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Millionen von Jahren im Zeitraffer

Neues Urweltmuseum Bodman
Die riesige Torkel bleibt erhalten: Doch sonst wird das historische Gebäude in Bodman einer musealen Nutzung zugeführt, erklären Rolf Bernhard Hauff und Johannes Baron von und zu Bodman. swb-Bild: sw

»Infotainment« pur im neuen Urweltmuseum Bodman

Bodman. Mallorca war in der engeren Auswahl. Oder die Speicherstadt in Hamburg. Aber am Ende hat Bodman das Rennen gemacht: In der historischen Torkel in Seenähe wird voraussichtlich zu Saisonbeginn 2020 das »Urweltmuseum Bodman« eröffnen, in dem Millionen von Jahren im Zeitraffer am Besucher vorbeiziehen werden. Eine Mischung aus Unterhaltung und Wissensvermittlung soll in der nach modernen museums-pädagogischen Erkenntnissen konzipierten Ausstellung geboten werden, erklärt Rolf Bernhard Hauff, der das Museum in privater Trägerschaft betreiben wird. Das historische Gebäude aber, so Johannes Baron von und zu Bodman, bleibt im Besitz des gräflichen Hauses.

Handwerker wuseln durcheinander, Baulärm zeugt von geschäftigem Arbeiten, und allerlei Werkzeug steht im Erdgeschoss herum. Dennoch: Ein »Eyecatcher« bleibt. Die mächtige Torkel, die riesige, hölzerne Weinpresse, ist imposanter Blickfang. Sie wird in das künftige Museum integriert, erläutert Rolf Bernhard Hauff. Der Diplom-Geologe betreibt in vierter Generation das Urweltmuseum in Holzmaden bei Göppingen in Württemberg - und er möchte in dem historischen Torkel-Gemäuer in Bodman eine Dependance eröffnen. Im Erdgeschoss sollen Rezeption und Empfang untergebracht werden. Und neben der Torkel wird die Präsentation von einem Bodenseerelief mit den Maßen von zwei mal einem Meter dominiert, das mittels Touchscreen und verschiedener Wortbeiträge Einblicke in die Geologie des Bodensees geben wird. Nicht archäologische Funde sind sein Thema, so Rolf Bernhard Hauff, sondern die Zeit bis zur Besiedelung.

Eine noch zu bauende Treppe wird im Museum vom Erdgeschoss hinauf in die erste Etage führen, in der versteinerte Fossilien aus der Jurazeit vor über 180 Millionen Jahren zu sehen sein werden. Der riesige Raum mit dem freundlichen Holzambiente bleibt erhalten, so der Museumsbetreiber, um Exponate aus dem Fundus von Holzmaden oder auch neu hinzugekommene Stücke zu präsentieren.

Eine geologische Uhr wird im ersten Stock die verschiedenen Entwicklungsstadien verdeutlichen, und auch hier soll es einen Blickfang zur Einstimmung geben: Gleich neben der Treppe entführt ein Unterseebild, eine Rekonstruktion im Stile eines Fotos, weit zurück in die urgeschichtliche Vergangenheit. Langeweile soll in diesem Museum Hausverbot haben.

Rolf Bernhard Hauff möchte seine Ausstellung voraussichtlich von April bis Oktober täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr für den Publikumsverkehr öffnen, und er wird dabei Unterstützung von einem Festangestellten und mehreren freien Mitarbeitern bekommen.

Moderne Medien und klassische Museumsarbeit sollen sich in Bodman vermischen: Informationen werden von Audioguides kommen, aber auch im Rahmen von Führungen vermittelt werden. »Wir erhalten keine staatliche Unterstützung«, erklärt Rolf Bernhard Hauff. Das Museum werde privat und mit Hilfe von Spenden und Sponsoren betrieben.

So zieht neues Leben in das alte Gebäude ein. Rolf Bernhard Hauff hatte verschiedene Standorte für seine Dependance des Hauptmuseums in Holzmaden im Auge gehabt. Eben Mallorca oder die Speicherstadt in Hamburg. Er sprach aber auch bei Gräfin Marita von Oppersdorff in Langenrain vor - der Schwester von Baron Bodman. Sie wusste, dass für die Torkel eine neue Nutzung gesucht wurde und konnte den Museumsmann an ihren Bruder verweisen - und so kam die Zusammenarbeit mit dem gräflichen Haus zustande.

Eine passende Location - zumal Rolf Bernhard Hauff am Wochenende in Bodman lebt. Bis zur Eröffnung wird die Torkel museumstauglich gemacht: In das Gebäude werden laut Baron Bodman etwa 700.000 Euro investiert, in die Ausstellung fließen nach Angaben von Rolf Bernhard Hauff noch einmal 200.000 Euro.
Ins Museum in Holzmaden, erklärt der Experte, kommen pro Jahr gut 40.000 Besucher, in Bodman rechnet er, etwas bescheidener, zunächst mit etwa 10.000 Gästen im Jahr. Er freut sich auf sein neues »Urwelt-Baby« und steht zum schwäbisch-badischen Dialog: »Die Bodmaner Bevölkerung wird natürlich mit eingebunden.«

Mehr Informationen zum Urweltmuseum mit Fossilien aus der Formation des Posidonienschiefer der Schwäbischen Alb in der Aichelberger Straße 90 in Holzmaden bei Göppingen gibt es unter: www.urweltmuseum.de

Wochenblatt Redakteur @: Graziella Verchio