Was wäre wenn.....Viele Schritte bis zum regionalen Lock Down
Lokale Reaktion als Vorbeugung für den Ernstfall

Möglicher Corona-Hotspot, Leitfaden, lokale Maßnahmen | Foto: Was wäre im Falle eines lokalen Corona-Hotspots zu tun? Die Kommunen im Landkreis wären vorbereitet.
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  • Möglicher Corona-Hotspot, Leitfaden, lokale Maßnahmen
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Landkreis Konstanz. Die Schreckensmeldungen rund um die Fleischfabrik Toennies in den Landkreisen Gütersloh und Warendorf brachten in der letzten Woche das ganze Land in Unruhe. Angesichts des unter den Mitarbeitern ausgebrochenen Corona-Hotspots gab es nicht nur regionale Lock Downs mit Kontaktsperren, geschlossenen Schulen und Kitas einschließlich Reisewarnungen und Quarantänegeboten bis hin zur Diskussion darüber, unter welchen Umständen überhaupt unser billiges Fleisch produziert wird. Deutlich wurden die Vorwürfe ausgesprochen, dass hier zu lange gewartet würde.

Doch wie wäre das, wenn plötzlich unser Landkreis oder eine Nachbarregion ein ähnliches Schicksal erleiden würde? Der Fall eines massenhaften Ausbruchs von Covid 19 durch einen infiziert eingelieferten Patienten Anfang April in den Kliniken Schmieder hat deutlich gemacht, wie schnell auch bei uns die Katastrophe passieren kann. Doch daraus wurde auch gelernt, dass schon frühzeitig reagiert werden kann, um schon auf sehr lokale Veränderungen reagieren zu können – um sogar einen regionalen Lock Down so einzugrenzen, dass nicht ganze Regionen nochmals von Stillstand und Kontaktverbot betroffen wären. Denn noch eine solche Phase würden viele Unternehmen, aber auch viele Familien bei geschlossenen Kitas oder Schulen kaum überstehen können.

Nachdem auch in Berlin wie in Stuttgart immer mehr Verantwortung an die Regionen, sprich Landkreise abgegeben wurde, hat der Krisenstab im Landkreis Konstanz einen dezidierten Plan aufgestellt, der aufzeigt, welche Reaktionen auf ein erhöhtes Infektionsgeschehen angesichts der noch immer möglichen »zweiten Welle« erfolgen sollen.

Bundesweit gilt ja inzwischen die Regel, dass die kritische Marke erreicht ist, wenn in einer Woche 50 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner auftreten würden. Das wären auf den Landkreis gerechnet 143 Fälle von Covid 19, die freilich auch in den härtesten Zeiten der Pandemie wie auch durch den lokalen Hotspot für die Region nie erreicht wurden. Doch es soll auch in viel kleineren Räumen gerechnet werden, so der Handlungsleitfaden des Landkreises. Schon wenn innerhalb einer Woche kreisweit 35 neue Fälle von Covid 19 wie positive Tests innerhalb auftreten würden, begänne der Krisenmodus erneut -mit der Verfolgung von Infektionsketten um diese, wenn möglich auch lokal eingrenzen zu können, auf eine Kita, Wohnanlage, Pflegeheim und deren soziale Umgebung. Schon bei diesem Szenario ist auch das Verantwortungsbewusstsein der Bevölkerung stark gefordert.

Wenn sich die Zahl trotzdem auf 70 Fälle in einer Woche erhöhen würde, träte die Stufe 2 des Leitfadens sofort in Kraft mit lokal eingegrenzten Kontakteinschränkungen, Versammlungs- und Veranstaltungsverboten, und gegebenen Falls auch mit Reihentests um Infektionsketten auf die Spur zu kommen. Die Maßnahmen würden sieben Tage nach dem Unterschreiten des Schwellenwerts fortgesetzt. Und wenn trotzdem der kritische Schwellenwert von 143 Fällen in einer Woche überschritten würde, müssten die Behörden wieder drastische Maßnahmen wie der Schließung von Gaststätten oder öffentlichen Einrichtungen verordnen.

Doch auch hier könnte der »Hotspot« eingeschränkt bleiben, wenn es unbeteiligte Regionalgebiete gäbe. »Es ist wichtig einen Plan zu haben, bevor ein Notfall eintritt von dem wir alle hoffen, dass er nie eintreten wird«, so Landrat Zeno Danner bei der Vorstellung des Leitfadens.

Bürgermeister der Region zeigen auf, wie die Kommunen auf einen möglichen Corona-Hotspot oder eine »zweite Welle« vorbereitet sind:

Bernd Häusler, Oberbürgermeister von Singen: »Seit Beginn dieser Krise, die für uns alle eine nie dagewesene Herausforderung darstellt, haben wir in Singen drei Grundsätze beherzigt: schnell handeln, wenn es nötig ist – dies in enger Abstimmung mit dem Landkreis. Sowohl der Verwaltungsstab in Singen als auch der Krisenstab im Landkreis haben sich hierbei bewährt. Dabei haben wir stets die Interessen unserer Bürger und Unternehmen im Blick. Genau diese Werkzeuge mit einer guten Portion Wachsamkeit werden wir auch in den nächsten Wochen und Monaten nutzen, um schnell und richtig reagieren zu können.«

Martin Staab, Oberbürgermeister von Radolfzell: »In erster Linie bleibt das Gesundheitsamt des Landkreises zuständig, wir setzen die Maßnahmen im Falle eines Lockdowns in Radolfzell um. Wir werden unsere Krisenstabsarbeit dann wieder intensivieren und sind in der Lage, mögliche Beschränkungen oder Anordnungen kurzfristig umzusetzen. Sofern es geboten scheint, werden wir selbst weitere Verfügungen erlassen. Bis dahin hat oberste Priorität, einen erneuten Lockdown zu verhindern. Daher setzen wir vor allem auf Aufklärung, Prävention und Kontrolle.«

Ralf Baumert, Bürgermeister Rielasingen-Worblingen: »Schon nach dem ersten Ausbruch reagierten wir schnell und in wenigen Wochen hatten 54 ehrenamtliche Helferinnen 14.000 Mund-Nasen-Masken genäht, welche kostenlos an unsere Bürger, Betriebe, Schulen, Kindergärten, Verwaltung u.v.m. verteilt wurden. Wir sind auf eine 2. Welle gut vorbereitet, da wir den Lagerbestand an OP-Masken, FFP 2-Masken, Gesichtsvisiere sowie Seife und Desinfektionsmittel im Rathaus, den Kinderhäusern, Schulen, Feuerwehr und des Pflegezentrums der neuen Lage angepasst haben. In den Büros der Verwaltung und an den Lehrerpulten sind Spuckschutzscheiben angebracht. Wir haben unseren kommunalen Notfall- und Einsatzplan um das Thema Epidemie/ Pandemie erweitert und regelmäßige Lagebesprechungen u.a. mit Pflegezentrum, Polizei, FFW und DRK eingerichtet.«

Dr. Michael Klinger, Bürgermeister von Gottmadingen: »Bevor wir darüber sprechen, wie wir mit einem lokalen Corona Hotspot umgehen wenn er dann wirklich auftritt, sollten wir darüber nachdenken, was wir alle miteinander tun können, um ihn zu vermeiden. Dabei macht mir Sorgen, dass einfachste Abstandsregeln mehr und mehr ignoriert werden. Nicht umsonst haben sich z. B. alle Freibadbetreiber zu sehr klaren und vielleicht auch nicht immer bequemen Regeln entschlossen, um täglich Eintritte für über 500 Besucher möglich zu machen. Ich denke, das Virus wird uns noch lange begleiten, wir müssen das akzeptieren und jeder muss sein Verhalten so ausrichten, dass eine zweite Welle möglichst vermieden wird.
Für den konkreten Fall haben die Gemeinden mit dem Landkreis einen Handlungsleitfaden zur Umsetzung von lokalen bzw. regionalen Maßnahmen vereinbart, der in drei Stufen bereits ab 20 Fällen je 100.000 Einwohnern und damit weit vor den offiziellen Schwellenwerten greift. Jede einzelne Maßnahme aus diesem Katalog zu erläutern würde an dieser Stelle zu weit führen. Wir werden dann sofort auch wieder auf örtlicher Ebene einen Krisenstab, der regelmäßig tagt, einrichten. Je nach Lage der Dinge müssten dann auch wieder Lockerungen lokal zurück genommen werden. Ich denke, wenn man hier moderat aber früh eingreift kann man auf die Länge extrem einschneidende Maßnahmen eher verhindern.«

Johannes Moser, Bürgermeister von Engen: »Die aktuelle Situation bei den Sars Covid 19 Infektionen ist sowohl im Landkreis als auch in Engen sehr entspannt. Es gibt aktuell keine NeuInfizierten. Dennoch darf man das Virus nicht unterschätzen und muss vorsichtig bleiben. Wie der Fall Tönnies zeigt, kann man nicht auf alle Eventualitäten vorbereitet sein. Der Leitfaden des Landratsamtes ist aber gut geeignet auf plötzlich stark zunehmende Fallzahlen angemessen und schnell reagieren zu können. Zusammen mit unseren Erfahrungen aus den Anfangszeiten der Coronakrise haben wir einige Handlungsoptionen, um einen möglichen Brennpunkt zusammen mit dem Gesundheitsamt wirksam bekämpfen und eingrenzen zu können. Daneben brauchen und vertrauen wir weiter auf die Unterstützung aller Bürgerinnen und Bürgern, die durch ihr umsichtiges Handeln von Beginn an einen großen Beitrag zur Zurückdrängung des Virus geleistet haben.«

Holger Mayer, Bürgermeister von Hilzingen: »Noch ist nicht klar, wie sich die weitreichenden Lockerungen auswirken. Die Infektionszahlen könnten wieder steigen, eine zweite Welle ist nicht auszuschließen. Als Gemeinde müssen wir weiterhin sehr wachsam sein und die Entwicklungen beobachten. Ein umfassendes Monitoring auf lokaler Ebene ist essentiell. Sollten Infektionsereignisse auftreten, müssen diese umgehend eingedämmt werden. Verwaltungsintern spielen wir solche Szenarien in unserer regelmäßigen Corona-Lagebesprechung durch. Dabei ist mir wichtig, den direkten Draht zum Gesundheitsamt auch weiterhin aufrechtzuerhalten. Früh erkennen, schnell eingrenzen und entsprechende Maßnahmen einleiten – all dies geht nur im Schulterschluss mit dem Landratsamt. Die enge und unbürokratische Zusammenarbeit war einer der Erfolgsfaktoren für die Eindämmung von Neuinfektionen. Dies gilt es fortzusetzen.«

Benjamin Mors, Bürgermeister von Steißlingen: »Wichtig ist für uns in diesen Fällen, dass wir schnell eine valide Entscheidungsgrundlage in den Rathäusern haben. Je nach Art des Ausbruchs wird es eventuell notwendig sein im Umfeld der Erkrankten bzw. in der gesamten Gemeinde schnell weitere Tests zur Verfügung zu stehen. Die sensiblen Bereiche (Kinderbetreuung, (Musik-) Schule, Freibad) werden dabei sicher schnell in den Fokus geraten. Diese zu schließen ist dann Aufgabe der Ortspolizeibehörde. Durch die Erfahrungen der vergangenen Monate ist unser Team geübt und ich bin sicher, dass auch eine solche Situation dort gut gemanagt werden würde. Kritische Infrastrukturen wie Wasserversorgung oder Kläranlage würden dann wieder im Notbetrieb gefahren, das bedeutet, dass Mitarbeiter in getrennten Schichten arbeiten würden um gegenseitige Ansteckung zu vermeiden.«

Rainer Stolz, Bürgermeister von Stockach: »Wir haben zwischenzeitlich vier Monate Erfahrung im Umgang mit der Pandemie. Ein nochmaliger »Lockdown« wäre vermutlich einfacher zu realisieren, als das momentan stufenweise Wiedereröffnen mit sich täglich ändernden Landesvorschriften. Wir hoffen aber, dass es soweit nicht mehr kommt und setzen dabei weiterhin auf die Vernunft und die Disziplin unserer Mitbürgerinnen und Mitbürger.«

Patrick Krauss, Bürgermeister von Moos: »Grundsätzlich ist beim Vorgehen zu differenzieren, ob das Ausbruchsgeschehen klar zu lokalisieren ist (Pflegeheim etc.) oder ob es sich um ein Ausbruchsgeschehen handelt, welches nicht klar identifiziert werden kann. Insbesondere für letzteres sind Maßnahmen gedacht, die jeweils möglichst zielgerichtet eingesetzt werden sollen. Wichtig ist zudem, dass Maßnahmen gemeinde- bzw. landkreisübergreifend abgestimmt werden, welches im engen Austausch mit dem Landratsamt/Gesundheitsamt sowie mit den Gemeinden im Landkreis geschieht.
Die Gemeinde Moos steht dazu, wie alle Gemeinden im Landkreis Konstanz, im engen Austausch mit dem Landratsamt/Gesundheitsamt sowie mit den anderen Gemeinden im Kreis. Im Falle einer (langsamen) Steigung der Infektionszahlen in der Gemeinde stehen in erster Linie Absprachen mit unserem Gemeindevollzugsdienst und dem Polizeivollzugsdienst, über örtlich verstärkte Kontrollen der Einhaltung der Corona-VO wie z.B. die Abstandregelungen in den öffentlichen Anlagen, an. Parallel dazu muss die Bevölkerung über die steigenden Fallzahlen informiert und zur Einhaltung der der Corona-Regelungen angehalten werden, um eine weitere Verbreitung einzudämmen. Dieses ist über das örtliche Amtsblatt „Höriwoche“ und die Gemeindewebseite vorgesehen. Im Zweiten Schritt würde man zusammen mit dem Landratsamt/Gesundheitsamt über Einschränkungen bzw. Schließung der ›Infektions-Hotspots‹ in der Gemeinde beraten und diese Schließungen bzw. Einschränkungen umsetzten.
Ziel ist es den Schwellenwert von 50 gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den letzten 7 Tagen im Landkreis gar nicht erst zu erreichen. Dazu hat das Landratsamt Konstanz einen Handlungsleitfaden zur Umsetzung von lokalen Maßnahmen erstellt, welcher bereits früher Maßnahmen in Absprache und Zusammenarbeit mit den Kommunen vorsieht. Dieser Handlungsleitfaden ist auch für die Gemeinde Moos bei steigenden Infektionszahlen der Wegweiser, nach dem gehandelt wird.«

Autor:

Ute Mucha aus Moos

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