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Stadt steht unter Schock nach dem Scheffelhallen-Brand

Brand Scheffelhalle 2
Eine irrssinnige Hitze strahlte die brennende Halle aus, der Funkenflug berohte umliegende Gebäude. swb-Bild: Dalakuras

Viele hundert Besucher an der Brandruine am Dienstag

Singen. Eine ganze Stadt steht unter Schock. In der Nacht auf Dienstag ist die altehrwürdige Singener Scheffelhalle abgebrannt. Die Brandursache ist noch ungeklärt: wegen der Einsturzgefahr der Ruine und versteckten Brandnestern können die Mitarbeiter der Kripo erst ab Mittwoch ihre Arbeit aufnehmen, teilte die Pressestelle des Polizeipräsidiums auf Anfrage mit.

Brandmelder schlug Alarm

Um 0.58 Uhr am Dienstagmrogen schlug ein Brandmelder in der denkmalgeschützten Halle Alarm. Wie Andreas Egger, im Juli zum Kreisbrandmeister gewählt und bislang Kommandant der Singener Gesamtwehr, sagte, hätten Feuerwehrleute, die auf dem Weg zum Feuerwehrhaus an der Halle vorbeifuhren, keinen Brandausbruch gesehen. Als sie freilich wenige Minuten später mit den Feuerwehrfahrzeugen zurückgekommen waren, hätten die Flammen schon lichterloh an zwei Stellen aus dem Gebäude geschlagen, und wiederum wenige Minuten später hätten die ganzen Seiten der Halle in Flammen gestanden. Der Einsatz zog sich bis zum Mittag hin, und auch danach gab es noch immer einzelne Glutnester, die nachgelöscht werden mussten.
Die Polizei teilte am frühen Morgen mit, dass es eine Vielzahl von Notrufen gegeben hatte in der Nacht, denn das Feuer war weithin sichtbar. Sogar aus dem Bruderhofgebiet wurden dem WOCHENBLATT Bilder geschickt, die das Ausmaß dieses Großbrandes deutlich machten. Der Feuerwehr gelang es, ein Übergreifen des Feuers auf umliegende Gebäude durch Funkenflug zu verhindern. Personen kamen glücklicherweise nicht zu Schaden.

Asbest in der Dachdeckung

Die Anwohner wurden über verschiedene Medien gebeten, wegen der Geruchs- und Rauchbelästigung Fenster und Türen geschlossen zu halten. Und das aus gutem Grund: Die Dacheindeckung enthielt Asbest, das mit dem Brandruß weit in die Umgebung verstreut wurde. Sogar einige Kilometer weit, wie Singens OB Bernd Häusler in der Sitzung des Gemeinderats berichtete. Deshalb schickte der Singener Bauhof am Nachmittag Mitarbeiter in die Umgebung, um Garten- und Grundstücksbesitzer zu informieren. »Wenn es geregnet hat, ist die Gefahr gebannt«, so Häusler. Auch die Besitzer der Autos, die mit den Rußpartikeln des Großbrands verunreinigt wurden, sollten dies alsbald waschen, war die Empfehlung.

Fassungslosigkeit

Singens OB wurde in der Nacht auch alarmiert und zeigte sich tief bestürzt. »Ein Stück Singener Geschichte ist in Flammen aufgegangen. Das tut mir persönlich sehr weh. So wie ich haben viele Singenerinnen und Singener ihre ganz persönlichen Erinnerungen an die Scheffelhalle, in der ja so viele schöne Abende über die Bühne gegangen sind. Schlimm ist es vor allem für die Singener Fasnacht, die jetzt ihre Heimat verloren hat«, so der OB in einem Statement.
Er danke ausdrücklich der Feuerwehr für ihren beherzten Einsatz, mit dem ein Übergreifen des Flammeninfernos auf umliegende Gebäude durch den immensen Funkenflug verhindert worden sei.
Viele Gemeinderäte kamen den Tag über an der Brandstelle vorbei. Der Schock saß tief. »Ich kann jetzt gar nichts mehr sagen«, so SPD-Fraktionsvorsitzende Regine Brütsch. »Da hängen so viele Erinnerungen dran.«
Die FDP-Fraktion im Gemeinderat hat über Fraktionssprecherin Kirsten Bröske ihre Bestürzung zum Ausdruck gebracht: »Die Stadt hat einen Riesenverlust erlitten, Singen hat ein zentrales Kulturdenkmal und ein Stück seiner Seele verloren.« Die CDU Singen und ihre Landtagskandidat Tobias Hermann posteten: »Für die Kulturlandschaft und die Singener Vereine, speziell die Fasnachtsvereine, ist der plötzliche Abschied vom „Stall der Ställe“ ein Schlag in die Magengrube.«
Um Worte rang auch der Zunftmeister der Poppelezunft, Stephan Glunk. Die Halle sei eine Wiege der Singener Fasnet gewesen, die Trauer erst mal unendlich, gestand der Zunftmeister. Viele der weiteren Narren aus der ganzen Region, die den Tag über an die Brandruine kamen, waren ebenso tief bewegt. Manches Narrenhäs wurde mit Beileidsbekundungen an den Zaun geknüpft.

Spendenaufruf des Fördervereins

Adrian Gäng, Vorsitzender des Scheffelhallen-Fördervereins war auch am Mittag noch tief vom Schock getroffen, doch das Ende der Scheffelhalle sieht er durch diese Katastrophe nicht gekommen. Er rief schon am Dienstag zu Spenden und zur Mitgliedschaft in dem Verein auf um ihn stark zu machen im Einsatz für einen Wiederaufbau. Denn auch für ihn ist diese Halle ein starker Teil der Identität der jungen Stadt. Mehr dazu auf der Homepage des Vereins bei https://scheffelhalle.com/

Strittige Sanierung

Genau vor einer Woche hatte der Verwaltungs- und Finanzausschuss des Singener Gemeinderates über ein Sanierungskonzept für die Halle beraten, im Vorfeld des 100. Geburtstags der Halle. Angesichts von Kosten über fünf Millionen Euro wurde das Thema erst mal vertagt – auch weil einige Gemeinderäte den Charakter der Halle durch eine Komplettsanierung gefährdet sahen. Deshalb tauchten auch schnell Theorien zur Brandursache auf.
Bewegte Bilder dazu gibt es bei www.WOCHENBLATT.net/tv

Wochenblatt @: Oliver Fiedler


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