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Luisenplatz soll umgestaltet werden

Kriegerdenkmal Luisenplatz
Das Kriegerdenkmal auf dem Luisenplatz soll umgestaltet werden. Dafür sprach sich der Kulturausschuss in seiner jüngsten Sitzung einstimmig aus. Bis zum Mai 2018 sollen entsprechende Prüfaufträge im Gremium präsentiert werden, wie Angélique Tracik, Leiterin Fachbereich Kultur, erklärte.swb-Bild: gü

Ausschuss will Prüfaufträge im Mai präsentieren

Radolfzell. Das Kriegerdenkmal auf dem Luisenplatz stand in der jüngsten Vergangenheit immer wieder in der Diskussion - nicht nur im Stadtrat und in der Verwaltung, sondern auch in der Bevölkerung, da diverse rechtsorientierte Gruppierungen das Soldatendenkmal für ihre ausländerfeindlichen und braunen Parolen missbrauchten. Damit soll nun aber Schluss sein. Denn der Luisenplatz soll umgestaltet werden, wie Angélique Tracik, Leiterin Fachbereich Kultur, im Kulturausschuss erklärte. Damit einhergehen soll auch eine Entmartialisierung des Platzes. »Die Zielsetzung ist eine weitere Sichtbarmachung der Geschichte des Luisenplatzes und eine einfache Erläuterung des Soldatendenkmals«, sagte Tracik. Im Arbeitskreis für Erinnerungskultur wurden zehn Maßnahmen für die Neugestaltung erarbeitet. Der Kulturausschuss stimmte nun mehrheitlich dafür, dass ein Grünbewuchs durch wilden Wein, Efeu oder weiße Rosen, die Anbringung einer erläuternden Texttafel zur Person Luise von Baden, die Schaffung eines Aufenthaltsortes und eine Versetzung des Soldatendenkmals auf dem Luisenplatz weiter verfolgt werden. Entsprechende Prüfaufträge sollen im nächsten Kulturausschuss im Mai präsentiert werden, betonte Tracik. Keine Mehrheit fanden hingegen die weiteren Vorschläge wie eine Glasverhüllung, eine Schieflegung der Soldatenfiguren oder eine Versenkung des Denkmals im Boden. Auch eine Sprengung beziehungsweise Zerstörung des Denkmals wurde im Arbeitskreis diskutiert, wurde aber verworfen, da es nicht den Leitlinien der Erinnerungskultur entspreche. Für Nina Breimaier von der FGL und Vorsitzende des Präventionsrates sind diese Schritte erst der Anfang: »Ich will keine Bilder von unserem Luisenplatz auf irgendwelchen Nazi-Seiten im Internet mehr sehen. Dieser Ort darf kein Kristallisierungspunkt für radikale Gruppen sein oder werden«, betonte sie.
Gabriel Deufel (FW) gab jedoch zu bedenken, dass nicht jeder im Kriegerdenkmal etwas Negatives sehe. Er favorisiere einen Grünbewuchs. »Damit würden wir sprichwörtlich Gras über die Sache wachsen lassen«, sagte er.
Einen weiteren interessanten Vorschlag brachte Michael Jacob vom Seniorenrat ins Spiel: Mehrheitlich sprach sich der Seniorenrat dafür aus, aus dem Luisenplatz einen Grünpark zu machen. Jeweils zum Volkstrauertag könnten die Namenstafeln dann hergerichtet werden und würden somit nicht in Vergessenheit geraten. Das Soldatendenkmal hingegen könnte an den linken Rand des Platzes versetzt werden und würde so aus der Zentralität verschwinden. Hermann Leiz von der CDU gab indes zu bedenken, dass man Geschichte, so grausam sie auch war, ertragen müsse. »Wir werden es nie schaffen, den rechten Pöbel von diesem Platz fernzuhalten«, sagte er. Helmut Villinger von der CDU ergänzte: »Geschichte muss man erhalten aber auch aushalten.« Sein Vorschlag, dass die Soldaten mit dem Gesicht zu den Tafeln mit den Gefallenen umgedreht werden sollen, fand keine Mehrheit. Trotz aller Diskussion, ein Ziel verfolgten im Kulturausschuss alle Anwesenden: Der Leitsatz der Erinnerungskultur in der Stadt - »Mit Verantwortung für Gegenwart und Zukunft gegen das Vergessen« - soll bei allen Maßnahmen im Mittelpunkt stehen.

Wochenblatt Redakteur @: Matthias Güntert