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Teil der „Generation Extinction“ werden

Extinction
Auch der öffentliche Raum wird auf der Suche nach einer Umweltaktivistin mit finsteren Plänen durchquert, wie hier an einer Litfass-Säule mit gemeinem Botschaften. Swb-Bild: Bǿrn Jansen

Konstanzer Spielzeit startet mit immersiven Theaterprojekt

Konstanz. Kann man Theater ohne Schauspieler machen? Das ist eine Frage, die man sich durchaus erst mal stellt, wenn man in Konstanz mit der „Generation Extinction“ in die neue Spielzeit unter der neuen Intendantin Karin Becker startet.

Becker setzt ihre Marken natürlich zum Start  - schon mit Falladas „Jeder stirbt für sich alleine“ mit den wegen Corona aus dem Parkett geräumten Theatersesseln auf der Bühne gestapelt oder nun eben mit der von Philipp Ehrmann inszenierten „Generation Extinction“.

Das Stück spielt auf der Straße, es spielt in Dachkammern, in denen kurz zuvor noch jemand gewesen sein muss. Es spielt in einem „geheimen“ Büro, in dem es um Entscheidungen über Leben oder Tod geht, um das Leben eines Mannes oder Millionen Menschen, die durch Nichtstun ihre Lebensgrundlagen verlieren.

Es wird von denen gespielt, die sich hier in kleinen Gruppen auf den Weg machen. Sie machen ihre eigene Geschichte daraus auf ihren Wegen durch die Konstanzer Altstadt, sie werden als vorher meist Unbekannte zum Team für knapp zwei Stunden und stehen am Schluss doch ratlos da. Denn ein „Happy End“, bei dem am Schluss jemand erklären Könnte, was in den letzten eineinhalb Stunden alles geschehen ist oder geschehen hätte können gibt es eigentlich nicht. Aber vielleicht viele Lehren darüber, wie Politik funktioniert, wie man sie durchschauen könnte, wie nah der Klimawandel ist, weshalb dazu so viel überhört wird und wie eine Flasche mit Strychnin aussieht.

Klingt spannend. Und das ist es auch. Es ist ein Fingerzeig, nicht nur wie Theater in Corona-Zeiten in anderen Formaten auch mit Maske funktionieren kann, und wie Theater überhaupt mehr als Zuschauen sein darf.

Ach ja, die Schauspieler: auch sie sind mit von der Partie. Nur eben nicht greifbar. Ihre Stimmen kommen aus einem Radio, das die aktuelle Lage schildert und zum nächsten Ort der Story leitet, ihre Gesichter sieht man auf Plakaten, im unter der Bettdecke versteckten Fotoalbum, sie sind nur nicht zu sehen. Aber das macht sie vielleicht nur noch spannender.

„Generation Extinction“ wird gespielt bis Ende Oktober. Start für die Gruppen ist im 20-Minuten-Takt. Mehr und Tickets unter www.theaterkonstanz.de 

Wochenblatt @: Oliver Fiedler


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