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Neue »Stolpersteine« für Radolfzell

Unauffällig aber für manchen doch Anregung zum Innehalten: 23 Stolpersteine erinnern in Radolfzell an die Opfer des Nationalsozialismus. Am 24. September kommen fünf Neue dazu. swb-Bild: dh

Fünf neue Stolpersteine sollen an Opfer des Nationalsozialismus erinnern

Radolfzell. Zum vierten Mal werden in Radolfzell am Donnerstag, 24. September, »Stolpersteine« verlegt. Eingelassen in das Straßenpflaster oder den Gehwegbelag erinnern die golden schimmernden Mahnmale an Opfer des Nationalsozialismus. In den Jahren 2014 bis 2016 wurden bereits 23 Stolpersteine von der »Initiative Stolpersteine Radolfzell« zusammen mit dem Kölner Künstler Gunter Demnig verlegt.
Am 24. September sollen nun fünf weitere dazu kommen, in drei verschiedenen Radolfzeller Straßen. Dieses Jahr werden Stolpersteine für ein Opfer der NS-»Euthanasie« in Grafeneck 1940 und für vier Opfer von Zwangssterilisierungen gesetzt, teilen die Initiatoren mit.

Narrensprüchle mit dunkler Vergangenheit

Gedacht wird mit den neuen Stolpersteinen unter anderem an Anna, Agnes und Josefine Fetzer. Sie gerieten ins Visier der NS-»Rassenhygiene«, deren Angehörige sie als »angeboren Schwachsinnige«, im Sinne des »Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses« stigmatisierte und deren Zwangssterilisation sie in den Jahren 1934–1939 von Staats wegen durchführte. Bereits im Februar hatte der Freiburger Historiker Markus Wolter für Aufsehen gesorgt, als er die Radolfzeller Narren damit konfrontierte, dass das Narrensprüchle »Fetzer Fine, alte Dreschmaschine« ursprünglich ein Spottlied auf Josefine Fetzer war. Wolter wird im Rahmen der Stolpersteinsetzung die Biografien der drei Frauen vortragen. Narrizella-Zunftpräsident Martin Schäuble will anschließend in einem Redebeitrag Stellung beziehen zum betreffenden Narrensprüchle. Weitere Stolpersteine werden verlegt für Hermine Bauer, die ebenfalls Opfer einer angeordneten Zwangssterilisierung geworden war und Josepha Trost. Letztere wurde am 27. Juni 1940 aus der Heil-und Pflegeanstalt Konstanz nach Grafeneck verschleppt, wo sie mit über 70 anderen Menschen aus dem gleichen Transport im Zuge der »Aktion T4« ermordet wurde.

Drei Stationen

Die Stolperstein-Setzung beginnt um 12.45 Uhr vor dem Haus in der Teggingerstr. 19, in dem Hermine Bauer gelebt hat. Von Seiten der Stadt Radolfzell wird Oberbürgermeister Martin Staab ein Grußwort an die Anwesenden richten. An jeder der drei Stationen werden die Biografien der einzelnen Opfer vorgetragen. Auch die Angehörigen bringen ihre Erinnerungen mit ein. In der Ekkehardstr. 16 (ehemals Mezgerwaid 1) werden um 13.20 Uhr die Stolpersteine für Anna, Agnes und Josefine Fetzer verlegt. Der Stolperstein für Josepha Trost, wird um 13.40 Uhr in der Bollstetterstr. 2 verlegt. Die Biografien zu allen Radolfzeller Stolpersteinen sind im Internet frei zugänglich unter www.stolpersteine-radolfzell.de.

Die Stolpersteine

Mit dem größten dezentralen Mahnmal der Welt wird der Opfer des Nationalsozialismus gedacht, also an Juden, Sinti und Roma, Homosexuelle, politisch Verfolgte, Zeugen Jehovas und »Euthanasie«-Opfer erinnert. Bis Ende 2019 wurden 75.000 Stolpersteine in Deutschland und 25 weiteren Ländern verlegt. Verlegungen werden von Angehörigen oder örtlichen Initiativen angeregt. Erst wenn die Biografien mit dem Leidensweg erstellt und die Dokumente belegt sind, werden die Dossiers an das Büro von Gunter Demnig weitergeleitet und die Stadt über den Wunsch zur Verlegung informiert.

Wochenblatt @: Dominique Hahn