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Liebe Leserinnen und Leser,

wir hatten versprochen, dass wir diese Woche an dieser Stelle nur Positives schreiben. Dabei allerdings fällt uns etwas auf: Wann empfinden wir Menschen eigentlich etwas als positiv? Vor Corona war es nichts Besonderes, dass Geschäfte geöffnet haben und wir uns an einem Sommertag in eine Eisdiele in Seenähe setzen können oder abends mit Freunden essen gehen können. Erst jetzt, nachdem wir monatelang verzichten mussten, empfinden wir es als bemerkenswert positiv, dass wir in die Stadt können, an den See, Sport treiben, essen gehen etc. Heißt: Erst nach dem Fasten schätzen wir Menschen eben wieder das übliche Essen. Diese Erkenntnis ist, so finden wir, viel wert.

Und in diesem Sinne ist die Kampagne der Stadt Singen, die Singen aktiv mit vielen Partnern entwickelt hat, genau richtig: Mit ihr feiert Singen das Wiedersehen der Menschen in der Stadt in Welt eins, also der echten Welt. Das Debüt hat offensichtlich gut funktioniert. Wenn man so auf den Punkt das Richtige aus dem Hut zaubern will, wie es Singen aktiv jetzt getan hat, dann muss man vorbereitet sein und sich mit dem Thema Stadtleben und Willkommenskultur in der Region richtig beschäftigt haben, Zeit investiert haben. Was die klugen Geister dahinter zur Zukunft sagen, das lesen Sie auf Seite 13.

In Radolfzell haben Stadt und Aktionsge­meinschaft mit den Radolfzeller Wieder­eröffnungsgutscheinen auch einen Achtungserfolg hingelegt, zumal die Stadt hier direkt finanziell unterstützt hat. Und jetzt wird in Radolfzell ganz viel Arbeit investiert, dass von den Heimattagen möglichst viel erlebbar ist und irgendwie noch Sommerstimmung entstehen kann.

Die ersten Kultur-Veranstaltungen finden auch wieder statt, für uns der richtige Moment, unseren Print- und Online-Veranstaltungskalender waswannwo.tipslangsam wieder an den Start zu schieben.
Und allem, auf was wir uns da gerade wieder freuen und was wir da jetzt genießen, ist eines gemeinsam: Es begegnen sich die Menschen wieder als Ganzes, nicht als Pixelansammlungen, und sie freuen sich wie die Schneekönige darüber.

Müssen wir angstvoll auf die Welt schauen und auf die scheinbar ungewöhnlich großen Verwerfungen dort, die wir in den letzten Monaten so intensiv mitbekommen haben? Wir glauben: Nein. Eine der Lehren aus der Krise ist: vor Ort lässt sich viel bewegen, wenn man erstens den Mut hat, eigene Wege zu gehen, und zweitens diese eigenen Wege auch noch zu mehreren geht. Also: lokaler Alefanz mit Ziel, Hirn, Spaß und Freude statt Benchmarks, scheinbar bequeme Geschäftsmodelle von der Stange und Austauschbarkeit.

Vielleicht gehört da auch dazu, dass sich die Generation der jungen Bürgermeister in der Region (siehe oben) aufmacht, junge Leute nicht nur scheinbar mitzunehmen bei der Gestaltung der Zukunft, sondern tatsächlich beteiligen will. Schön, dass hier Menschen Verantwortung übernehmen für die Zukunft. Überhaupt Verantwortung: Während im Land, im Bund und sowieso in der EU oft sehr schwer auzumachen ist, wer eigentlich für was verantwortlich ist und war, ist das in der Stadt und Gemeinde deutlicher erkennbar. Heißt: Der Bürgermeisterberuf ist kein Beruf für Warmduscher. Wer sich dann noch den Aufgaben stellt, die da auf uns zukommen, der braucht Mut und den Willen, Verantwortung zu übernehmen und heute vielleicht mehr als früher auch die Fähigkeit, sich auf die großen Themen wirklich einzulassen.

Genießen Sie den Sommer in unserer wunderschönen Region, die vielleicht die vielfältigste Landschaft Europas ist.

Carmen Frese-Kroll, Verlegerin
Anatol Hennig, Herausgeber
Oliver Fiedler, Chefredakteur

Wochenblatt @: Singener Wochenblatt


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