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Mobil im Landkreis für einen Euro am Tag

365-Euro Busticket
Die ehemalige Kreisrätin Anne Overlack macht sich für ein 365-Euro-Nahverkehrsticket stark, mit dem man für einen Euro pro Tag den ÖPNV im Landkreis Konstanz nutzen könnte. swb-Bild: dh

Im Landkreis Konstanz wurde eine Petition für das 365-Euro Busticket gestartet/ Es gibt schon über 1.000 Unterstützer

 

Landkreis Konstanz. Viele negative Schlagzeilen hat der Regionalbusverkehr in der Region zu Beginn des Jahres gemacht. Die groß angekündigte Verbesserung war zunächst eine Verschlechterung. Nachdem das betroffene Unternehmen während der Corona-Hochphase im Frühjahr Gelegenheit hatte, nachzubessern, hat sich nun eine Initiative gegründet, die den öffentlichen Nahverkehr im Landkreis Konstanz auch finanziell noch attraktiver machen will. Die ehemalige Kreisrätin Anne Overlack und der Konstanzer OB-Kandidat Luigi Pantisano haben zusammen mit der deutschen Umwelthilfe eine Online-Petition für ein landkreisweites 365-Euro-Ticket gestartet.

Mobilität mit Zukunft

Die meisten Menschen im Landkreis bewegen sich noch immer vornehmlich mit dem Auto, beklagen die Initiatoren. »Inzwischen ist Konstanz regelmäßig verstopft von fahrenden und parkraumsuchenden Fahrzeugen. Wenn wir uns ökologisch vernünftig und im Interesse aller nachfolgenden Generationen zukunftsfähig bewegen wollen, dann sollte die öffentliche Mobilität Vorrang vor allen privaten Fortbewegungsformen haben«, heißt es in der Petition.

Nahverkehr und Kanalisation

Aktuell ist ein vergleichbares Ticket mehr als doppelt so teuer. Trotzdem ist der öffentliche Personennahverkehr seit jeher ein Zuschussgeschäft. Im Landkreis wird er durch die Kreisumlage mitfinanziert. Um eine Senkung der Fahrpreise auf einen Euro pro Tag zu finanzieren, schlagen die Initiatoren eine Erhöhung der Parkgebühren oder die Einführung einer City-Maut vor. Anne Overlack zieht zudem den Vergleich mit der Kanalisation: »Vor 100 Jahren hatten wir alle noch unser Plumpsklo hinterm Haus. Wer möchte in diese Zeiten zurück? Heute erreicht die Kanalisation jedes Haus, sie ist umlagefinanziert und wird von ihren Nutzern, also von uns allen, durch Abgaben und Gebühren getragen. So selbstverständlich wird auch der öffentliche Verkehr einmal sein – davon bin ich überzeugt«, betont sie.
Ein weiterer Vorteil: Es macht die Nutzung von Bus und Bahn unkompliziert. »Einfach ein- und aussteigen, wo und wann man möchte, ohne komplizierte Tarife verstehen zu müssen. Ist die 365-Euro-Flatrate einmal bezahlt, wird eher in die Öffentlichen als ins Auto eingestiegen – eine moderne Selbstverständlichkeit in Zeiten von Klimakrise und abgasverpesteter Luft«, heißt es in der Petition.

»Musterschüler« Radolfzell und Singen

Positive Beispiele für die gelungene Einführung eines 365-Euro-Tickets, zumindest für den innerstädtischen Verkehr, sind für Overlack die Städte Radolfzell und Singen. In Radolfzell zeigen die ersten Bilanzen bereits, dass es sich um ein Erfolgsmodell handelt, Singen hat in diesem Jahr nachgezogen. Für Overlack ein weiterer Hinweis darauf, dass der ÖPNV die Verkehrsform der Zukunft ist: »In meiner Vorstellung wird der ÖPNV aber einmal die zentrale Fortbewegungsform vor Ort sein«.

Petition läuft noch

Die Petition hat ein offenes ende. Zu gegebenem Zeitpunkt soll diese dann an Landrat Zeno Danner und die Mitglieder des Kreistags übergeben werden. Die Petition findet sich im Internet unter: www.change.org/365-Euro-Ticket-Landkreis-Konstanz.

365-Euro-Ticket in Radolfzell

Nachdem Radolfzell den Fahrpreis für Einzelfahrten im Jahr 2017 auf einen Euro reduziert hatte, stiegen die Fahrgastzahlen rasant an. 2019 konnte eine Verdreifachung im Vergleich zum Ausgangswert von 2016 vermeldet werden. Nach der Reduzierung der Ticketpreise von 2,30 Euro auf einen Euro, hatte man bei der Stadtverwaltung im ersten Jahr mit einem Verlust in Höhe von 120.000 Euro gerechnet. Am Ende betrug das Minus jedoch lediglich 40.000 Euro.

Wochenblatt @: Dominique Hahn