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»Lasst uns arbeiten, damit wir überleben können«

| Ute Mucha | Schlagzeilen
Beherbergungsverbot  Hotellerie
Dunkle Wolken über der Hotellerie. swb-Bild: mu/Archiv

Heftige Kritik am Beherbergungsverbot im Gastgewerbe

Landkreis Konstanz. Heftige Debatten löste das Beherbergungsverbot vergangene Woche aus, das besonders den Hoteliers Bauchschmerzen bereitet. »Das ist eine ganz schwierige Zeit für uns«, sagt Siegfried Schaffer vom Seehotel Hoeri am Bodensee und Vorsitzender FG Tourismus+Hotellerie der Dehoga-Kreisstelle Konstanz stellvertretend für die Beherbergungsbetriebe in der Region.

Beschlossen wurde, dass Reisende aus innerdeutschen Risikogebieten mit über 50 Neuinfektionen je Hunderttausend Einwohnern binnen sieben Tagen nicht beherbergt werden dürfen, wenn sie keinen höchstens 48 Stunden alten negativen Test vorweisen können.

»Wir sind doch keine Hilfsheriffs, die die Gäste kontrollieren, woher sie kommen«, klagt Siegfried Schaffer und zeigt das Dilemma mit der Kontaktdatenangabe auf, die im krassen Gegensatz zur eigentlichen Willkommenskultur seines Hauses steht. Zudem sei die Kontrolle der Angaben in der Praxis kaum umsetzbar, denn wer wisse schon genau, welche Straße in welchem Hotspot-Bezirk zum Beispiel in Berlin liege. »Aber bin ich verantwortlich, diese Vorgabe umzusetzen«, betont Schaffer.
Zum Glück liefen die Sommermonate nach dem Lockdown im März am See gut. Denn jetzt stehen harte Wintermonate bevor, die vor allem von einem geprägt sein werden: von Unsicherheit. »Wir haben keinerlei Planungssicherheit«, so Siegfried Schaffer. Je nachdem wie sich die Corona-Infektionszahlen entwickeln und es zu weiteren Einschränkungen für das Hotelleriegewerbe komme, befürchtet er das Schlimmste: »Noch ein Lockdown über mehrere Wochen hinweg würden viele Beherbergungsbetriebe nicht überleben.«

Denn nach der Urlaubssaison klafft für große Feiern sowie Seminar- und Tagungsveranstaltungen eine große Lücke bei den Geschäftsbuchungen.
Der Hotelier sieht auch über den Tellerrand hinaus und erkennt die Auswirkungen des Beherbergungsverbotes auf viele Bereiche des Tourismus’ wie auf die Reise- und Veranstaltungsbranche, die Busunternehmen, den Einzelhandel und Taxifahrer.
Doch trotz der dunklen Wolken, die durch Corona über den Beherbergungsbetrieben hängen, will Siegfried Schaffer sich nicht entmutigen lassen: »Wir bleiben trotz allem zuversichtlich.«
Mit Informationen für die Gäste, Unterstützung durch die Dehoga und Einhaltung der Hygiene- und Abstandsvorgaben sowie Kulanz bei den Stornierungen will er sein Hotel durch die schwere See bringen – verbunden mit dem Appell an die Politik: »Lasst uns arbeiten, damit wir überleben können.«

Wochenblatt @: Ute Mucha

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