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Noch lange nicht wie in alten Zeiten

Heikorn Modenschau
Gerade die Innenstädte leben von Aktionen, von ihrer Funktion als Treffpunkt. Die Maskenpflicht gibt freilich vielen Menschen ein Gefühl des Unwohlseins. Unvorstellbar wären derzeit Highights wie eine Heikorn-Modenschau durch die gegenwärtigen Einschränkungen. swb-Bild: of/ Archiv

Wiederbelebung der Innenstadt nach dem Lockdown mit der Maskenpflicht zu kämpfen

Singen. Das Comeback der Innenstädte zieht sich hin nach dem Corona-Lockdown. Auch fast zwei Monate nach der Wiederöffnung der Läden ist noch lange nicht alles wie davor, sagen Händler wie Besucher der Stadt im Gespräch mit dem Wochenblatt.
Allen Akteuren ist klar, dass die Kunden erst wieder in die Innenstädte gelockt werden müssen um auf den Geschmack zu kommen, dass es einfach ein Lebensgefühl dieser Zeit ist, dass viele Menschen nötig sind um wieder ein »urbanes« Gefühl zu erzeugen. Die aktuelle Diskussion um die Maskenpflicht in den Läden, die derzeit von Berlin bis Bietingen geführt wird, beschäftigt die Kunden wie die Einzelhändler, denn sie trübt die Stimmung ganz schön.

»Besonders spürbar wird das wenn man in kleinere Geschäfte, zum Bäcker oder Metzger will und erst mal auf der Straße mit der Maske im Gesicht warten muss«, so eine Frau aus einem südlichen Stadtteil. »Ich kann anprobieren was ich will, mit Maske sieht es immer »Sch…« aus«, beschreibt eine andere Dame ihr reduziertes »Einkaufserlebnis«. Und bei den Fragen tönt immer eines heraus: Kundinnen und Kunden betonen, dass man da den örtlichen Handel unterstützen sollte was man jetzt tue. Der »Lustkauf« kommt derzeit gar nicht vor. Eher das Gefühl, so schnell wie möglich wieder aus einem Laden rauszukommen um die Maske wieder abzulegen. »Wofür jetzt neue Kleider kaufen«, ist eine oft gestellte Gegenfrage. Abgesagte Hochzeiten und Familienfeiern, und auch sonst kaum Gelegenheiten auszugehen, wenig Perspektive auf Urlaube, für die man sich sonst fein macht, bekommt man zu hören.

Handel sieht noch Durststrecke vor sich

Das Maskenthema und das nur zögerlich zurückkehrende Leben der Innenstädte beschäftigte die Händler intensiv. »Duch den Totalausfall des Frühjahrs haben wir das Thema Onlinehandel intensiviert und da einen Anteil von 20 Prozent erreicht. Trotzdem sind wir vom Vorjahresniveau noch weit entfernt weil die Schweizer einfach noch nicht wie vor der Krise hier nach Singen kommen, sagt Hannes Blatter vom Schuhhaus Läufer. Da werde man Geduld haben müssen und auch damit, das Loch bis Ende des Jahres schließen zu können. Auch für die Mitarbeiter sind die Masken eine starke Belastung. »Wegen des Corona-Modus mit Wechselbesetzung gibt es wenigstens die Möglichkeit Luft zu bekommen, aber abends ist man einfach fertig«, gesteht er. Auch Frisörin Marina Magro in der Schwarzwaldstraße spürt die Belastung durch die Masken für KundInnen wie Mitarbeiter. »Bei älteren Kundinnen haben wir auch schon die Masken abnehmen lassen weil wir gespürt haben, dass die keine Luft mehr holen konnten«. Und: Kürzlich hatte ich eine Neukundin, die eine Farbberatung wollte. Wie soll ich das machen, wenn ich den größten Teil vom Gesicht nicht sehe?« Was das Geschäft angeht sei das aber vom ersten Tag an nach der Wiedereröffnung auf Vollgas gelaufen. Allerdings: »Wir haben langsam immer mehr Desinfektionsmittel im Blut«.

Thomas Kornmayer vom Modehaus Heikorn hat die aktuelle Masken-Diskussion heftig in Wallung gebracht. Denn für ihn sind die aktuellen Regelungen nicht sinnhaft. »Wenn die Menschen bei uns reinkommen und die Maske anlegen müssen, ist das mit dem Gefühl verbunden, dass es bei uns gefährlich ist. Die selben Leute setzen sich dann ohne Maske gegenüber ins Restaurant zusammen. Da kann ich keine Gleichbehandlung drin erkennen«, schnaubt er. »Und wenn wir uns nun gegen die Maskenpflicht wehren wollen, wird uns gleich unterstellt, dass wir ja nichts gegen die Ausbreitung des Corona-Virus tun wollen.« Klar ist nicht nur für ihn: Shoppen macht erst wieder mehr Spaß, wenn die Maske freiwillig wäre.

Wochenblatt @: Oliver Fiedler