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Margot Käßmann verspricht schöne Aussichten

Margot Kässmann
Margot Käßmann bei ihrem sehr unterhaltsamen Vortrag über altwerden im Radolfzeller Milchwerk. swb-Bild: uj

Ex-Bischöfin spricht vor 500 Besuchern im Milchwerk über das Altern und wie man trotz allem glücklich sein kann

Radolfzell. Am vergangenen Mittwoch lud die Buchhandlung Greuter zu einem Event der Sonderklasse ins Radolfzeller Milchwerk ein. Margot Käßmann hielt vor über 500 Gästen einen Impulsvortrag in Anlehnung an ihr neu erschienenes Buch »Schöne Aussichten auf die besten Jahre«. Die frühere Bischöfin und Erfolgsautorin zeigte auf, dass beides möglich ist: älter werden und glücklich sein.
Margot Käßmann redete sich mit ihrer humorvollen Art sogleich in die Herzen des Publikums, als sie über ihren 60. Geburtstag sprach. Sie habe sich sehr auf dieses große Fest gefreut, anders als manche, die bereits beim 40. Geburtstag schwarz tragen. Ihren 40. und 50. Geburtstag konnte sie damals nicht feiern, zu viel Alltagshektik begleitete sie. So war der 60. Geburtstag der richtige Anlass. Dabei stellte sie fest, dass der Sechzigste eben nicht der neue Vierziger sei, so wie manche sagen würden.

»Der Sechzigste ist der Sechzigste«, es anders zu sehen sei Quatsch. »Ich glaube, dass es mit 60 ruhiger wird«, meinte sie, um damit zu betonen, dass alt sein nicht heißen würde, ruhig zu sein. »Für immer jung sein geht nicht«, stellte sie fest und beschrieb, dass man zu den Falten und anderen Zeichen des beginnenden Alters stehen muss. Humorvoll gab sie Beispiele des Erkennens, dass man allmählich alt wird. So erzählte sie von ihrer Tochter, die ihr über zwei ältere Damen berichtete. Die Mutter fragte »Wie alt?« »Na, ungefähr so wie du«, war die Antwort. Da wusste sie: jetzt ist sie alt.

Das große Credo des Abends war, nicht zu viel zurückblicken. Ständiges Hadern mit der eigenen Vergangenheit mache missmutig. Das Leben sei wie ein Weg, man müsse entscheiden, welche Richtung man einschlagen wolle. Nicht entscheiden sei im Leben keine Alternative. Zu diesen Entscheidungen müsse man stehen und das Beste daraus machen.

Die ehemalige Bischöfin erzählte viel Persönliches. So sei sie nun mit 60 Jahren nicht im Ruhestand, sondern ämterfrei. Dieser Begriff gefalle ihr vielmehr als »Rente«. Sie genieße es nun, am Morgen ausschlafen zu können und einfach das tun und lassen zu können, worauf sie Lust habe, z.B. nach Radolfzell zu fahren, um dort einen Vortrag zu halten. Sie sprach auch über ihre Familie. »Ich bin gerne Oma, aber keine Ganztagsoma.« Den Abend hindurch stellte sie immer wieder interessante Thesen auf, die sie selbst kontrovers diskutierte.

Auch mahnte sie, dass das Thema Tod und Sterben zu sehr tabuisiert werden würde. So wie es Geburtsvorbereitungskurse gibt, sollte es auch Vorbereitungskurse für »die letzte Reise« geben, schlug sie vor. Sogar dieses Thema nahm sie in Würde mit Humor und schloss mit einem Witz: Nach der Kreuzigung Christi kommt Nikodemus zu Josef von Arimathäa und bittet ihn, sein Grab für Jesus zur Verfügung zu stellen, doch dieser nennt Ausflüchte: »Ich brauche das Grab für mich und meine Familie.« Darauf meinte Nikodemus: »Stell dich nicht so an, es ist doch nur übers Wochenende.«

Wochenblatt Redakteur @: Oliver Fiedler