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Lokalpolitiker prangern »Bahnsinn« an

Bahnhof Radolfzek
Wort- beziehungsweise ansagelos ist seit Anfang Dezember der Bahnhof in Radolfzell. swb-Bild: Heide

Serviceabbau schon jetzt und verschlechterte Verbindungen zum Fahrplanwechsel

Radolfzell/Singen. »Wer angesichts der Klimadiskussion auf Verbesserungen im Service und Angebot der Bahn und des Landes gerade im westlichen Bodenseeraum und Hegau durch den Fahrplanwechsel gehofft hatte, bleibt vielfach enttäuscht«, klagt Christoph Stadler namens der CDU-Fraktion im Gemeinderat und untermauert seine Enttäuschung mit einer Reihe von Beispielen aus Radolfzeller Bahnkunden-Sicht.

»Seit 2. Dezember bereits wird in Radolfzell bei den Displays am Bahnsteig eingeblendet: ›Keine Lautsprecheransagen möglich!‹ Zunächst denkt man an einen technischen Defekt. Eine Nachfrage präsentiert eine aberwitzige Erklärung. Die örtlichen Service-Mitarbeitenden dürften keine Ansagen mehr machen, gibt es zur Antwort. Dies solle auch in Konstanz und andernorts nun zentral von Ulm aus erfolgen. Geschieht aber nicht.«

Für Stadler ein Unsinn: »Nur der örtliche Mitarbeiter sieht die Bedürfnisse der Bahnkunden und kann reagieren, wie will dies jemand aus Ulm beurteilen? Und was soll die Ansage im Zug: »Bitte achten Sie auf die örtlichen Lautsprecheransagen‹? Dafür fehlt den Bahnkunden jegliches Verständnis. Die Ansagen benötigt man bei aktuellen Zeit- und Bahnsteigveränderungen vor Ort!« Nach seiner Einschätzung sei zu befürchten, dass auch der wertvolle Service-Point mittelfristig in Radolfzell aufgegeben werden solle.

Das nächste Beispiel, zu dem auch schon der Singener MdL Hans-Peter Storz in Stuttgart angefragt hatte: Wer von Allensbach, Markelfingen oder Böhringen nach Schaffhausen, Waldshut oder gar Zürich möchte, muss mit drastischen Verschlechterungen rechnen. Wer bislang zum Beispiel von Böhringen aus um 6.40 Uhr den Seehas nach Singen nahm und dann 6.51 Uhr den Anschluss richtung Basel nach Schaffhausen erreichte, wird zukünftig auf die Bummelbahn um 7.04 Uhr umsteigen müssen. Dies betrifft rund 50 bis 100 Reisende. Statt den bisherigen stündlichen, schnellen Verbindungen (23 bis 28 Minuten) verdoppeln sich die Fahrzeiten auf 45 Minuten. Mit dem PKW schaffe man dies in 25 Minuten, so Stadler.

Nach Zürich Hbf dauerten bislang die kürzesten Verbindungen von Radolfzell aus einmal stündlich,  zum Beispiel um 5.37 Uhr 1:18 Stunden oder um 6.40 Uhr 1:15 Stunden. Neu benötigten ab 12. Dezember alle Verbindungen jetzt eine Fahrtdauer um 1:47/1:54 Stunden, beziehungsweise 30 Minuten länger, verbunden mit 44 Minuten Herumsitzen auf kalten Bahnhöfen (je rund 20 Minuten in Singen und Schaffhausen). »Man verbringt demnach fast die Hälfte der Fahrtzeit auf Bahnhöfen«, kritisiert Stadler.

Noch unsinniger nennt Stadler den Zuschlag für den IC zwischen Schaffhausen und Singen und die Leerfahrten des IC von Singen nach Radolfzell. Die Schweiz verlange keine IC-Zuschläge in ihrem Netz, das Land Baden-Württemberg  zum Beispiel auf der Strecke von Engen nach Konstanz mit dem IC ebenso wenig. Aber zwischen Bietingen und Singen müsse man den IC-Zuschlag von deutscher Seite aus zahlen – mehr als paradox und willkürlich, so Stadler.

Schon bei der Einführung der wenigen direkten IC vom Bodensee nach Stuttgart wurde moniert, dass die Fahrgäste in Singen aus- und in den Seehas einsteigen müssen, obwohl der IC dann leer seine Reise zum Abstellen nach Radolfzell fortsetzt.

»Die bereits Anfang November über den Landkreis eingebrachten Aspekte blieben bislang von der Bahn und Nahverkehrsgesellschaft unberücksichtigt«, fordert Stadler nun baldige Nachbesserungen an.

Wochenblatt @: Oliver Fiedler


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