Hallo und guten Tag
Textilindustrie macht den Fischen das Leben schwer

Völlig überraschend und schwer bepackt platzte Marlene vor ein paar Tagen bei uns herein. Sie war auf Einkaufstour in der WOCHENBLATT-Hauptstadt und wollte meiner Chefin sofort ihre neu erstandenen Schätze vorführen. Mann oh Mann, jetzt war es vorbei mit dem gemütlichen Nachmittag; Ganz im Vertrauen, liebe WOCHENBLATT-Leserinnen und -Leser, ich wusste nicht wie viele unterschiedliche Felle – Entschuldigung, Kleidungsstücke – für eine Saison benötigt werden. Da sind wir Vierbeiner eindeutig im Vorteil – ein Winterfell und ein Sommerfell, einfach wunderbar! Bei einer Tasse Kaffee wurden die Neuerwerbungen vorgeführt und bewundert. Die allerbeste Ehefrau interessierte sich insbesondere für das Material aus denen die Klamotten der Freundin hergestellt waren. »Du hast da einiges aus Viskose dabei, findest Du das gut?«, wollte sie von Marlene wissen. »Wieso, den Stoff gibt es doch bereits seit ewigen Zeiten, was soll daran schlimm sein?«, so die Rückfrage. Meine Leibköchin erklärte, dass bei der Produktion von Viskose hochgiftige Chemikalien gebraucht werden wie z. B. Natronlauge, Schwefelkohlenstoff und Schwefelwasserstoff. Das bedeutet hohe Gesundheitsrisiken für die Arbeiter und Bewohner der betroffenen Regionen, von den Umweltschäden ganz zu schweigen. Die chi-   nesische Firma    CHTC Helon Co. Limited ist einer der größten Viskoseproduzenten auf der Welt. Ihre Fabrik in Weifang hat schon wiederholt sehr negativ auf sich aufmerksam gemacht. Extreme Luftverschmutzung und die Verseuchung des Trinkwassers sind das Ergebnis. Die Zustände in den anderen Produktionsländern wie Indien, Südasien – hier besonders Indonesien – sind keinen Deut besser. Die Flüsse so verseucht, dass Baden unmöglich ist und die noch vorhandenen Fischbestände sind bei dieser giftigen Brühe vermutlich ungenießbar. Die Textilindustrie hat keinerlei Hemmungen und pumpt den gefährlichen Dreck in die Flüsse. Das ist möglich, weil kaum echte Kontrollen stattfinden. Würde Viskose richtig hergestellt, dann könnte sie tatsächlich »nachhaltig« sein. Doch solange die Weltmarktführer in Sachen Mode wie H&M, Zara und Co. keine entsprechenden Bedingungen stellen, geht die Gefährdung von Mensch, Tier und Umwelt ungestraft so weiter. Meine Chefin hatte sich offenbar genau mit der Sache beschäftigt. Ehrlich, ich war richtig stolz auf sie. Aus meiner unmaßgeblichen Sicht auf vier Pfoten hätte ich da noch ein paar Fragen. Wie gefährlich sind die so produzierten Kleidungsstücke für die Menschen in Europa, die dieses Zeug auspacken und den Dampf einatmen müssen? Welche Gefahren gibt es für die Träger dieser Klamotten? Müssen H&M, Zara und Co. gezwungen werden für eine ungiftige Herstellung der Textilien zu sorgen? In diesem Sinn bis zum nächsten Mal, Ihr bunter Hund. 

Autor:

Redaktion aus Singen

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