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Umbruchzeiten beim Hegau-Geschichtsverein

Hegau Jahrbuch
Franz Hofmann bei seinem Vortrag in der Alten Kirche Volkertshausen. swb-Bild: hgv

Neues Jahrbuch in Volkertshausen vorgestellt

Volkertshausen. „Umbruchzeiten“ heißt das neue Jahrbuch des Hegau-Geschichtsvereins. Damit nimmt die Redaktion Bezug auf das vielfache diesjährige Gedenken an Jahren, die Umbruchzeiten markieren: 1618, 1918, 1938, 1948 und 1968. Die Redaktion habe sich aber nicht nur an diese in den Medien derzeit häufig angesprochenen Jahren von Umbrüchen gehalten, sondern noch mehr Umbruchzeiten in der Geschichte festgestellt, meinte Wolfgang Kramer bei der Vorstellung des Buches in der vollbesetzten Alten Kirche in Volkertshausen.

Das Jahrbuch mit seinen 320 Seiten enthält insgesamt 17 Artikel zur Geschichte des Hegau vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Auftakt macht ein Aufsatz des Burgenforschers Michael Losse, welcher der Frage nachgegangen ist, ob mit dem Ende des Mittelalters um 1500 auch das Ende der Burgen gekommen sei. Hochinteressant ist der Beitrag von Helmut Fidler, der die Rolle der katholisch gebliebenen Stadt Radolfzell in der Zeit von Reformation und Bauernkrieg untersucht, die der Stadt zumindest materiell zu Gute gekommen ist: Sie konnte ihr zentrales Heiligtum, den Hausherrenalter, mit goldenen Seitenplatten versehen, die ihn bis heute schmücken.

Der größte Artikel ist der des Konstanzer Kunsthistorikers Franz Hofmann, der „profanierte, umgenutzte und abgebrochene Kirchen und Kapellen“ im Hegau beschreibt und die Gründe für deren Untergang eingehend dargestellt hat. Franz Hofmann gab bei der Buchvorstellung in einem Vortrag einen Einblick in seine Forschungen, der mit viel Beifall aufgenommen wurde.

Der Stockacher Museumsleiter Johannes Waldschütz schildert die revolutionäre Situation in Stockach nach dem Ersten Weltkrieg und die Konstanzer Volkskundlerin Marie-Elisabeth Rehn stellt den Allensbacher NS-Bürgermeister Josef Mayer vor. Auf der anderen Seite stand der in Konstanz zur Schule gegangene Widerstandskämpfer Wilhelm Blanke, der in Paris mit der Résistance zusammenarbeitete und deshalb von den Nazis im Zuchthaus Brandenburg hingerichtet wurde. Sein kurzes Leben beschreibt Helmut Arnold.

Auf Interesse bei der Leserschaft dürften sicherlich die Artikel von Arnulf Moser über französische Besatzungskinder in Konstanz nach dem Zweiten Weltkrieg und die biografische Skizze von Manfred Bosch über den Kulturpsychologen Julius Bahle stoßen, der auf der Höri lebte. Erinnerungen bei Älteren werden beim Artikel von Hildegard Bibby über die Währungsreform wach, als im Juni 1948 alle „gleich“ waren und jeder 40 Mark in den Händen hielt.

Das Jahrbuch wurde vom Schriftleiter und Vereinsvorsitzenden Wolfgang Kramer ausführlich vorgestellt und erläutert. Die Veranstaltung umrahmte der vielseitig begabte Pianist Aaron Löchle aus Büßlingen, der mit Beethovens Sonate „Waldstein“ und einer Kabarett-Einlage das Publikum in der Alten Kirche begeisterte.

Das Jahrbuch 2018 ist im Buchhandel oder über den Hegau-Geschichtsverein unter  07731/85-239 wie über www.hegau-geschichtsverein.de beziehbar. 

Wochenblatt Redakteur @: Oliver Fiedler