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Sommer, Sonne, Paprika

Gärtnersiedlung Paprika
Johannes Bliestle (links) und Matthias Keller (2. v.r.) führten Dorothea Wehinger (Mitte) und Friedlinde Gurr-Hirsch (rechts) durch die Reichenauer Gärtnersiedlung bei Beuren und erklärten ihnen die Produktion. swb-Bild: dh

Ein Besuch in der Reichenauer Gärtnersiedlung

Singen-Beuren. Nicht nur die Gartenbesitzer und Landwirte im WOCHENBLATT-Land haben in den letzten Wochen mit der Trockenheit zu kämpfen. Auch die Gewächshäuser der Reichenauer Gärtnersiedlung beim Singener Stadtteil Beuren sind von der Trockenheit betroffen. Normalerweise werden über 70 Prozent der Jahresbedarfs an Wasser durch Regenwasser gedeckt, das über die großen Glasdächer abfließt und gesammelt wird. »Seit zehn Wochen müssen wir pro Tag rund 500.000 Liter Trinkwasser von der Stadt Singen dazu kaufen um den Bedarf der Pflanzen decken zu können«, erzählt Matthias Keller, einer der Betreiber der Gärtnersiedlung der Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch und der Landtagsabgeordneten Dorothea Wehinger bei deren Besuch in der Gärtnersiedlung.

Neben dem Regenwasser wird normalerweise auch Wasser aus der Aach für die Bewässerung der Paprikas genutzt. Die Ansaugeinrichtung im Fluss ist dabei extra in einer gewissen Höhe angebracht, sodass kein zusätzliches Wasser entnommen werden kann, wenn die Aach Niedrigwasser führt, erklärt Johannes Bliestle, der Geschäftsführer der Reichenau-Gemüse eG.

Es versteht sich dabei fast von selbst, dass das Wasser, wie auch alle zusätzlichen Nährstoffe, die die Pflanzen bekommen so Effizient wie möglich eingesetzt wird. Überschüssiges Wasser wird wiederverwendet.
Überhaupt ist der Einsatz von modernster Technologie bei der Gemüseproduktion in der Gärtnersiedlung beeindruckend. Wie von Geisterhand gesteuert fahren die Transportwagen mit den Paprikas durch die Hallen und liefern sie an der vollautomatischen Sortieranlage ab.

Seit fünf Jahren gibt es die Gärtnersiedlung bei Beuren mittlerweile schon. Auch wenn das Vorhaben anfangs nicht unbedingt auf große Gegenliebe in der Bevölkerung gestoßen ist. Mittlerweile sind die Wogen geglättet, betont Dorothea Wehinger erleichtert. »Wer sich als Verbraucher regionales Gemüse wünscht, der muss auch akzeptieren, dass es hier produziert wird«, ergänzt Bliestle. Paprika seien schließlich das fünft beliebteste Gemüse der Deutschen, wobei die meisten Paprika aus Holland oder Spanien importiert werden.

15 Millionen Euro wurden 2012 in den Bau der Gewächshäuser investiert. Ein Schritt der unbedingt nötig war, wie Johannes Bliestle erklärt. Schließlich hätten es kleine Betreibe heutzutage enorm schwer. Die großen Einzelhandelsketten wünschen sich große, schlagfertige Partner. Dieter Weiler vom baden-württembergischen Gartenbauverband lobte die Gärtnersiedlung als zukunftsweisenden Betrieb. Und auch Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch, betonte dass man im Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum glücklich über dieses Vorbildliche Unternehmen und die Zusammenarbeit mit den fünf beteiligten Familien sei.

Das Ministerium möchte den lokalen Anbau und die lokale Vermarktung des Gemüses mit der Kampagne »Natürlich von daheim« unterstützen. »Die Menschen wollen Qualität und sind auch bereit dafür mehr zu bezahlen. Die »Geiz ist Geil« Mentalität ist zum Glück aus der Mode gekommen«, so Gurr-Hirsch.

Johannes Bliestle hält es indes für wichtig, die Produktion vor ort zu stärken, schließlich werde der Lebensmittelanbau überall auf der Welt durch die Folgen des Klimawandels schwieriger. »Im Moment geht es uns noch gut, aber wir müssen sicherstellen, dass das auch in Zukunft so bleibt«. betont er. Der biologische Anbau in der Region ermögliche zudem Transparenz vom Acker bis auf den Teller. 

Wochenblatt Redakteur @: Dominique Hahn