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Liebe Leserinnen und Leser,

| Liebe Leserinnen und Leser

das darf uns nicht passieren, ist aber passiert: Wir haben doch glatt Neues Testament statt Altes Testament geschrieben, als es letzte Woche an dieser Stelle um die zehn Gebote ging und wie wenig Worte in den zehn Geboten ausgereicht haben, um viel Klarheit zu bringen. Wir versuchen uns einmal schlau herauszureden: Vielleicht war es eine Freud‘sche Fehlleistung, erschienen uns doch die zehn Gebote gegen die heutigen Regelurwälder sehr modern, lebendig und klar. Spaß beiseite: Wir wollen es nicht schönreden. Tut uns leid, ist peinlich, so ein Flüchtigkeitsfehler.

 

In diesen Tagen warnen Ärzte und versuchen, irgendwo zwischen Bundestagwahlmachtkämpfen und Diskussionen über Öffnungen oder nicht, sich Gehör zu verschaffen. Gehör dafür, was Covid-19 an direktem menschlichem Leid verursacht: rund drei Millionen Tote weltweit – und dabei ist uns gerade gleichgültig, ob an oder mit Corona. Zum Vergleich ein Paar Zahlen von 2011: Geschätzte sieben Millionen Tote pro Jahr gab es 2011 insgesamt aufgrund von ischämischen Herzerkrankungen inklu-
sive Herzinfarkt, 6,2 Millionen Tote  durch Schlaganfall, 3,2 Millionen durch Lungeninfektionen. Wenn man sich diese Zahlen anschaut, kann man sie sicher neunmalklug auseinandernehmen, aber irgendwie ist doch klar: Covid-19 ist ein Virus, der sehr viele Menschen tötet und der noch viel mehr Menschen getötet hätte, wenn man ihm einfach gar nichts entgegengesetzt hätte. Mehr darüber lesen Sie auf dieser Seite. Besonders trifft uns, dass es immer mehr jüngere Menschen sind, die in die Intensivstationen kommen und die auch sterben. Auch wenn Menschenleben Menschenleben sind, sie hätten einfach noch mehr Jahre vor sich gehabt.

 

Und folglich schauen wir in Richtung der engagierten Versuche, die Menschen auch in dieser Region dazu zu bringen, sich testen zu lassen und stellen fest: Es lassen sich zu wenige testen, obwohl die Angebote in den Städten und Gemeinden gut sind, die Kommunen darum kämpfen, genug Tests herzuschaffen. Das ist doppelt schade, zum einen, weil Testen ein Weg ist, die Pandemie im Griff zu behalten und irgendwann wieder Perspektiven zu haben, und zweitens, weil es einem im Hinblick auf verschiedene Aufgaben, die vor unserer Türe stehen, ein bisschen das Vertrauen in das Thema Eigenverantwortung nimmt.

 

Wie wollen wir nach Corona Themen wie CO2-Reduzierung und sozialer Zusammenhalt denn tatsäch-
lich stemmen, wenn Freiwilligkeit und Eigenverantwortung so ausgelegt werden, dass es dabei immer nur um das eigene Ego geht? Da werden, sagen wir voraus, schlaue Belohnungskonzepte notwendig sein und da ist das, wie in Tübingen Massentestungen mit Geschäfts-, Kulturstätten- und Caféöffnungen verknüpft werden, doch ein Weg in die richtige Richtung. Die einen oder anderen Kommunen locken dann auch im Verbreitungsgebiet mit Handelsgutscheinen (Konstanz, 5 Euro) oder mit Verlosungen.

 

Wahrscheinlich ist es einfach so, dass es vielen schwerfällt, etwas zu akzeptieren, wovon sie glaubt, nicht unmittelbar jetzt betroffen zu sein. Das ist bei den Coronatestungen und beim Impfen genauso wie beim CO2-Ausstoß oder beim sozialen Zusammenhalt oder den Flüchtlingsfragen und das wird in einer so vernetzten Gesellschaft, in der auch alles weltweit innerhalb von Sekunden hinterfragt und diskutiert wird, wahrscheinlich eine der größten Herausforderungen, vor denen die Menschheit steht: Wie schaffen wir Regeln, die akzeptiert werden. An dieser Stelle möchten wir uns bedanken für die vielen Zuschriften, die wir erhalten haben auf die Zeilen der letzte Woche. Da ging es ja um Regeln. Wir haben viel Zustimmung für unsere Sichtweise bekommen und auch eine Zuschrift, in der uns empfohlen wurde, zum Psychotherapeuten zu gehen.

 

Das tun wir jetzt nicht, aber wir gehen jetzt zum Testen.

 

Bleiben Sie sich gegenseitig gewogen, vielleicht seien Sie gerne auch ein bisschen nachdenklich, was das eigentlich bedeutet.

 

Eine schöne und sonnige Woche

Carmen Frese-Kroll, Verlegerin

Anatol Hennig, Herausgeber

Oliver Fiedler, Chefredakteur

Wochenblatt @: Singener Wochenblatt

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