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Singener Waldfriedhof wird Modellprojekt für Insekenfreundlichkeit

Si Waldfriedhof
Der Singener Waldfriedhof mit seiner parkähnlichen Gestaltung und dem alten Baumbestand wird nun auch Modellprojekt für Insektenfreundlichkeit. swb-Bild: of/Archiv

Vier Einrichtungen landesweit für dreijährige Studie ausgewählt

Singen/Stuttgart. In seinem Projekt »Insektenfreundlicher Friedhof« wertet der BUND Freiflächen zum Schutz von Wildbienen und Schmetterlingen mit Unterstützung der Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg auf. Vier Friedhöfe wurden als Modellfriedhöfe ausgewählt, der Waldfriedhof Singen ist dabei.

»Ein gewaltiges Artensterben ist im Gange. Besonders betroffen sind dabei Insekten. Heute gibt es 75 Prozent weniger Fluginsekten als noch vor 30 Jahren. Eine Trendwende ist nicht in Sicht. Auch in ländlichen Gebieten wird es eng«, sagt Sylvia Pilarsky-Grosch, Vorsitzende des BUND in Baden-Württemberg. Die Gründe für den derzeitigen Artenrückgang: intensive Monokulturen und Pestizideinsatz, aber auch Flächenverbrauch für Siedlungen, Gewerbegebiete und Straßen. Tatsächlich zeigen Studien, dass in Städten mittlerweile mehr Insekten vorkommen als auf dem Land mit intensiver Landwirtschaft.

Umso wichtiger werden daher Grünflächen im urbanen Raum. »Parks, Gärten und insbesondere auch Friedhöfe können zu wahren Naturoasen inmitten der Städte werden. Vorausgesetzt, wir legen sie naturnah und strukturreich an«, so die BUND-Landeschefin. »Viele Insekten sind auf artenreiche Wiesen mit heimischen Pflanzen und Kräutern angewiesen. Wenn wir ein reichhaltiges Nahrungsangebot mit Nistmöglichkeiten kombinieren, wie Alt- und Totholz, abgestorbenen Stängeln oder Steinhaufen, bekommen wir attraktive Lebensräume – und das mitten in unseren Dörfern und Städten.«

In seinem Projekt wertet der BUND mit Unterstützung der Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg verfügbare Flächen auf Friedhöfen für Wildbienen und Schmetterlinge auf. »Das Projekt Insektenfreundlicher Friedhof hat es sich zum Ziel gesetzt, auf vier Modellfriedhöfen durch naturnahe Grünflächen die Artenvielfalt zu fördern«, so Melanie Marquardt, Projekt-Koordinatorin. »Nachdem wir die vorkommenden Arten erfasst haben, konzipieren wir Maßnahmen zum Biotop- und Artenschutz und setzen sie auf den Freiflächen um.« Der Fokus liegt vor allem auf Wildbienen wie Hummeln, Sand- und Mauerbienen und Schmetterlingen wie Tagpfauenauge, Schwalbenschwanz oder Kleiner Fuchs. Gefördert aus Erträgen der Glücksspirale unterstützt die Stiftung das Projekt mit 145.000 Euro. Der Eigenanteil des BUND beträgt knapp 98.000 Euro.

Teilnehmende Friedhöfe stehen fest

Vier kommunale Friedhöfe, einer pro Regierungsbezirk, beteiligen sich an dem dreijährigen Projekt. Mit dabei sind: Hauptfriedhof in Stuttgart, Friedhof Handschuhsheim in Heidelberg, Stadtfriedhof in Biberach an der Riß und Waldfriedhof in Singen (Hohentwiel). Die Friedhöfe wurden vom BUND ausgewählt, weil sie über viele Freiflächen verfügen und so auch langfristig das Potenzial für eine ökologische Aufwertung haben und am Projekt aktive BUND-Ortsgruppen mitwirken können. Dadurch können die Kommunen entscheidend zum Erhalt und Förderung der Artenvielfalt beitragen.

»Aus den Ergebnissen erarbeiten wir Pflegekonzepte und -pläne, die Städten, Gemeinden, Kommunen oder anderen Friedhofsträgern sowie den FriedhofsgärtnerInnen und Gärtnereien als Blaupause dienen sollen«, so Marquardt.

Warum ausgerechnet Friedhöfe?

Friedhöfe bieten eine besondere Chance für den Arten- und Biotopschutz. Denn mit oftmals altem Baumbestand, artenreichen Blumenwiesen, Stauden und Gehölzen sind sie ökologisch besonders wertvoll. Sie bieten vielen verschiedenen Tieren Nahrungs- und Brutmöglichkeiten und Rückzugsorte. So findet man schon jetzt eine hohe Artenvielfalt auf Friedhöfen vor. Auch sind Friedhöfe kaum Veränderungen unterworfen. Sie werden selten überbaut oder umgestaltet und so können sich Pflanzen und Tiere über lange Zeit anpassen und entwickeln.
Die Nachfrage nach alternativen und flächensparenderen Beisetzungsarten wie der Urnen-Bestattung steigt; viele Friedhofsflächen bleiben in Folge frei. »Das ökologische Potenzial von Friedhöfen ist hoch, es bleibt aber oft ungenutzt. Häufig blühen auf den Gräbern Zierpflanzen und diese bieten Insekten nur selten Nahrung. Gepflegte Rasenflächen sind ebenfalls wertlos für die Tiere«, beschreibt die Projekt-Koordinatorin. »Ein weiteres Ziel des Projekts: Wir möchten naturnahe Grab-Anlage und -Pflege mit den ästhetischen Ansprüchen der BesucherInnen verbinden.«

 

 

Wochenblatt @: Oliver Fiedler


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