiel auf Zeit war. Alle konnten und durften jede Minute der ARTE ROMEIAS genießen, weil die Abrissbirne schon mit breitem Grinsen bereitstand. »Heute ist es soweit, die ARTE ROMEIAS findet ihr definitives Ende mit einem schwermütigen Tänzchen, dem Bagger-Ballett«, leitete er das große Finale ein.

Oberbürgermeister Bernd Häusler klang bei seinem Grußwort durchaus stolz, denn »die ARTE ROMEIAS erleben zu dürfen war ein ganz besonderes Geschenk an die Stadt«, meinte er. Die ARTE ROMEIAS sei ein Beispiel dafür, wie sehr Singen eine offene, eine kulturbegeisterte Stadt sei. Er betonte aber auch, dass die neu entstehenden Wohnungen dringend benötigt würden.

Der Künstler Bert Binning, der sein Werk nach der Freilegung selbst das erste Mal erleben durfte, war mit dem Erfolg voll zufrieden. Mit Absicht sei ein Motiv gewählt worden, das um 1910 oder 1920 entstanden sein muss, was in etwa den Baujahren der abzureißenden Gebäude entspräche. Dazu sei das Werbebild der Maggi etwas umgearbeitet worden. Während das Originalbild eine Hausfrau zeigt, die mit dem Kochlöffel im Suppentopf rührt und dazu die allseits bekannte Würzmittelflasche hochhält, ging der Künstler davon aus, dass durch die Bauarbeiten die Dame nicht so erfreut sein dürfte. Deswegen habe sie einen erbitterten Gesichtsausdruck und ein Nudelholz in der Hand, erzählt er in einem Gespräch dem WOCHENBLATT.

Dem Künstler war durchaus bewusst, dass sein Kunstwerk lediglich eins bis zwei Tage zu sehen sein wird, bevor es in den Bauschuttcontainer wandert. Dafür dürfen sich viele Menschen auf neue Wohnungen freuen, die nun stattdessen entstehen sollen.

Mehr Bilder gibt es in der Galerie.

Wochenblatt Redakteur @: Oliver Fiedler