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Neuer Nestlé-Maggi-Chef: Mehr Digitales in der »Suppenküche«

Pascal Moser
Pascal Moser, der neue Werksleiter von Nestle-Maggi in Singen bei der Ravioli-Probe. swb-Bild: Maggi

Pascal Moser will mit besserer Effizienz für Wachstum im Singener Stammwerk setzen

Singen. Sein Start ging glatt im Corona-Lockdown unter: Seit Februar leitet Pascal Moser (41) das Werk von Nestlé-Maggi in Singen in der Nachfolge von Martin Ruepp, der nach fast fünf Jahren in Singen nach Frankfurt an den Hauptsitz der Marke wechselte.
Schon wenige Tage nach seinem Antritt wechselte die Welt in den Corona-Modus. Pascal Moser, der aus Lausanne stammt, schon seit 17 Jahren für Nestlé arbeitet, zuletzt ein Werk für Speiseeis- und Joghurtproduktion in Santiago de Chile führte und zuvor unter anderem für »Nespresso« tätig war, hatte es gerade noch geschafft, seine Familie mit Frau und den zwei kleinen Kindern an den Bodensee nachzuholen, ehe kurz darauf die Grenzen überall dichtmachten. Seine Premiere für die »Maggi« wurde gleich zum Krisenmanagement. Viele erinnern sich an die leergekauften Regale von Konserven (und Toilettenpapier).
»Wir haben im ersten Halbjahr 2020 ein Plus von zehn Prozent verzeichnet, konzentriert auf die extrem hohe Nachfrage im März und April. Wir wussten aber auch, dass dies kein nachhaltiger Trend ist, auch wenn die Phase durchaus eine Herausforderung in Sachen Lieferketten war, und sind inzwischen auch wieder auf dem normalen Niveau angelangt«, erzählt Pascal Moser am Telefon. Als Leiter eines »systemrelevanten« Unternehmens der Lebensmittelproduktion ist er nach wie vor gehalten, seine Kontakte mit Außenstehenden auf ein absolutes Minimum zu reduzieren. Insgesamt kommen immer nur noch Besucher ins Werk, wenn dies absolut erforderlich ist. »Wir hatten in dieser Zeit auch das Glück, dass kein einziger Fall von Covid-19 hier aufgetreten ist.« Weiterhin, und eigentlich schon aus Tradition, geht es im Werk immer schon um höchste Hygienestandards, derzeit gesteigert durch getrennte Gruppen in der Kantine, um zu viel Enge zu vermeiden. Die Schutzmaske ist im Werk bis auf einige Bereiche freiwillig. Zum einen, weil es ganz schön warm werden kann, und zum anderen, weil sich Mitarbeiter in vielen Bereichen nicht nahe kommen.
Das Werk selbst befindet sich schon länger im Aufbruch in Richtung »Industrie 4.0«, es steht viel an Digitalisierung und Robotik an. Es gibt noch einige Bereiche, wo händisch gearbeitet wird, obwohl diese Tätigkeiten gut ersetzbar wären. Auch das werksinterne Transportwesen soll schon in Bälde automatisch ablaufen, da es derzeit aufgrund der Wegstrecken recht aufwändig gehandelt werden muss.
»Wir wollen die Mitarbeiterzahl von derzeit 670 aber nicht senken, sondern damit wachsen«, unterstreicht Moser den aktuellen Dreijahresplan für die Investitionen. Den vom Betriebsrat immer wieder kritisierten hohen Altersschnitt sieht Moser dabei durchaus als einen Vorteil. Es gäbe kaum ein Werk, das auf eine so große Erfahrung setzen könne.
Gedanken macht sich der gesamte Konzern derzeit um das Thema Verpackung. Immer dünner soll die werden und in vielleicht nicht allzu ferner Zukunft sogar aus so etwas wie »Papier« könnten die Trockenprodukte bald in den Läden stehen. Das gehört mit zum erklärten Programm von Nachhaltigkeit, immer gesündere Produkte zu produzieren, und auch dem Trend zu mehr vegetarischen Lebensmitteln entsprechend.

Nostalgie kam auf

Ein bisschen Nostalgie kam in diesen Corona-Zeiten bei den Kunden schon auf. »Wir haben doch eine ganze Reihe an ›Liebesbriefen‹ mit Kindheitserinnerungen an die Maggi-Klassiker bekommen«, sagt Moser. Doch auch viele andere haben die Marke wieder neu für sich entdeckt. Schließlich wurde durch Home-Office, Homeschooling und geschlossene Restaurants wieder so viel daheim gegessen, wie schon seit vielen Jahren nicht mehr.

Wochenblatt @: Oliver Fiedler