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Schutzengel und Klimaschützer geehrt

Zivilcourage Preis Singen
Die Preisträger bei der 8. Verleihung der Zivilcourage in Singen. swb-Bild: stm

Preise auch für Stolperstein-Initiative und Fahrradretter

Singen. Auch wegen der kurzfristigen Absage des Starmoderators Ingo Lenßen standen die Preisträger der Zivilcourage bei der 8. Verleihung am Freitagabend im Mittelpunkt – und das vollkommen zu Recht. Denn der Abend zeigte die Bandbreite von Zivilcourage in der Gesellschaft, jenen Bürgermut, der nötig ist, um sich für ein Projekt oder als Helfer einzusetzen.

Ausgezeichnet wurden als Gruppen die Stolperstein-Initiative Singen sowie die aktiven Klimaschützer von Fridays for Future, aber auch Einzelpersonen. Robert Noack aus Überlingen am Ried, der einen Fahrraddiebstahl verhinderte, indem er den beiden jugendlichen Dieben auf dem Rad folgte und mit Zustimmung der Polizei diese per Handy informierte.  

Doch ob der Geschichte zum Finale der Zivilcouragepreisverleihung dürfte so manchem Zuschauer im Kulturzentrum Gems der Atem gestockt haben. Denn dank dem beherzten Eingreifen von Katrin Mieth kam ein vierjähriger Junge glücklicherweise nicht zu Schaden. Das Kind war in der Friedingerstraße aus dem Dachfenster geklettert und befand sich anderthalb Meter davon entfernt in zehn Meter Höhe. Von einer Frau auf den Vorfall hingewiesen reagierte die Mutter zweier Kinder vorbildlich.

»Ich habe wohl hundertmal in drei Minuten gesagt »es kommt gleich Hilfe – halt dich bitte gut fest«, erinnert sich Katrin Mieth aus Singen noch gut an ihr Eingreifen damals. Die zu Hilfe gerufene Polizei war nach wenigen Minuten vor Ort und ein von Kollegen gesicherter Polizist ergriff das Kind und zog es in Sicherheit, freut sie sich über den glücklichen Ausgang.  

Marcel Da Rin von der Singener Kriminalprävention hob in seiner kurzen Ansprache hervor, dass sich die Zivilcourage als wichtiger Baustein der Demokratie etabliert habe. Mensch seien oft zögerlich, dabei einzugreifen - auch aus Angst selbst in die Opferrolle zu geraten. Doch meistens, trauen sich mehrere, wenn einer Hilfe leistet, so Da Rin.  

Eine Gruppe, die dem Vergessen der Opfer des Nationalsozialismus entgegenwirkt, ist die Stolperstein-Initiative. Seit zehn Jahre habe die Gruppe in Singen etwa 70 Stolpersteine verlegt, so ihr Sprecher Hans-Peter Storz, der bei der Verleihung, um Nachwuchs warb, denn die Gruppe wolle noch weitere 70 Stolpersteine verlegen. Dr. Heinz Kapp kündigte zudem an, dass sich das »Ökumenische Bündnis für Menschenrechte Hegau/Bodensee« den 500.000 Opfern der Sinti und Roma annehmen wolle, um hierbei einen Perspektivwechsel zu erreichen.  

Einen solchen haben Fridays for Future durch ihren Protest 2019 sicherlich schon bewirkt. Das Thema Klimawandel ist in den Fokus der Gesellschaft gerückt. In Singen sind Benjamin Jahnke, Matteo Möller und Amina Trautmann drei Gesichter dieses Protestes. Hierfür wurden sie ebenfalls usgezeichnet.  

Einen besonderen Auftritt hatte der albanische Verein Shoquata Rinia, der Singen beim Karneval der Kulturen vertreten hat und einige der traditionellen Tänze dem Publikum präsentierte. Tradition hat auch der Auftritt eines Comedian mit Migrationshintergrund. Der Auftritt von Passun Azhand, der die Grenzen der Comedy auslotete oder für mich gar überschritt, kam nicht bei allen Besuchern gut an.

Mehr Bilder von der Preisverleihung gibt es in der Galerie.

Wochenblatt Redakteur @: Stefan Mohr