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Stadt Singen sucht Spuren von „Euthanasie“-Opfern

Graue Busse
Bereits 2014/15 wurde mit dem wandernden Denkmal der »Grauen Busse« den Opfern der Euthanasie in der Zeit der Nazi-Herrschaft gedacht. swb-Bild: ZfP Reichenau

Es gab wahrscheinlich mehr Fälle als bisher bekannt im Hegau

Singen. Die Stadt Singen hat damit begonnen, die Geschichte der Opfer von „Euthanasie“ und Zwangssterilisation aufzuarbeiten, wie sie nun informierte. Bürgerinnen und Bürger können das Forschungsprojekt mit Hinweisen unterstützen - oder Hilfe bei der Suche nach Opfern aus der eigenen Familie erhalten, so die Pressestelle der Stadt Singen.

In einem ersten Schwerpunkt sucht der Historiker Axel Huber nach den Opfern der „Euthanasie“ aus Singen und den Ortsteilen - und nach ihren Lebensgeschichten. Nach jahrelanger gesellschaftlicher Ausgrenzung von Menschen mit Einschränkungen und Problemen hatten die Nationalsozialisten ab 1939 ihre Ermordung forciert. In sechs Tötungsanstalten ermordeten Ärzte und Pflegepersonal in ganz Deutschland bis 1941 rund 70.000 Menschen. Nach dem offiziellen Ende der Aktion wurden bis Kriegsende zahlreiche weitere Opfer in Heilanstalten verdeckt ermordet.

Aus Singen und den Ortsteilen ergibt sich nach ersten Voruntersuchungen eine Zahl von mindestens 32 Euthanasieopfern in der Altersspanne von sechs bis 72 Jahren. „Es ist eine deutlich höhere Zahl an Opfern zu erwarten“, sagt Axel Huber. Die Opfer zu finden, ist sehr mühsam, da die Nationalsozialisten viele Spuren verwischten. Deshalb bittet Huber um Hinweise aus den Familien von Betroffen oder aus der Bevölkerung, um die Opfer der Vergessenheit wieder zu entreißen. Zumal drängt die Zeit - 75 Jahre nach Kriegsende.

Bekannt ist, dass aus den Verläufern des heuten Zentrum für Psychiatrie« Reichenau mehrfach Personen deportiert wurden. Rund um den 70. Jahrestag des Endes des 2. Welkriegs machte deshalb dort  vonOktober 2014 bis Mai 2015 das "Denkmal der grauen Busse" das als künstlerisches Symbol für die damals durchgeführten Transporte in Vernichtungslager gewählt wurde.

Oberbürgermeister Bernd Häusler unterstützt das Projekt: „Für die Stadt Singen ist die Aufarbeitung der Nazi-Zeit auch 75 Jahren nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ein sehr wichtiges Anliegen. Gerade in einer Zeit, wo Rassismus in Deutschland, Europa und der Welt wieder an Macht gewinnt, ist es unsere Aufgabe, auf die Schrecken von Nationalismus und Rassismus hinzuweisen. Aus der Geschichte lernen ist dabei ein wichtiger Bestandteil. Aber um daraus lernen zu können, muss man die Geschichte auch kennen.“ Die Forschungen werden durch das Bundesprogramm Demokratie leben! gefördert. 

Wer das Forschungsprojekt unterstützen will, kann sich an die Stadt wenden per Telefon 07731/85311, per E-Mail an axel.huber(at)singen.de oder per Post an Stadt Singen, z.Hd. Axel Huber, Hohgarten 2, 78224 Singen

Wochenblatt @: Oliver Fiedler