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Pächterwechsel bei den Radolfzeller Bädern eingeläutet

Radolfzeller Bäder
Alfred Heim und Eva Schoch von der Initiative Mettnau für Alle bedankten sich im Rahmen der Abschiedsfeier bei Ibrahim Stein und Derya Yildirim für die jahrzehntelange Betreuung der Radolfzeller Bäder. swb-Bild: uj

Initiative Mettnau für alle betrauert »das Ende einer Ära«

Radolfzell. Die Augen von Derya Yildirim leuchteten vergnügt, als sie am vergangenen Samstag bei ihrer Verabschiedung über vergangene Zeiten erzählte. »Superschön war die Hochzeit, die wir im August in unserem Radolfzeller Strandbad ausgerichtet hatten. Und dann war da noch das SWR3-Fernsehen, welches eine Dokumentation über uns und das Bad erstellt hatte«, erzählte sie mit Stolz in der Stimme. Dabei hatte sie sich gefreut, dass sogar Bürgermeisterin Monika Laule angerufen und zu dem großartigen Film gratuliert hatte. Als Pächterin des Radolfzeller Strandbads und Seebades lässt sie nun diese Zeiten hinter sich. Sie und ihr Vater, Ibrahim Stein, haben sich entschlossen, nach über 30 Jahren die Pacht für die Radolfzeller Seebäder nicht weiter zu übernehmen. Aus diesem Grund organisierte die Bürgerinitiative »Mettnau-für-alle« (MFA) eine Abschiedsfeier für die Familien Stein und Yildirim. Für MFA-Organisator Alfred Heim geht nun eine ganze Ära zu Ende, denn die beiden Familien haben die beiden Bäder geprägt. Zahlreiche Gäste, darunter viele Mitglieder der MFA, kamen, um noch einmal »Danke« zu sagen. Den Gästen waren die beiden Familien sichtlich ans Herz gewachsen und umgekehrt. Eva Kulisch, Sprecherin der MFA, lobte in einer kurzen und herzlichen Ansprache das außergewöhnliche Engagement. Dabei habe Ibrahim Stein als der Macher im Hintergrund agiert, zuständig für das Bestücken des Kiosks mit Getränken, Lebensmitteln und den vielen anderen benötigten Dingen. Derya Yildirim habe sich als wahres Multitalent erwiesen. Ihr und ihrer Tochter Yaren sei es zu verdanken, dass ein reibungsloser Ablauf des Strandbetriebs über drei Jahrzehnte gewährleistet worden war. In den vergangenen 30 Jahren mussten sie viele Steine, die ihnen in den Weg gelegt wurden, so gut es ging beseitigen. Kulisch wusste, wie sehr kräftezehrend das gewesen sein musste.

Die letzte Saison hat viel abverlangt

»Vor allem die letzte Saison hat Ihnen und der ganzen Familie alles abverlangt. Mit reduziertem Personal, sowie Frau und Herr Stein aus dem verdienten Ruhestand wieder zurückholend, schafften Sie das alles«, erinnerte sie. In diesen wilden Zeiten habe Derya alle Fäden zusammenhalten können, ob an der Kasse oder hinter der Theke. Sie hielt ihre Männer auf Trab und bei guter Laune. »Das hätte niemand so geschafft!« Auch Yaren habe immer wieder Dienst an der Kasse tun müssen, um ihre Mutter zu entlasten. »Dafür gebührt Ihnen, allen Mitarbeitern und Derya ein riesiges Kompliment, unsere volle Wertschätzung und Respekt.«
Derya Yildirim bedankte sich sichtlich gerührt über diese herzliche Verabschiedung: »Rational habe ich den Entschluss verarbeitet, emotional aber noch nicht. Ich werde euch vermissen, ihr werdet mir alle fehlen.« Die Radolfzeller kennen Derya Yildirim nicht nur als Badpächterin, sondern auch als engagierte SPD-Stadtratsabgeordnete. Als Pächterin war sie nicht nur für die Organisation des Badeablaufs zuständig, sondern hatte auch Personalverantwortung. Sechs Mitarbeiter waren in Vollzeit beschäftigt, in der Hauptsaison waren elf bis zwölf Mitarbeiter zu führen.

In den wohlverdienten Ruhestand

»Wenn der jetzige Pachtvertrag abgelaufen ist, werde ich erst einmal eine Pause machen«, erzählte sie. »Danach werden wir weitersehen. Ich habe einige Talente, ich weiß, was ich kann. Meine Eltern dürfen endlich wieder in ihren wohlverdienten Ruhestand.« Wie es mit den Bädern weitergeht, ist noch ungewiss. Im Ausschreibungsverfahren für die neuen Pachtverträge ist noch keine Entscheidung getroffen. So stellt sich auch Eva Kulisch in ihrer Rede die Frage, wie es denn weitergehen wird. Etwas schmunzelnd mutmaßte sie, dass die Pacht vielleicht die Tourismus- und Stadtmarketing-Stelle übernehmen wird, denn der Richtpreis des neu abzuschließenden Pachtvertrages läge mit 87.500 Euro rund dreieinhalb mal so hoch wie die bisherige Pacht. »Kein anderer als die Stadtverwaltung selbst wird diese Pacht bezahlen können«, ist sie sich sicher.

Wochenblatt @: Dominique Hahn


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