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Kunstmuseum Singen bekommt Werk von Jürgen Palmtag vom Land

Palmtag
Das Werk „silence sometimes can be like...“ von Jürgen Palmtag wurde dem Kunstmuseum Singen als Dauerleihgabe nun Übergeben. swb-Bild: Palmtag (c)

Aktion im Rahmen der Corona-Hilfen des Kultusministeriums / Sammlung wird dadurch aufgewertet

Singen. Mit der Übergabe des Kunstwerkes „silence sometimes can be like...“ (2009, Dispersion auf Papier, 214 x 282 cm) von Jürgen Palmtag an das Kunstmuseum Singen fördert das Land Baden-Württemberg einmal mehr den Ausbau der Singener Kunstsammlung, wie nun erfreut bekannt gegeben werden konnte. Der Ankauf durch das Land und die Übergabe als Dauerleihgabe erfolgte im Rahmen des Sonderprogramms zur „Unterstützung der Kunstschaffenden in der derzeitigen existenzbedrohenden Situation“, so Staatssekretärin Petra Olschowski im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, in der Mitteilung des Kunstmuseums.

„Die Künstlerinnen, Künstler und Galerien haben unter den Auswirkungen der Coronapandemie besonders zu leiden. Deshalb freue ich mich, dass wir mit der Aufstockung der Landesmittel im Jahr 2020 einen größeren Kreis erreichen und in dieser Ausnahmesituation unterstützen können“, so Petra Olschowski schon bei der öffentlichen Vorstellung des Sonderprogramms am 16. November 2020 in Stuttgart. Das ausgelobte Programm, dotiert mit 100.000 Euro, kommt Künstlerinnen und Künstlern aus Baden-Württemberg zugute.

Die Dauerleihgaben gehen ausschließlich an nichtstaatliche Museen in Baden-Württemberg, die in der Lage sind, die Leihgaben aus eigenen Mitteln konservatorisch fachgerecht zu betreuen. Die unabhängige, jährlich wechselnde Ankaufsjury hat im November 2020 entschieden. Vierzehn Kunstwerke von vierzehn professionell tätigen Künstlerinnen und Künstlern wurden aus den eingereichten Vorschlägen ausgewählt. Bereits im Dezember 2020 gingen die Dauerleihgaben an ebenso viele kommunal getragene Museen und Galerien in Baden-Württemberg. Unter den berücksichtigten Museen befindet sich auch das Kunstmuseum Singen, das die Anforderungen des Landes erfüllt.

Mit der Übergabe der Dauerleihgabe unterstützt das Ministerium die langfristige Sammlungsstrategie des Kunstmuseums Singen, die im Bereich der Gegenwartskunst ausgerichtet ist auf aktuelle Positionen aus der Vierländerregion Bodensee und aus dem deutschen Südwesten. Jürgen Palmtag (*1951), wohnhaft in Schömberg-Schörzingen, mit Werken und Ausstellungen bereits im Kunstmuseum Singen vertreten, ist als bildender Künstler und im Feld experimenteller Sounds tätig. Das verbindende Element zwischen beiden Gattungen ist die Verwendung und der unkonventionelle Umgang mit Sprache und Schrift, die der Künstler auch in der großformatigen, sperrigen Dauerleihgabe „silence simetimes can be like...“ einsetzt.

Gezeigt wird die Übertragung eines Fotos, das den chilenischen Staatschef Salvador Allende (1908-1973) am 11. September 1973, dem Tag des Armeeputsches und kurz vor seinem Freitod, auf dem Balkon des Präsidentenpalastes zeigt, in eine Art Graffiti-Zeichnung.

Fotografie, Hochkunst und Street Art, Bild, Wort und Zeit werden vom Künstler komplizenhaft vermengt, so der Singener Museumsleiter Christoph Bauer. Es entsteht ein trashiges, offenes Werk, dessen Verweise in alle möglichen Richtungen keinen eindeutigen Sinn ergeben. Kryptisch, laut, unvollendet ist das experimentelle Bild eine Art Spiegel parallel zu den Informations- und Erinnerungsfluten, die wild in unsere Alltags- und Lebenswelt einprasseln. Palmtags seit Mitte der 1980er entstehende Kunst ist richtungsweisend für eine jüngere Künstlergeneration, die heute ganz selbstverständlich Graffiti, Comic, Schrift, Illustration, Karikatur adaptiert und mixt.

Das Kunstmuseum Singen wird die Dauerleihgabe in einer der nächsten Sammlungsausstellungen präsentieren, kündigte Christoph Bauer an und hofft natürlich, bald wieder auch Besucher in der Räumen des Kunstmuseums begrüßen zu können. Schon seit November müssten hier die Türen geschlossen bleiben, also schon viel länger als beim erstem Lockdown im letzten Frühjahr, was schon als ein scharfer Einschnitt empfunden wurde. 

Das Haus freut sich nun aber erst mal, dass das Land Baden- Württemberg, welches das Museum bereits in der Vergangenheit mit Leihgaben und über sein Programm zur restauratorisch-konservatorischen Aufarbeitung kommunaler Sammlungsbestände unterstützt, einmal mehr fördert.

Wochenblatt @: Oliver Fiedler