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Pflegestärkungsgesetz war erst ein Anfang

Pflegedialog
Andreas Westerfelfhaus bei seinem Vortrag im Pflegezentrum St. Verena. Mit am Podium MdL Andreas Jung. swb-Bild: of

Stark nachgefragter Dialog mit dem neuen Regierungs-Pflegebeauftragten

Rielasingen-Worblingen (of). „Ich habe das Amt jetzt noch drei Jahre und wir werden da gute Ergebnisse liefern“, versprach der erste Pflegebevollmächtigte einer Bundesregierung überhaupt, Andreas Westerfellhaus, der erst im April sein Amt im Rang eines Staatssekretärs im Bundesgesundheitsministerium angetreten hat, im Rahmen eine „Pflegedialogs“, den er am Dienstagvormittag  zusammen mit dem örtlichen Bundestagsabgeordneten Andreas Jung durchführte. Dass gerade nach dem Signal des „Pflegestärkungsgesetzes“ vom Oktober den Vertretern aus dem Bereich Kranken- wie Altenpflege noch eine ganze Menge unter den Nägeln brennt, zeigte die enorme Resonanz auf das Angebot zum Dialog, zum Teil bis aus dem Freiburger Raum waren die Fachleute die das Gespräch angereist. Westerfellhaus selbst ist nach eigenen Angaben derzeit viel Unterwegs um eben ein Stimmungsbild, Klagen wie Verbesserungsvorschläge aus dem ganzen Land zu sammeln und hat bislang 12 Bundeslänger durchkreuzt. Damit machte der Pflegeexperte, der selbst einmal als Krankenpfleger angefangen hatte, zuletzt Präsident des Deutschen Pflegerats war, deutlich dass er – ohne politisches Mandat übrigens – doch einiges in Bewegung setzen will um deren Situation zu verbessern.

In den letzten acht Jahren habe man in Sachen nur auf Missstände reagiert, wenn diese öffentlich wurden, allgemein habe ein Sparkurs vorgeherrscht, so Westerfellhaus in seiner Analyse. Der Blick für ihn geht aber nun nach vorne. Und da sei das im Oktober gesetzt Pflegestärkungsgesetz, bei  dem unter anderem 13.000 neue Stellen durch die Kassenbeiträge finanziert seien, nur ein erster Schritt, dem viele weitere folgen mussten. Für ihn ist es höchste Zeit flächendeckende Tarifverträge voranzutreiben um Wanderbewegungen der Fachkränfte des Geldes wegen zu verringern. Es sollten endlich für alle auch die gleichen Bedingungen geschaffen werden.  Auch in den Förderungen, die zum Beispiel in Bayern vorbildlich, aber ganz anders als im Rest der Republik seien. Ein riesiges Potential sieht Westerfellhaus in den Fachkräften, die ihrem Beruf den Rücken gekehrt hätten. Sie gelte es wieder zurück zu gewinnen, aber man müsse auch sehen, was diese dazu bewegt habe, mit ihrem Ausbildungsberuf  aufzuhören. Ihm schweben da Arbeitszeitmodelle vor, die eine Ruhephase einschließen. Die Arbeit in der Pflege solle planbar für die Mitarbeiter sein, unterstrich der Experte. Die Realität sei es aber, dass man ständig einspringen müsse um Lücken zu füllen. Ein Vorstoß in diese Richtung habe schon für deutliche Kritik gesorgt, gestand Westerfellhaus.  Er hatte die Idee gehabt, die ehemaligen Mitarbeiter mit Prämien zu locken. Die Pflegeträger hatten gekontert, warum man diese belohne und nicht die Mitarbeiter, die ja durchgehalten hätten.

Eine Kampagne zu diesem Thema solle noch vor Weihnachten vorgestellt werden, versprach der Pflegebeauftragte. Insgesamt fünf Arbeitsgruppen seien derzeit an der Arbeit zum Thema Pflegezukunft, sie würden ihre Ergebnisse im Lauf des nächsten Jahres vorstellen.

Im Zuge der Diskussion wurde aus vielen Beiträgen deutlich, dass auch die Entbürokratisierung eine gehörige Rolle spielen sollte, denn das würde riesige Mengen an Energie binden, die für die eigentliche Aufgabe der Pflegedienste dann  nicht mehr zur Verfügung stünden, wie Barbara Schleicher von der Caritas Freiburg anmerkte. Wenn man schon über Digitalisierung spreche, so sei es längst an der Zeit hier mit digitalen und automatisierten Verordnungen und Rezepten zu Arbeiten um die Sozialdienste zu entlasten.

Wie ein Vertreter der Sozialstation Blumberg anmerkte, verbringe man sehr viel Zeit damit, zeitlich begrenzte Zusagen immer wieder neu zu verlängern obwohl jedem klar sei, dass eine Anwendung oder ein Medikament dauerhaft  verabreicht werde.  

Andreas Hoffmann als Vertreter der Caritas Konstanz-Radolfzell bat darum, dass man sich endlich auf eine Heimaufsicht einige, denn derzeit kontrolliert der Landkreis und der Medizinische Dienst der Krankenkassen, was eine unglaubliche Bürokratie verursache. Da könnte man doch einen „Pflege TÜV“ draus machen. Hoffmann kritisierte zudem, dass die Aufsichten auch nur defizitorientiert arbeiten, die Mitarbeiter also nur immer damit konfrontiert würden was sie falsch machen, aber nie erfahren, was sie richtig und gut tun.

Andreas Westerfellhaus hatte sich eine Menge Notizen gemacht, auf die er reagieren will. Und er versprach etwas zu bewegen.

Wochenblatt Redakteur @: Oliver Fiedler